Neues Spielparadies auf der Frutt: Wo Chäsli statt Chugeli rollen

Der neue Spielplatz auf der Melchsee-Frutt ist eröffnet. Der Bau kostete mehr als 300'000 Franken.

Primus Camenzind
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Der Spielplatz «Uf dr Wildi» soll ein Treffpunkt für Familien und Touristen auf der Melchsee-Frutt sein.

Der Spielplatz «Uf dr Wildi» soll ein Treffpunkt für Familien und Touristen auf der Melchsee-Frutt sein.

Bild: PD

Am vergangenen Freitag präsentierte sich die Kernser Hochalp nebelverhangen und von leichtem Nieselregen durchnässt. Nur wenige Kinder und Erwachsene begaben sich deshalb auf den kurzen Fussweg von der neuen zur alten Bergstation der Sportbahnen Melchsee-Frutt zur Eröffnung des «Spielplatz uf dr Wildi». Aus eben dieser wilden und etwas unwirtlich anmutenden Umgebung tauchte aus dem Dunst jäh ein Älplerdörfli mit niedlichen Hütten und allerlei hölzernen Spielrequisiten auf.

Sinnvolle Geräte mit hohem Lernwert

Noch bevor der Kernser Gemeindepräsident Beat von Deschwanden zur Einweihung schritt, führte Hanspeter «Hampi» Durrer, Landschaftsgärtner und Planer der Anlage, unsere Zeitung über den Spielplatz, der sich auf dem artgerecht bepflanzten Dach des ehemaligen Stationsgebäudes ausbreitet.

Da gibt es einen Steinmannli-Bauplatz, den Parcours für kleine Bergsteiger, das vermeintliche Chugeli-Spiel für Chäsli, eine Murmeli-Höhle, den Wackel-Schilter, eine Tunnelrutsche, Schaukeln, eine Mini-Seilbahn, den unverzichtbaren Bergbrunnen und anderes mehr. Am Rande des Hüttendorfes steht ausserdem das Ebenbild der Frutt Kapelle. Als Fallschutz für die Kinder sorgt feiner Rundkies, der auf dem Boden des Geländes ausgelegt ist.

An der Spielplatzeröffnung liess sich vom Wetter niemand den Spass verderben.

An der Spielplatzeröffnung liess sich vom Wetter niemand den Spass verderben.

Bild: Primus Camenzind (Melchsee-Frutt, 3. Juli 2020)

Zu den Gestaltungsideen und deren Umsetzung erklärt Josef Peter von der Iris-Spielwelten GmbH: «Seitens der Sportbahnen bestand der Wunsch nach pädagogisch sinnvollen Geräten mit hohem Lernwert für die Kinder.» Für eine touristische Destination wie die Frutt zähle natürlich auch die Einmaligkeit der Anlage, gibt der Erbauer ausserdem zu bedenken. «Mit den Hütten versuchten wir auch das Älplerleben und seine Vielfalt nachzubilden.»

Josef Peter verwendete zur Herstellung des Spielplatzes das Holz der Robinie und Akazie. Es stammt hauptsächlich aus Südost-Europa und zeichne sich durch grosse Beständigkeit aus. «Besser als Eiche», bekräftigt der Fachmann. Peter verfügt über beachtliche Erfahrungen mit Aufträgen dieser Art. Beispielsweise für die Pilatus- und die Jungfraubahnen, in Engelberg, auf dem Stoss und anderswo. «Aber immer mit wechselnden Themen», betont er.

Ein mustergültiges Gemeinschaftswerk

«Wir haben die Eröffnung vorgezogen», erklärte Beat von Deschwanden in seinen Begrüssungsworten. «Ab morgen Samstag herrscht nämlich nur noch schönes Wetter», fuhr der Gastgeber scherzhaft fort. Dieser Tage fahren die Älpler der Region in die «Wildi». Von Deschwanden erklärt diesen Ausdruck mit der Tatsache, dass auf der Frutter Hochalp, in 2000 Metern Höhe, das wilde Wetter von einem Tag auf den anderen umschlagen kann.

In seinem Rückblick erwähnte der Kernser Gemeindepräsident den alten Spielplatz aus dem Jahr 2000. Nach eingehender Prüfung habe sich gezeigt, dass dieser den Sicherheitsnormen nicht mehr entsprach. «Seit Beginn der Planung vor zwei Jahren wollten wir nie etwas Futuristisches, sondern den Spielplatz ‹Uf dr Wildi›, das Gebiet, die Echtheit und die Alpenwelt verwirklichen.»

Hanspeter Jossi, Sportbahnen Melchsee-Frutt; Josef Peter, IRIS-Spielwelten GmbH, Erbauer; Beat von Deschwanden, Gemeindepräsident Kerns; Hampi Durrer, Planung/Umgebung (von links).

Hanspeter Jossi, Sportbahnen Melchsee-Frutt; Josef Peter, IRIS-Spielwelten GmbH, Erbauer; Beat von Deschwanden, Gemeindepräsident Kerns; Hampi Durrer, Planung/Umgebung (von links).

Bild: Primus Camenzind (Melchsee-Frutt, 3. Juli 2020)

Die Finanzierung der Anlage bezeichnete von Deschwanden als «mustergültiges Gemeinschaftswerk der Sportbahnen, der Alpgenossen, von Obwalden Tourismus und vom Regionalentwicklungsverband.» Josef und Daniela Peter von der IRIS-Spielwelten GmbH hätten im Auftrag der Einwohnergemeinde das Projekt in Zusammenarbeit mit der Duka Gartenbau AG und den Sportbahnen Melchsee-Frutt realisiert. Für den neuen Spielplatz auf der Melchsee-Frutt hat das Kernser Stimmvolk im Frühling 2019 einem entsprechenden Bruttokredit im Umfang von 322'000 Franken zugestimmt. Dank Beiträgen der Alpgenossenschaft ausserhalb der steinernen Brücke, den Sportbahnen Melchsee-Frutt, Obwalden Tourismus und NRP-Geldern verbleiben für die Gemeinde Nettokosten von rund 220'000 Franken.

Geehrt wurde ausserdem «der Mann mit dem meisten Herzblut». Die Gedanken von Projektleiter Hanspeter Jossi von den Sportbahnen hätten sich fast Tag und Nacht um den neuen Spielplatz gedreht, betonte von Deschwanden. Als offizielle «Zeichensetzung» waren die Gäste aufgefordert, kleine hölzerne «Chäsli» durch die Chugeli-Bahn rollen zu lassen.

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