NEUES BUCH: Bruder Klaus, Heiliger mit vielen Gesichtern

Eremit, Mystiker oder Mahner zur Einheit: Seit dem Tod von Bruder Klaus 1487 machte sich jede Zeit ihre Bilder des Heiligen vom Ranft. Ein Buch zeigt die ganze Bandbreite.

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So zeigt die berühmte Schedel'sche Weltchronik von 1493 Bruder Klaus sechs Jahre nach seinem Tod. (Bild aus dem besprochenen Buch)

So zeigt die berühmte Schedel'sche Weltchronik von 1493 Bruder Klaus sechs Jahre nach seinem Tod. (Bild aus dem besprochenen Buch)

Ein bärtiger Mann in einer vorn zugeknöpften Kutte, in der Linken ein Pilgerstab, sitzt auf dem Boden und lässt Wasser aus der Quelle in ein Krüglein fliessen. Hinter dem müden Pilger sehen wir, in einem von einer Mauer umfriedeten Hof, eine Kirche mit Glockentürmchen und Dachkreuz. Der kolorierte Holzschnitt findet sich in der 1493 erschienenen Schedel?schen Weltchronik und schmückt den Einband des Bildbandes «Bruder Klaus – Bild und Geheimnis» aus der Hand des früheren Obwaldner Regierungsrates Ignaz Britschgi.

Der müde Pilger
Sechs Jahre vor Entstehung dieses Bildes ist der Eremit und Mystiker 70-jährig im Ranft gestorben, und bereits fand er Eingang in ein bedeutendes spätmittelalterliches Chronikwerk. Bruder Klaus ist ein müder Pilger, der sich niederlässt und seinen Durst löscht. Als müder Mann wird Bruder Klaus selten gezeigt, häufig aber als Pilger mit Stab – ein Hinweis auf das exemplarische christliche Leben als Wanderschaft in der Nachfolge Christi.

Der Schöpfer des Holzschnittes war mit den örtlichen Gegebenheiten kaum vertraut, denn die Ranftkapelle war nie umfriedet. Auch die Physiognomie des Heiligen kannte er kaum, denn das ein Jahr zuvor entstandene Ganzfigurenbildnis im Museum Bruder Klaus in Sachseln zeigt eine ganz andere Erscheinung: einen kräftigen und keineswegs müden Mann mit dunklem vollem Haar und intensiv leuchtenden schwarzen Augen, im Hintergrund die Ranftschlucht mit der im Vergleich mit der Schedel?schen Weltchronik weit realistischer gezeigten Kapelle.

Diese Bilder und noch sehr viel mehr behandelt Ignaz Britschgi in seinem Buch, der Frucht seiner langjährigen Arbeit über die Ikonografie von Bruder Klaus. Das Forschungsgebiet ist ausufernd, denn rasch nach dem Tod des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Bruder Klaus im Jahr 1487 wuchs der Bedarf an Darstellungen des Heiligen.

Niklaus Oberholzer

HINWEIS
Ignaz Britschgi: Bruder Klaus – Bild und Geheimnis. 200 Seiten. Verlag Stiftung Obwaldner Kultur, Sarnen. 39 Franken. Der Donnerstag, 25. September, ist Bruder-Klaus-Tag und in Obwalden Feiertag: Bruder-Klausen-Fest in Sachseln: 9 Uhr Festgottesdienst mit Bischof Kurt Koch, 7 und 11 Uhr Gottesdienste mit Festpredigt, Pfarrkirche. Tag der offenen Tür: Museum Bruder Klaus, 10 bis 17 Uhr.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie im Kulturteil der Neuen Luzerner Zeitung und ihren Regionalausgaben.