Nid-/Obwalden
Jo Achermanns Kunstprojekt findet nach sieben Jahren ein Ende

Das Hofmatt-Panorama animierte Jo Achermann zu einem Kunst- und Kulturprojekt in Obwaldens Landschaft. Nun schliesst er es ab.

Romano Cuonz
Drucken
Teilen
Jo Achermann in seiner Ausstellung.

Jo Achermann in seiner Ausstellung.

Bilder: Romano Cuonz (Sarnen, 4. September)

«Als ich vor sieben Jahren die Räume der Sarner Hofmatt bespielte, war mir klar, dass es wenig Sinn machen würde, etwas vor das galerieeigene Panoramabild hinzuhängen», erinnert sich Jo Achermann. Deshalb habe er in die Mitte des Zimmers eine quadratische, interaktive Skulptur aus rohem Holz gesetzt. Darauf konnte sich setzen, wer wollte, und das Panoramabild bequem und von allen Seiten als Ganzes betrachten. Dies war für den in Berlin-Charlottenburg und Kerns lebenden Künstler mit Nidwaldner Wurzeln eine eigentliche Initialzündung. Er stellte fest, wie zwischen der Kapelle Ramersberg oben auf dem Hügel und jener auf der anderen Talseite in St.Niklausen eine unmittelbare axiale Beziehung besteht. Und zwischendrin liegt als markanter Begegnungsort mit besonderer Ausstrahlung der Schiffsteg am Sarnersee.

Die Bilder sind inspiriert von der Landschaft Obwaldens.

Die Bilder sind inspiriert von der Landschaft Obwaldens.

Achermanns Gedanken damals: «Warum nicht die Landschaft Obwaldens als Labor für eine skulpturale und kulturelle Intervention nutzen?» Anders gesagt: Wenn er an diesen drei Orten Skulpturen hinstellt, dürften diese nicht nur Kunstobjekte sein, die man anschauen kann. Viel mehr müsste man sich daraufsetzen und in alle Himmelsrichtungen gucken, verweilen, sich Gedanken machen oder mit jemandem ein Gespräch führen können. Achermanns «Sitzplätze» haben eine quadratische Aussenform und gehen auf die Situation vor Ort ein. Dazu eine Innenform, die der Künstler rhythmisch, aber jedes Mal unterschiedlich gestaltet. Zwischen 2014 und 2021 stellte Jo Achermann die drei Orte in einen erweiterten Kontext. Dies, indem er dort mit befreundeten Obwaldner Kunstschaffenden literarische Lesungen, Musikdarbietungen und Performances inszenierte. 2018 kam dann am Pass Abgschütz zwischen Sachseln und Melchsee-Frutt noch eine weitere Sitzskulptur hinzu. «Das Abgschütz ist ein willkommener Rastplatz zum Innehalten und bietet Wanderern eine ausgezeichnete Tribüne zum Betrachten des Panoramas und der umliegenden Berge», weiss Achermann.

Eindrückliche Rückkehr in die Galerie

Am Ausgangspunkt in der Sarner Galerie Hofmatt schliesst Jo Achermann sein Projekt ab. Einerseits mit der reich bebilderten Publikation «Orte Obwalden». Andererseits mit einer neuen Ausstellung. Schon im Gang konfrontiert er Besuchende erstmals mit dem Panorama. Das hat zuvor noch niemand gemacht. Die horizontalen Linien mit Höhen und Tiefen, die sich über die Wände ziehen, lassen aber weder das Stanserhorn noch den Pilatus erkennen. Es ist ein neues Panorama. Eines, das im Kopf des Künstlers entstanden sein muss. Vielleicht sind es auch gar nicht Berge, sondern vier musikalische Kompositionen. Mit Höhen und Tiefen.

Wer in den Gewölbekeller hinunter steigt, steht dort vor den Staffeleien des Künstlers.

Wer in den Gewölbekeller hinunter steigt, steht dort vor den Staffeleien des Künstlers.

Im Galerieraum zeigt Achermann Bilder auf Sperrholz. Einige beinhalten gut sichtbar die Horizontal- und Vertikalrhythmik der Skulpturen im Aussenraum mit ihren Überlagerungen und Überschichtungen. Grafische Landschaften in der Obwaldner Landschaft sind es mit ruhigem, inspirierendem Rhythmus.

Andere Bilder tragen die blaugrünen Farben des Sarner- und Lungerersees. Sie nutzen die Maserung des Holzes, um Bewegungen im Wasser darzustellen. Manchmal schimmert aus der Tiefe ein Stein durch. Der Künstler gelangt Schicht um Schicht, Blau auf Blau, immer tiefer ins Wasser.

Siebdrucke von Fotografien

Am Ausgangsort – im berühmten Panoramazimmer – nimm Jo Achermann Eingriffe vor. «Ich wusste, dass ich bei der Wiederkehr dem alten Panorama ein neues, eigenes gegenüberstellen würde», sagt er. Überall, wo seine Arbeiten stehen, hat er auch fotografiert und später Siebdrucke angefertigt. Diese platziert er auf Staffeleien vor die alte Wandmalerei. Fragen, die sich Achermann dabei stellt: «Was sind Berge? Was ist Landschaft?» Auf einigen seiner Bilder nimmt man ganz realistisch den Sarnersee und das Stanserhorn wahr. Schaut vom Giswilerstock aufs Tal. Doch plötzlich verschwimmen die Konturen. Man ist nicht mehr im Stande zu sagen, was da geografisch genau zu sehen ist. Erkenntnis und Interpretation vermischen sich. Genauso wie es das alte Panoramabild mit Jo Achermanns neuen Panoramen tut.

Jo Achermann in seiner Ausstellung.

Jo Achermann in seiner Ausstellung.

Wer in den Gewölbekeller hinunter steigt, steht dort vor den Staffeleien des Künstlers. Vier Skulpturen – für jeden Aussenort eine – laden zum Verweilen ein. Aus einem Lautsprecher kommen Worte und Klänge. Nicht zu dominant, nicht zu laut. Nochmals lässt Jo Achermann hier Besucherinnen und Besucher miterleben, was im Verlauf der sieben Jahre zusammen mit anderen Kulturschaffenden in Literatur, Musik und Performances entstanden ist.

Hinweis: Die Ausstellung in der Galerie Hofmatt läuft noch bis am 3. Oktober.

Aktuelle Nachrichten