NID-/OBWALDEN: Sprungbrett zurück in die Arbeitswelt

Geregelte Tagesstruktur, Unterstützung bei Bewerbungen und Beschäftigung: Job-Vision richtet sich an Menschen, die es auf dem Arbeitsmarkt schwer haben.

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Ein Stellensuchender geht bei Job-Vision einem geregelten Tagesablauf nach. (Bild Corinne Glanzmann)

Ein Stellensuchender geht bei Job-Vision einem geregelten Tagesablauf nach. (Bild Corinne Glanzmann)

34 Jahre Arbeitsleben liegen hinter Peter Müller (Name von der Redaktion geändert), 18 Jahre war der Obwaldner in der Recyclingbranche als Maschinist und Betriebsmitarbeiter tätig. Von der körperlich anstrengenden Arbeit hat er gesundheitliche Schäden auch am Rücken davongetragen und ist seit November arbeitslos. «Der Dezember war am schlimmsten. Ich war daheim, musste mich bewerben und wusste nicht, auf welche Stellen», erzählt er. Seit Januar ist der 51-Jährige bei Job-Vision Obwalden/Nidwalden. «Die geregelte Tagesstruktur hier ist eine gute Sache», findet er.

Der gelernte Zimmermann montiert gerade in der Schreinerwerkstatt eine Bank aus ausgedienten Snowboards. Am Morgen hat er sich um seine Bewerbungen gekümmert. Durch die Beratung der beruflichen Abklärungsstelle (Befas) in Horw weiss er jetzt seinen Weg: «Ich werde wohl eine verkürzte Lehre als Mechanikerpraktiker machen.» Heute hat er ein Vorstellungsgespräch für einen Zwischenverdienst, morgen eins für eine Lehrstelle.

Kurse für Bewerbung

Dafür bekommt er problemlos frei. «Bewerbungen und Vorstellungsgespräche gehen bei uns immer vor», betont Thierry Lenoir, Leiter bei Job-Vision. 340 Stellensuchende beschäftigt das Zentrum für berufliche Integration am Berg­li im Schnitt pro Jahr während höchstens sechs Monaten. Zurzeit sind es rund 80, viele von ihnen arbeiten in Teilzeitstellen oder Zwischenverdiensten. Das Praxisangebot in Stans umfasst die Bereiche Metallverarbeitung, Holzbearbeitung, Konfektion, Hauswirtschaft, Naturschutz und Landschaftspflege, Administration, Werbung und Grafik, Verkauf und Logistik sowie Personalwesen. Seit 2008 gehört auch das Brockenhaus in der Oberstmühle dazu. Neben dem Beschäftigungsprogramm bietet Job-Vision Kurse zu Themen wie Bewerbung und Persönlichkeitscoaching an.

«Das Beschriftungs- und Farbkonzept der Türen, das Bemalen der Wände und das Einrichten haben Teilnehmer unseres Beschäftigungsprogramms gemacht», führt Thierry Lenoir aus. «Auch die Arbeitskleidung nähen wir selber.» In der Holzwerkstatt werden Kindertische und Stühle sowie ein Hocker nach eigenem Design entwickelt. Wichtig ist dem Zentrumsleiter, dass es sich um «echte» Produkte für «echte» Kunden handelt unter möglichst praxisnahen Arbeitsmarktbedingungen, mit entsprechendem Druck wie in der Privatwirtschaft.

Aus zwei Institutionen entstanden

Das war nicht immer so. Hervorgegangen ist Job-Vision aus Küfon, der kaufmännischen Übungsfirma Ob- und Nidwalden, und dem Werkplatz Nidwalden, den es seit 1997 gab. In der 2003 gegründeten Küfon konnten Stellensuchende Handel im Im- und Export mit weltweit rund 4000 anderen Übungsfirmen bis hin nach China simulieren. Um Kosten zu sparen und die Qualität zu verbessern, wurden beide Institutionen zusammengelegt.

Job-Vision ist ein vom Seco, dem Staatssekretariat für Wirtschaft, finanziertes Programm. Auf kantonaler Ebene wird dieses von der gemeinsamen Logistik für arbeitsmarktliche Massnahmen verwaltet und unterstützt. Zuständig dafür ist Claudia Bättig, Leiterin des Amtes für Arbeit Nidwalden. «Hauptziel des Programms ist, die Vermittelbarkeit der einzelnen Stellensuchenden zu eruieren und zu verbessern», hält sie fest.

Zu Job-Vision kommt vor allem, wer vom RAV, dem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum, zugewiesen wurde, die meisten Teilnehmer sind aus Ob- und Nidwalden. 3 bis 4 Prozent kommen von IV-Stellen, sind ausgesteuert oder machen ein Praxis-Assessment für Menschen mit Bleiberecht. Die Erfolgsquote, dass jemand wieder eine Stelle findet, ist sehr schwankend. «2014 lag sie bei 64 Prozent, im vergangenen Jahr wahrscheinlich bei knapp unter 50 Prozent. Das liegt an den unterschiedlichen Qualifikationen und der Arbeitsmarktlage», sagt Thierry Lenoir.

Selbstbewusstsein im Keller

Immer wieder gibt es Aufsteller: Riesenfreude habe er über die Geschichte eines 61-Jährigen gehabt, erzählt Stephan Bühler, Fachleiter Handwerk/Holz. «Er hatte 250 Bewerbungen hinter sich. Sein Selbstwertgefühl war im Keller. Wichtig war vor allem, ihn wieder aufzubauen. Jetzt hat er eine Festanstellung: Am 1. Februar kann er anfangen.»

Marion Wannemacher