NID-/OBWALDEN: Betreuung von Dementen: Ob- und Nidwalden arbeiten zusammen

Mit der steigenden Lebenserwartung und dem Bevölkerungswachstum nimmt auch die Zahl an Demenzpatienten zu. Nun haben die beiden Regierungen konkrete Massnahmen dazu in die Wege geleitet.

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Was macht diese Zange bei den Gewürzen? Mögliche Situation in einem Haushalt einer Person, die an Demenz leidet. (Bild: Nadia Schärli)

Was macht diese Zange bei den Gewürzen? Mögliche Situation in einem Haushalt einer Person, die an Demenz leidet. (Bild: Nadia Schärli)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Rund 1000 an Demenz erkrankte Personen leben total in Ob- und Nidwalden. Etwa die Hälfte davon wird zu Hause von den Angehörigen gepflegt. Die übrigen leben in Alters- und Pflegeheimen, einige davon haben spezialisierte Demenzabteilungen, so etwa das Alters- und Pflegeheim Nägeligasse in Stans und die Residenz am Schärme, Sarnen. Doch die Lebenserwartung steigt, auch die Bevölkerungszahl. Und damit auch die Zahl der Demenzerkrankten. So waren 2012 schätzungsweise 35,6 Millionen Menschen weltweit an Demenz erkrankt.

Die Prognosen gehen davon aus, dass es im Jahr 2050 dreimal mehr sein werden. Die Entwicklungen machen auch nicht vor den Kantonsgrenzen Halt. Als Antwort darauf haben die Regierungen von Ob- und Nidwalden seit 2014 ein gemeinsames Demenzkonzept entwickelt, basierend auf dem nationalen Demenzkonzept des Bundes. Die beiden Regierungen haben aufgrund dieses nun vorliegenden Konzepts einen gemeinsamen Fahrplan verabschiedet.

Damit wollen die Kantone die Versorgung von Demenzpatienten verbessern, etwa dank Vernetzung und Klärung von Schnittstellen oder Zugang zum regionalen Diagnostikzentrum in Luzern. Auch stationäre und ambulante Versorgungsstrukturen sollen auf die wachsende Zielgruppe ausgerichtet werden – mit demenzgerechten Wohnformen, Infrastrukturen oder demenzspezifischer Aus- und Weiterbildung für Fachpersonen.

Auch Angehörige spielen eine wichtige Rolle

Im Fokus stehen auch die Angehörigen. «Wenn der Patient einen halben Tag pro Woche fremdbetreut wird, entlastet dies die Angehörigen von ihrer anstrengenden Betreuung», erläutert die Nidwaldner Gesundheitsdirektorin Yvonne von Deschwanden. «So könnten die ­Demenzpatienten möglichst lange in ihrer gewohnten Umgebung leben.» So sieht das Konzept Tages- und Nachtplätze sowie Ferienbetten in Pflegeheimen, Tagesbetreuungsplätze in den Gemeinden oder Weiterbildung im Bereich der Freiwilligenarbeit vor. Auch seien subsidiäre Massnahmen wie die Spitex auszubauen. «Es ist wichtig, dass die Angehörigen ihre Kompetenzen stärken, indem sie sich Wissen über die Krankheit aneignen und sich Rat und Hilfe organisieren können. Je mehr Handlungskompetenzen und Wissen pflegende Angehörige im Umgang mit Demenz haben, desto sicherer sind sie in der Betreuung zu Hause», heisst es im Konzept weiter.

Die Bettenzahl ist begrenzt

Auch ihre Obwaldner Kollegin, Finanz- und Gesundheitsvorsteherin Maya Büchi, unterstreicht die Wichtigkeit dieses Angebots: «Unsere Alters- und Pflegezentren haben nicht eine unbegrenzte Anzahl an Betten.» So spielten auch finanzielle Überlegungen eine Rolle, auch wenn nicht der Kanton, sondern die Gemeinden für die Pflegeplätze ihrer Bürger aufkommen müssten. «Aber es hilft niemandem, wenn wir die Gemeinden ihrem Schicksal überlassen. Zur Umsetzung des Konzepts sind die politischen Instanzen und die Leistungserbringer gefordert.»

Auch empfiehlt das Konzept, Betreuungsleistungen zu fördern. In Ob- und Nidwalden zeige sich ein starkes Bedürfnis nach finanzieller Unterstützung an Betreuungsleistungen. Ob Entlastungsangebote genutzt würden, hänge häufig von finanziellen Ressourcen ab und sei nicht von allen pflegenden Angehörigen finanziell tragbar. «Zur Stärkung des Grundsatzes ‹ambulant vor stationär› macht ein wirtschaftlich tragbares, rechtlich gestütztes Finanzierungsmodell für Betreuungsleistungen Sinn», heisst es. Rechtliche Grundlagen für die Finanzierung der familienergänzenden Kinderbetreuung seien bereits vorhanden und könnten im Hinblick auf eine «familienergänzende Altenbetreuung» vertieft werden.

Diverse Aufträge erteilt

Folgende Beschlüsse haben die Kantonsregierungen von Obwalden und Nidwalden im Zusammenhang mit ihrer Demenzstrategie gefasst:

  • Das Gesundheitsamt erhält den Auftrag, die Leistungsvereinbarung mit der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden, die gesamtschweizerisch als Fachorganisation tätig ist, zu konkretisieren. Pro Kanton und Jahr kostet das 25000 Franken. Die Vereinigung soll ein Umsetzungskonzept mit Angaben über die Kostenfolgen erstellen. 
  • Die Regierungen unterstützen das Projekt lückenlose Versorgungskette mit 5000 Franken pro Jahr und Kanton über drei Jahre. Die beiden Gesundheitsämter müssen das Projekt anstossen und begleiten. In diesem Zusammenhang müssen die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Grundversorgern wie Spital, Spitex oder Pflegeheim und andere beratende Dienstleister einbezogen werden. 
  • Ebenfalls durch die beiden Gesundheitsämter soll ein Projekt zur Sicherstellung einer guten Versorgungsqualität in Behandlung, Pflege und Betreuung demenzkranker Menschen angegangen werden. 
  • Die Regierungen schreiben, Demenz mache auch nicht Halt vor Menschen mit bereits vorhandenen oder erst im Alter auftretenden psychischen Erkrankungen. Darum müsse die ganze Thematik auch mit der Luzerner Psychiatrie verknüpft werden, welche ja seit 1. Januar auch die Psychiatrie für Ob- und Nidwalden in Sarnen führt.
  • Ein fünftes Projekt ist der Versorgungsethik gewidmet. Man will ethische Leitlinien zur Gesundheitsversorgung schaffen, um so die Akteure im Gesundheitswesen wie auch in der Politik dabei zu unterstützen, der Verantwortung für ihr berufliches Handeln gerecht zu werden. Auf nationaler Ebene sei dieser Prozess noch im Gange.

(mvr)