Neues Projekt befasst sich mit den Folgen des Klimawandels in der Titlis-Region

Wie wirkt sich der Klimawandel auf die Gemeinden rund um den Titlis aus? Darüber wird im Rahmen eines neuen Projekts diskutiert. Klar ist: Der Sommertourismus wird an Bedeutung gewinnen.

Franz Niederberger
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Die Stiftung Lebensraum Gebirge ergreift die Initiative und startet das Projekt «Klima und Wandel im Gebirge». Damit will sie die Herausforderungen des Klimawandels identifizieren und mögliche Chancen frühzeitig anpacken. Der voll besetzte Engelsaal in Engelberg anlässlich einer Podiumsdiskussion zeigte, dass das Thema aktuell ist.

Das Alpenland Schweiz erfährt mit der Gletscherschmelze, dem Schneerückgang, Starkregen und Stürmen schwerwiegende Veränderungen im Wasserhaushalt und beim Landschaftsbild. Aufgrund des Wandels sind die Menschen gezwungen, sich an die veränderten Umweltbedingungen anzupassen.

Projekt betrifft mehrere Gemeinden

Das Projekt betrifft die Gemeindegebiete von Engelberg, Wolfenschiessen, Kerns, Hasliberg, Innertkirchen, Attinghausen und Wassen. Drei Kernthemen stehen im Fokus: Wohnen/Leben/Arbeiten, Naturgefahren und Infrastruktur sowie Tourismus und Landwirtschaft. Dies erklärte Moderator Dominik Galliker, Initiant des Projekts, Leiter der Steuerungsgruppe und Präsident der Stiftung Lebensraum Gebirge, welche 1995 gegründet wurde. In den nächsten drei Jahren werden in Gemeinden innerhalb eines Radius von 15 Kilometer rund um den Titlis verschiedene Veranstaltungen durchgeführt. Am Donnerstag fand die erste Podiumsveranstaltung zum Thema «Sensibilisieren» in Engelberg statt. Eingeladen waren Landammann Josef Hess, alt Kantonsrat Werner Matter, Thomas Küng von den Brunni-Bahnen und Bäuerin Marta Scheuber.

Die Podiumsteilnehmer von links: Bäuerin Marta Scheuber, alt Kantonsrat Werner Matter, Landammann Josef Hess, Thomas Küng von den Brunni-Bahnen.

Die Podiumsteilnehmer von links: Bäuerin Marta Scheuber, alt Kantonsrat Werner Matter, Landammann Josef Hess, Thomas Küng von den Brunni-Bahnen.

Bild: Franz Niederberger, Engelberg, 16. Januar 2020

Hess zeigt auf, wie nur minime Temperaturveränderungen global extrem starke Einflüsse haben. Die Reduzierung von CO2 müsse das dringlichste Anliegen sein. Thomas Küng geben die Statistiken von Flug- und Schiffsreisen zu denken, die ein starkes Wachstum aufzeigen. Er betonte, er wolle auch mit seinen Grosskindern noch auf der Klostermatte Skifahren können.

Die Annehmlichkeiten der letzten Jahre – besseres Heuwetter – schätzt Marta Scheuber. Gedanken macht sie sich über die Unwetter und über das Wachstum der Pflanzen bei den immer heisseren Schönwetterperioden. Sprudelt das Wasser auch in Zukunft noch auf ihren Alpen? Wie viel Verzicht nötig wäre, welche Strategie gefahren werden müsste – das sind für Thomas Küng schwierige Fragen. «Ein Rückgang des Tourismus, angenommen 30 Prozent, wäre für die lokale Wirtschaft schlecht und hätte auch auf die Gesellschaft einen grossen Einfluss».

Sommertourismus wird für Engelberg wichtiger

Josef Hess ist überzeugt: «Angebot und Aktivitäten müssen sich ebenfalls ändern, der klassische Skitourismus wird durch andere Angebote ergänzt. Es werden nicht weniger Gäste, sondern Gäste mit anderen Bedürfnissen in Engelberg anzutreffen sein.» Auch Tourismusdirektor Frédéric Füssenich sieht eine Verlagerung zum Sommertourismus. Werner Matter sieht eine starke Abhängigkeit von Gästen aus Asien, für die sehr viel Energie zur Anreise aufgewendet werde. Energie, die aufgewendet werden könnte, um Gästen aus der Nähe das Reiseziel Engelberg schmackhaft zu machen.

Weitere Podiumsveranstaltungen finden am Mittwoch, 29. Januar, in Wolfenschiessen (Aula Zälgli) und am Mittwoch, 5. Februar, in Kerns (Rösslisaal) jeweils um 20 Uhr statt.