NID-/OBWALDEN: Biobauern setzen auf Homöopathie

Die Biobauern möchten den Einsatz von Antibiotika in ihren Betrieben reduzieren. Dabei setzen sie vermehrt auf Homöopathie. Marktbestrebungen weisen in die gleiche Richtung.

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Eine Tierärztin verabreicht einer Kuh eine Spritze mit Antibiotika.

Eine Tierärztin verabreicht einer Kuh eine Spritze mit Antibiotika.

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die Resistenzbildung bei Antibiotikaeinsätzen ist nicht nur in Spitälern, sondern auch bei der Nutztierhaltung ein Thema. Betriebe setzen vermehrt auf Komplementärmedizin. Wie an der Generalversammlung der Biovereinigung Ob- und Nidwalden in Dallenwil zu vernehmen war, kommt vermehrt die Homöopathie zum Einsatz.

Der Toggenburger Bauer Werner Ammann berichtete über seine Erfahrungen mit der homöopathischen Medizin: «Ich stand vor 25 Jahren vor der Entscheidung, mit der Muttersauhaltung aufzuhören oder etwas anderes zu finden.» Fündig wurde der 66-jährige Toggenburger bei den Globuli, welche er seinen Schweinen und später auch seinen Kühen auf Anweisung eines Tierarztes erstmals verabreichte. In den letzten 10 Jahren bekamen seine Kühe keine Antibiotika mehr, und im Schweinestall trifft es noch etwa alle zwei Jahre eine Muttersau.

2500 Beratungen seit Start vor fünf Jahren

Nach einer Projektphase entstand vor rund 18 Monaten der Verein Kometian, dem Werner Ammann als Präsident und Geschäftsführer vorsteht. Die Vereinigung umfasst schweizweit 260 Mitglieder (15 bis 20 aus Ob- und Nidwalden) und gegen 380 registrierte Tierhalter. Sie alle nutzen den telefonischen Beratungsdienst in der Komplementärmedizin. Seit dem Projektstart vor fünf Jahren fanden 2500 Beratungen statt. Die Vereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, die Verwendung von Antibiotika innert sechs Jahren um 50 Prozent, die Kosten um 30 Prozent zu senken.

Strengere Regeln für Biobauern

Mit dem Projekt «Provieh» verfolgt Bio Suisse die gleichen Ziele zur Verbesserung der Tiergesundheit. Gemäss Vorstandsmitglied Martin von Holzen, der das Projekt in Ob- und Nidwalden betreut, besteht ein Arbeitskreis, der sich mit dem Tierwohl befasst. «Da ist auch die Homöopathie ein Thema», bestätigte von Holzen. «Die Antibiotikareduktion wird uns in Zukunft beschäftigen und ist nicht nur bei den Biobauern ein Thema», so das Fazit von Willi Ambauen, dem Präsidenten der Ob- und Nidwaldner Biobauern. Laut Bioberater André Windlin dürfen Biobauern Antibiotika nicht vorbeugend einsetzen. Doppelt so lange wie in der konventionellen Landwirtschaft sind auch die Absetzfristen.

Antibiotikafreie Produkte sind auch für den Markt ein Thema. Wie Kurt Sigrist von Biomilch Zentralschweiz berichtet, suchen Verarbeiter Emmi und Swiss Nutrition antibiotikafreie Milch (NOP-Milch) für Exportprodukte in die USA und nach England.

Restriktives Mengen- management bei Biomilch

Von positiven Marktsignalen und stabilen Preisen sprach Bruno Abächerli, Vorsteher vom Amt für Landwirtschaft Obwalden. «Vor allem dank dem restriktiven Mengenmanagement konnte der Preis für Biomilch gehalten werden», so Abächerli. Durch die Verkaufsplattform RegioFair und den jährlichen Biomarkt O sole Bio sind gute Absatzkanäle vorhanden. Grosser Mangel besteht beim Biomost. Nach wie vor auf tiefem Niveau läuft der Fleischmarkt.

Wenig hält Präsident Willi Ambauen von der Absicht des Bundes, die Absatzförderung zu kürzen. «Damit bekämen wir 20 Prozent weniger Geld», sagte Ambauen in seinem Jahresbericht. Mit einem Minus von knapp 12700 Franken bei einem Gesamtumsatz von fast 28000 Franken schloss die einstimmig genehmigte Rechnung von Toni Ettlin ab. Der Grund: Rund 12000 Franken kostete die Jubiläumsfeier im vergangenen Jahr.