Neue Sesselbahn am Jochpass nimmt am Samstag Fahrt auf

Zur Engstlenalp geht’s nun mit Haube und auf geheizten Sitzen. Letzteres ist eine Premiere bei den Titlisbahnen.

Matthias Piazza
Hören
Drucken
Teilen
Peter Reinle, Marketingleiter der Titlisbahnen (links) und Peter Lussi, technischer Leiter, auf der neuen Sesselbahn Engstlenalp–Jochpass.

Peter Reinle, Marketingleiter der Titlisbahnen (links) und Peter Lussi, technischer Leiter, auf der neuen Sesselbahn Engstlenalp–Jochpass.

Bilder: Matthias Piazza (Jochpass, 11. Dezember 2019)

In Reih und Glied hängen sie hintereinander. Ab morgen werden die Sessellifte regulär Passagiere vom Jochpass zur Engstlenalp befördern. Und zwar so schnell und komfortabel wie nie zuvor. Mit einer Geschwindigkeit von 5 Metern pro Sekunde fährt die Bahn einen halben Meter pro Sekunde schneller als ihre Vorgängerin. In rund 4 Minuten überwindet man nun die 1244 Meter lange Strecke und 260 Meter Höhendifferenz.

Die Kapazitätssteigerung von 1400 auf 2000 Personen pro Stunde ist aber vor allem den grossen Sesseln zu verdanken. Sie bieten neu Platz für sechs Passagiere, das sind dreimal so viel wie früher. Damit konnte die Zahl der Sessel von früher 104 praktisch halbiert werden – mit einem gewichtigen Vorteil für die Passagiere. «Sie haben nun mehr Zeit zum Auf- und Absteigen», sagt Peter Lussi, der als technischer Leiter für den Betrieb dieser Sesselbahn verantwortlich ist. Andere Neuerungen fallen aber mindestens so stark ins Gewicht. Eine Haube schützt die Fahrgäste nun vor Wind und Wetter, so wie bei mittlerweile fast allen Sesselbahnen am Titlis. Eine Premiere im Skigebiet sind die beheizten Sitze.

Peter Lussi, technischer Leiter, in der Leitstelle bei der Bergstation Jochpass.

Peter Lussi, technischer Leiter, in der Leitstelle bei der Bergstation Jochpass. 

Die Behebung von Kapazitätsengpässen an Spitzentagen und die Steigerung des Komforts für den Fahrgast waren aber nicht die einzigen Gründe dafür, dass die Titlisbahnen 12 Millionen Franken in den Bau der neuen Sesselbahn investierten. «Die Anlage aus dem Jahre 1972 wurde 1993 teilweise erneuert. Sie hat das Ende der Lebensdauer erreicht», erklärt Peter Lussi. Sorgen bereitete ihm vor allem die veraltete Steuerung. Ersatzteile waren nicht mehr erhältlich. Das habe sich zwar nicht auf die Sicherheit, aber auf die Zuverlässigkeit ausgewirkt.

Schnee stellte den Zeitplan auf die Probe

Rund 70 Meter parallel zur alten Bahn entstand im vergangenen halben Jahr ihre Nachfolgerin. Der unerwartet viele Schnee bis in den Frühling hinein stellte den ambitiösen Zeitplan auf die Probe. «Dank guter Absprachen und Koordination unter allen Beteiligten konnten wir den anfänglichen Rückstand aufholen und die Anlage pünktlich in Betrieb nehmen», erzählt Peter Lussi. Dass die neue Bahn etwas versetzt wurde, hat nicht nur den Vorteil, dass der Sommerbetrieb auch während der Bauzeit weiterlief. «Die alte Talstation liegt nach heutigen Erkenntnissen in einem lawinengefährdeten Gebiet. Die neue Bahn ist nun vor Lawinen viel besser geschützt», erklärt Peter Reinle, Leiter Marketing bei den Titlisbahnen.

Die Erneuerung der Titlis-Rotair vom Stand auf den Titlis 2014 und der Gondelbahn Engelberg–Trübsee–Stand 2015 oder die geplante Modernisierung der Anlagen auf dem Gipfel in den nächsten Jahren: Die Titlisbahnen investieren laufend. Um das grosse Wachstum gehe es dabei nicht, versichert Peter Reinle. «Mit einem Wachstum von einem Prozent jährlich sind wir zufrieden.» Die vielen Erneuerungen, die auch in den kommenden Jahren fortgesetzt würden, hätten zum Ziel, den Kunden einen hohen Komfort zu bieten. «Und neue Anlagen sparen auch Betriebskosten», ergänzt Peter Lussi.