Obwalden beschränkt Teilnehmerzahl bei Veranstaltungen – Nidwalden prüft Verschärfung erst noch

Maximal 30 Personen bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum: Der Obwaldner Regierungsrat verschärft die Coronamassnahmen. Nidwalden ist noch nicht so weit, dennoch spricht die Regierungsrätin von einem «harmonisierten Vorgehen».

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(cgl) Der Obwaldner Regierungsrat hat Massnahmen beschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Er will damit Personenkontakte und das Ansteckungsrisiko reduzieren, wie der Regierungsrat mitteilt. Konkret gilt:

Öffentliche Veranstaltungen im Innen- und im Aussenbereich werden auf maximal 30 Personen begrenzt. Der Bundesrat hatte eine Grenze von 50 Personen festgelegt. Die Obergrenze von 30 Personen hatten die Zentralschweizer Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (ZGDK) bereits in der Konsultation des Bundesrates einstimmig gefordert. Nicht unter diese Obergrenze fallen Personen, die bei der Durchführung der Veranstaltung mitarbeiten. Ausgenommen von der Einschränkung sind politische Versammlungen sowie politische und zivilgesellschaftliche Kundgebungen. Die Regelung gilt in Obwalden ab 2. November.

Veranstaltungen gelten als grösste Treiber für Neuansteckungen

Als Begründung schreibt der Obwaldner Regierungsrat, die Erfahrungen des Contact Tracings hätten gezeigt, dass öffentliche und private Veranstaltungen zu den grössten Treibern der Covid-19-Neuansteckungen gehörten. Eine «massvolle Eingrenzung der Teilnehmerzahl» sei daher sinnvoll und entlaste die Arbeit des Contact Tracings. Die Massnahmen wurden zwischen den Zentralschweizer Gesundheitsdirektionen abgesprochen und koordiniert. Ziel ist es, eine einheitliche Handhabung der Regelungen innerhalb der Region sicherzustellen.

Eine einheitliche Handhabung heisst aber offensichtlich nicht, dass die Regeln gleichzeitig beschlossen werden. So teilt der Nachbarkanton Nidwalden mit, dass er eine Beschränkung der Teilnehmerzahl auf 30 Personen prüfe. Auch Zug, Uri und Luzern haben die sogenannte 30er-Regel noch nicht zu Ende diskutiert. Das unterschiedliche Tempo erstaunt. Zum raschen Handeln Obwaldens sagt Gesundheits- und Finanzdirektorin Maya Büchi: «Es ist dringend.» Seit zwei bis drei Wochen würden die Infektionen nicht mehr nur punktuell auftreten, sondern den Kanton flächendeckend betreffen. Die Zahlen steigen exponentiell. «Auch wenn uns Einheitlichkeit in der Region ein grosses Anliegen ist, ist doch jeder Kanton selber in der Verantwortung.»

Es gehe darum, die Bevölkerung zu schützen und die Versorgungssicherheit im Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten. «Das ist Förderalismus pur. Ich wünsche mir aber, dass die anderen Zentralschweizer Kantone auch diesen Weg gehen. Denn das Virus macht nicht an der Kantonsgrenze Halt», sagt Büchi.

Blöchliger verweist auf unterschiedliche Abläufe

Im Nachbarkanton Nidwalden wird die Regierung die Einführung der 30er-Regel am Dienstag diskutieren. Gesundheitsdirektorin Michèle Blöchliger erklärt dazu: «Wir haben aber unterschiedliche Abläufe und Planungen und es ist immer ein Gesamtregierungsratsentscheid.» Blöchliger muss die Verschärfung also erst noch durch die Regierung bringen. «Ich bin zuversichtlich, dass das gelingt.» Dass die Beschränkungen trotz Absprachen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in Kraft treten, findet sie nicht schlimm.

«Wenn die Regierungsräte von sechs Kantonen innerhalb weniger Tage die gleichen Massnahmen beschliessen, kann man von einem harmonisierten Vorgehen reden.»

