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NID-/OBWALDEN: Noch tragen Firmen das Milizsystem mit

Hiesige Feuerwehrleute löschen im Milizsystem und gehen, wenn es nicht brennt, ihrer geregelten Arbeit nach. Daran will man festhalten. Doch die aktuelle Entwicklung bereitet dem obersten Feuerwehrmann Nid-/Obwaldens Sorgen.
Die Feuerwehr bei einem Einsatz in Beckenried. (Bild: Edi Ettlin (14. Mai 2017))

Die Feuerwehr bei einem Einsatz in Beckenried. (Bild: Edi Ettlin (14. Mai 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Der Küchenbrand in einem Mehrfamilienhaus am Dienstag in Stans löste ein grosses Aufgebot von Einsatzkräften aus. Nicht nur die Stützpunktfeuerwehr Stans, sondern auch Teile der Ortsfeuerwehren von Stansstad und Buochs-Ennetbürgen waren im Einsatz. Die Feuerwehrleute konnten ein Ausbreiten des Feuers verhindern (wir berichteten).

«Bei einem Wohnungsbrand muss man immer damit rechnen, dass sich das Feuer im ganzen Haus ausbreitet», begründet Toni Käslin, Feuerwehrinspektor von Nid- und Obwalden, das Aufgebot, das einem Aussenstehenden übertrieben vorkommen könnte. Aufgrund der Verfügbarkeit der Feuerwehrleute während der Arbeitszeiten werden an Arbeitstagen diejenigen aufgeboten, welche auch innert nützlicher Frist zum Einsatz gelangen. Damit jedoch genügend Feuerwehrangehörige ausrücken, ist man auf die Nachbarhilfe angewiesen.

Es war einer von rund 150 Einsätzen, welche die Stützpunktfeuerwehr Stans jährlich in Nidwalden leistet, rund 100 davon im eigenen Gemeindegebiet in der Rolle als «normale» Ortsfeuerwehr, ausserdem unterstützt sie im übrigen Kantonsgebiet die Ortsfeuerwehren, etwa bei Strassenrettungen.

Innert zehn Minuten müssen sie vor Ort sein

Rund 1000 Feuerwehrleute leisten in Nidwalden Dienst und etwa 700 in Obwalden. Mit wenigen Ausnahmen sind die Feuerwehrleute im Milizsystem angestellt. Sie gehen einer «normalen» Arbeit nach und rücken bei einem Alarm aus. Je nach Organisation und Funktion begeben sie sich direkt vom Arbeitsort zum Brandplatz oder rücken im Feuerwehrlokal ein. Dafür haben sie in einem dicht besiedelten Gebiet höchstens zehn Minuten Zeit. Dabei müssen sie sich mit dem Privat-PW an die üblichen Verkehrsregeln halten. Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen rücken ins Depot aus. «Die Vorgabe ist sicher sportlich, aber es funktioniert», meint Toni Käslin.

Unternehmen unterstützen Milizsystem

Wenn es brennt, verlässt der Mitarbeiter also fluchtartig seinen Arbeitsplatz, und dies mehrmals pro Monat. Was sagt der Arbeitgeber dazu? «Grundsätzlich sind die Unternehmen gegenüber dem Feuerwehrdienst noch wohlwollend eingestellt.» Der Feuerwehreinsatz eines Aargauers während eines Unwetters soll ihm die Stelle gekostet haben, berichtete Radio Argovia. Soweit sei man in Nid- und Obwalden zum Glück noch nicht. Trotzdem bereiten ihm aktuelle Entwicklungen Sorgen. «Wegen des gestiegenen Konkurrenzkampfes sind die Unternehmen personell knapper dotiert und nicht mehr so bereit wie früher, während Stunden auf ihre Arbeitskraft zu verzichten.»

Dies sei ein schweizweites Thema, weiss Toni Käslin, der Mitglied der Schweizerischen Feuerwehrinspektorenkonferenz ist. Im Rahmen des Konzeptes Feuerwehr Nidwalden 2020+ erarbeitet die Nidwaldner Sachversicherung zusammen mit Vertretern des Nidwaldner Gewerbeverbandes und der Gemeindepräsidentenkonferenz mögliche Lösungsansätze, um den Arbeitgebern auch die Vorteile eines Feuerwehreinsatzes ihrer Mitarbeiter schmackhaft zu machen. «Ein Feuerwehrmann ist für ein Unternehmen ein Gewinn. Es profitiert von seinem Wissen über Sicherheit, kann Hand anlegen und, falls vorhanden, auch von seiner Führungserfahrung profitieren.» Zudem halte sich der zeitliche Aufwand in Grenzen. «In der Regel ist der Feuerwehrmann nach zwei bis drei Stunden wieder an seinem Arbeitsplatz.»

«Das beste und kostengünstigste System»

Für Toni Käslin ist klar: «Das Milizsystem ist das beste und kostengünstigste System – auf jeden Fall in ländlichen Gebieten. Feuerwehrangehörige bringen auch ihr berufliches Wissen in die Feuerwehr ein und verfügen über die notwendigen Ortskenntnisse. Dazu müssen wir Sorge tragen.» Glücklicherweise habe man auch noch kein wirkliches Rekrutierungsproblem. Eine Berufsfeuerwehr komme aus Kostengründen nicht in Frage – auch nicht für die Stützpunktfeuerwehren Stans und Sarnen. Er erwähnt als Beispiel die Feuerwehr der Stadt Luzern, die seit kurzem über eine Berufsfeuerwehr verfügt. «Um 24 Stunden abzudecken, braucht sie 25 Berufsfeuerwehrleute. Das wäre in unseren Kantonen unverhältnismässig.»

Bei Kayser Holzbau AG in Oberdorf sind in der Sparte Holzbau 5 der 35 Mitarbeiter in der Feuerwehr. «Grundsätzlich sehen wir da kein Problem. Die Einsätze halten sich ja in Grenzen und lassen sich gut mit der Arbeit vereinbaren», sagt Hansueli Maurer, Leiter Holzbau und Mitglied der Geschäftsleitung. Die feuerwehrbedingte Absenz diene auch dazu, der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun.

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