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Neuer Besitzer für Sarner Traditionslokal gesucht

Das Restaurant Jordan in Sarnen steht zum Verkauf – seit 1960 ist es in Händen der Familie Haas.
Marion Wannemacher
Xaver Haas, Inhaber des Restaurants Jordan, vor der Gaststätte. (Bild: Marion Wannemacher, Sarnen, 8. Juli 2019)

Xaver Haas, Inhaber des Restaurants Jordan, vor der Gaststätte. (Bild: Marion Wannemacher, Sarnen, 8. Juli 2019)

Die Sarneraa fliesst in derselben Geschwindigkeit wie immer. Kleine Wirbel zeichnen sich auf der Oberfläche ab. Noch ist es ruhig im Restaurant Jordan in Sarnen. Ein paar Gäste geniessen ihren Kaffee unter den Kastanien. Agnes Kiser vom Service legt Sitzkissen auf die Stühle und Decken auf die Tische. Sie trifft Vorbereitungen für die Bewirtung der Mittagsgäste.

Möglicherweise schon bald heisst es für sie und weitere 23 Kollegen Abschied nehmen vom «Jordan». Denn die Jordan Gastro AG samt Restaurant, Pizzeria über der Gasse und Immobilien inklusive sieben Wohnungen sind auf dem Internetportal New Home für dreieinhalb Millionen Franken zum Verkauf ausgeschrieben. Seit fast 40 Jahren arbeitet die Sarnerin im Betrieb. «Das ist für mich nicht einfach», sagt sie, «Ich mag meinem Chef aber den Ruhestand gönnen. Er ist einer, der sich um sein Personal kümmert.»

Das Wirten liegt 
der Familie im Blut

Die Rede ist von Xaver Haas. Im kommenden Jahr wird er 70-jährig. «Der Verkauf ist ein Prozess», berichtet er. Es gehe ihm um Verantwortung für den Betrieb und das Personal. Haas wohnt im Hasliberg und wünscht sich mehr Zeit für sich.

Mit 21 Jahren stieg er 1971 als gelernter Hochbauzeichner in den elterlichen Betrieb ein, nachdem kurz zuvor der Vater gestorben war. Ursprünglich war er überzeugt gewesen, dass er alles werden wolle, nur nicht Wirt. Dabei liegt das Wirten der Familie im Blut: Die Grosseltern mütterlicherseits wirteten auf dem Schwendelberg ob Horw, die Eltern im Himmelrich unterm Pilatus. Und noch heute erinnerten sich die Gäste im «Jordan» an seine Mutter, berichtet Haas.

1960 erwarben die Eltern das Restaurant Jordan von der Familie Suter. Im 19. Jahrhundert war der «Jordan» eine Brauerei, wovon noch heute zwei grosse Felsenkeller zeugen. Die Brasserie wurde von einem bayerischen Bierbrauer geführt. Aus dieser Zeit stammt auch der Name «Jordan». Damals verband ein «Brüggli» die Enklave, auf der sich nur noch zwei Bauernhöfe befanden, mit dem Dorf. «Komm, wir gehen schnell über den ‹Jordan›», habe es damals geheissen, so Xaver Haas. Viel hat sich seit seinem Einstieg verändert.

«Der Alkoholkonsum war in den 70er-Jahren viel höher. In der Woche wurden an die 100 Liter Schnaps konsumiert. Zum Zmorge konsumierten Handwerker standardmässig ein ‹Iklemmts› und ein ‹Kafi Schnaps›.»

In einer Zeit, in der es noch keine Pubs gab, traf man sich in der Bar im alten «Jordan». «Die alte ‹Krone›, der alte ‹Landenberg› und der ‹Jordan› hiessen im Volksmund Bermudadreieck», berichtet Haas schmunzelnd. Handgreiflichkeiten, bei denen er dazwischen musste, hätten dazugehört.

1974 starb seine Mutter. Von den vier Geschwistern sprang eine Schwester ein, um Xaver Haas im Service zu unterstützen. Dieser entschloss sich, umzubauen und durfte die Wirteprüfung erst einmal verschieben. «Vor dem Umbau war das hier schon eine Räuberhöhle», erzählt er. Immer wieder investierte er in den Betrieb: 1977 kaufte der Wirt die Metzgerei Spichtig, aus der 1986 die Pizzeria Gjordano wurde. 2002 baute er den Pavillon direkt an der Sarneraa und neue WC-Anlagen an. Es gibt auch einen Spielplatz. In der Pizzeria können die Gäste auf einer in der Tischmitte eingelassenen Platte grillieren.

Immer wieder musste Xaver Haas Rückschläge verarbeiten. 1996 verstarb die Schwester. Seit einem Unfall, bei dem er sich den linken Arm schwer verletzte, kann er nicht mehr in der Küche arbeiten. Kurz nach einer Renovation kam das Hochwasser von 2005. Zum Glück sei er damals gut versichert gewesen, berichtet er.

Das «Jordan» hat als traditionsreicher Betrieb viele Stammgäste. Noch immer wird das traditionelle «Poulet im Körbli» geschätzt, Haas hielt jedoch mit dem Wandel der Zeit mit. Er ist sich bewusst:

«Es ist sehr wichtig, dass man den Umsatz halten und das Angebot anpassen kann.»

Im Angebot hat er auch vegetarische und vegane Gerichte. Laktose, Nüsse und Gluten müssten gut deklariert werden. Bis auf das Hochwasserjahr und das Jahr, in dem er den Unfall erlitt, habe er die Umsätze gar immer noch steigern können, sagt er zufrieden. Flexibilität in der Organisation habe ihm dabei geholfen. Auch heute könnten eben mal so 40 Feuerwehrleute während eines Nachteinsatzes mit einfacher Kost vom «Jordan» verpflegt werden.

«Die Gastroszene ist 
hektischer geworden»

Allerdings habe die Wertschätzung mancher Gäste extrem nachgelassen, erzählt der Wirt mit gerunzelter Stirn: «Die Gastroszene ist hektischer und ichbezogener geworden. Die Haltung mancher Gäste lautet: ‹Ich zahle, ich will›», betont er. Doch noch immer übt Xaver Haas seinen Beruf mit Leib und Seele aus, hat ein Ohr für die Sorgen seiner Gäste. «Am liebsten wäre es mir, wenn der Betrieb im bisherigen Sinn weitergeführt würde», sinniert er. Und fügt sein Credo als Wirt hinzu: «Man muss Menschen mögen.

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