Ob die Massnahmen wirken und die Fallzahlen sinken, wird sich in rund zwei Wochen zeigen. Blöchligers Hoffnung ist gross: «Mit den Massnahmen des Bundes und der Kantone setzen wir da an, wo die Ansteckungen passieren.» Weitere Verschärfungen schliesst die Gesundheitsdirektorin nicht aus, falls sich die Lage weiter verschlechtert. «Man muss sich dann allerdings fragen, welche Alternativen es vor einem Lockdown noch gibt.»

Der Obwaldner Regierungsrat schreibt in der Mitteilung, es sei das Ziel, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und die Kapazitäten im Gesundheitswesen aufrechtzuerhalten. «Damit uns das gelingt, ist es von enormer Wichtigkeit, dass wir die Ansteckungsketten rasch unterbrechen können», so Gesundheitsdirektorin Maya Büchi-Kaiser. Gleichzeitig sollen auch die wirtschaftlichen Auswirkungen begrenzt werden. Ein zweiter Lockdown müsse verhindert werden, auch im Hinblick auf das für viele Unternehmen wichtige Weihnachtsgeschäft. Die Senkung der Infektionszahlen sei daher im Interesse aller. «Mit den vom Bundesrat und vom Regierungsrat verordneten Massnahmen wollen wir verhindern, dass es zu noch weiteren Einschränkungen unseres Alltags kommt. Damit dienen wir letztlich unserem Kanton und unserer Wirtschaft», erklärt Landammann Christian Schäli.

Schnelltests sollen Contact Tracing entlasten

Hoffnungen setzt die Nidwaldner Regierungsrtäin Michèle Blöchliger auf die neuen Coronaschnelltests, die ab Montag eingesetzt werden können. Bei den herkömmlichen Tests dauert es 24 bis 48 Stunden bis ein Resultat vorliegt. Dadurch finde eine natürliche Verzögerung beim Contact Tracing statt. Mit der Einführung von sogenannten Antigen-Schnelltests werde diese Problematik etwas entschärft. Es können mehr positive Fälle in der Bevölkerung rasch nachgewiesen und isoliert werden, da das Ergebnis in der Regel nach 15 Minuten vorliegt. Entsprechend kann auch das Contact Tracing schneller aktiviert werden. Der Schnelltest wird bei Personen eingesetzt, die als symptomatisch gelten. Nur dann wird er auch vom Bund vergütet. Für Personen, die keine Symptome aufweisen oder sich freiwillig testen lassen, wird weiterhin ein PCR-Test vorgenommen.

Viele Ansteckungen am Arbeitsplatz

Der Nidwaldner Regierungsrat appelliert an die Bevölkerung, die bisherigen und neuen Schutzmassnahmen dringend einzuhalten. «Der Bundesrat hat zwar die Regeln verschärft, die Umsetzung aber liegt in der Verantwortung von jedem Einzelnen. Der Begriff Solidarität war wohl selten so bedeutend wie jetzt», betont Michèle Blöchliger. Auffällig seien im Kanton Nidwalden die zuletzt zunehmenden Ansteckungen am Arbeitsplatz und in den Pausenräumen. Deshalb nimmt die Gesundheits- und Sozialdirektorin sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer speziell in die Pflicht, die Weisungen des Bundes umzusetzen. So haben sich Mitarbeitende in Innenräumen mit einer Maske zu schützen, wenn der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Zudem soll wenn immer möglich Homeoffice gefördert und auf nicht notwendige Teamanlässe oder Sitzungen verzichtet werden. Letztere sind ausschliesslich mit Masken oder alternativ online durchzuführen. Kranke Mitarbeitende sollen umgehend nach Hause geschickt werden beziehungsweise erst gar nicht zur Arbeit erscheinen, sondern sich in Selbst-Quarantäne begeben und den Arzt kontaktieren.