Nid-/Obwalden/Uri
Mehr Tagestouristen: Die Berghütten trotzen dem Corona-Jahr

Die Wanderer besuchten auch im vergangenen Jahr Berghütten. Reisebeschränkungen spielten den Hütten gar in die Hände. Doch Einbrüche gab's teilweise bei den Übernachtungen.

Matthias Piazza
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Grandiose Tourenverhältnisse herrschten im März in den Bergen. Vom wichtigen Ostergeschäft versprach man sich viel. Und dann kam Mitte März der Lockdown. Praktisch die ganze Wintersaison fiel ihm zum Opfer. SAC-Hütten, die eben erst geöffnet hatten, mussten wieder schliessen, solche, die kurz vor der Eröffnung standen, konnten ihre Türen gar nicht erst öffnen. Die Rede war vom schlechtesten Ergebnis einer Wintersaison überhaupt.

Der Sommer entwickelte sich erfreulicher, mit nur 3,5 Prozent weniger Übernachtungen als im 10-Jahres-Vergleich. Reisebeschränkungen und die Bereitschaft der Schweizer, vermehrt Ferien und Ausflüge im eigenen Land zu machen, wirkten sich positiv auf den Bergtourismus aus, wie der Schweizer Alpen-Club (SAC) in einer Medienmitteilung schreibt.

Die Brunnihütte im vergangenen Frühling, als sie für den Bergsommer bereitgemacht wurde.

Die Brunnihütte im vergangenen Frühling, als sie für den Bergsommer bereitgemacht wurde.

Bild: Boris Bürgisser (Engelberg, 9. Mai 2020)

Ein ähnliches Bild zeigte sich in der Brunnihütte auf 1860 Metern am Härzlisee ob Engelberg. «Wir hatten dort im vergangenen Jahr deutlich weniger Übernachtungen als im Jahr zuvor», sagt auf Anfrage Werner Hertzog, Präsident der SAC-Sektion Engelberg. «Die Brunnihütte ist stark auf Lager ausgerichtet. Diese sind zu grossen Teilen ausgeblieben. Zudem durfte die Hütte wegen der Coronabestimmungen nur zur Hälfte belegt werden.» Und trotzdem: Umsatzmässig habe das vergangene Jahr praktisch an 2019 anknüpfen können. «Die Leute machten im vergangenen Sommer mehr Tagesausflüge und Wanderungen in der Schweiz, was auch dem Umstand zu verdanken war, dass die Bergbahnen ab Juni wieder fuhren.» Umso empfindlicher treffe die Hütte das Restaurationsverbot, das seit 22. Dezember gelte. «Take-away läuft nur bei schönem Wetter gut. Dann macht es den Leuten weniger aus, dass sie im Freien konsumieren müssen.» Wie die laufende Wintersaison ausfallen werde, sei schwierig zu sagen.

Eine erfreuliche Jahresbilanz zieht er zum Grassen-Biwak. Das unbewirtete Biwak mit Kochgelegenheit auf dem Wendenjoch am Fusse des Titlis mit 18 Schlafplätzen sei auch im vergangenen Jahr rege benutzt worden.

Früherer Wintereinbruch drückte Zahlen stärker als Corona

Die Rugghubelhütte.

Die Rugghubelhütte.

Bild: Philipp Schmidli (Engelberg, 27. Juli 2019)

Von erstaunlich guten Zahlen spricht auch Noldy Barmettler, Hüttenchef der Rugghubelhütte auf 2296 Metern hoch über Engelberg. Schweizer Gäste hätten die fehlenden ausländischen Gäste kompensieren können. Zwar liege man etwa 10 Prozent unter dem Fünfjahresschnitt. «Dies lag aber nicht an Corona, sondern am früheren Wintereinbruch im Herbst. Im Juli und August konnten wir an die Spitzenjahre anknüpfen.» Dank des Umstandes, dass die Rugghubelhütte vor allem auf den Sommerbetrieb ausgerichtet sei, habe der Lockdown im vergangenen Frühling keine Spuren in der Bilanz hinterlassen.

Seit dem Umbau 2009 gibt's mehr kleinere Zimmer. Das spielte der Rugghubelhütte nun in die Hände. So musste die Belegung nicht um die Hälfte, sondern nur um etwa 30 Prozent reduziert werden. Zuversichtlich blickt Noldy Barmettler auch auf die kommende Sommersaison, solange Beherbergungen erlaubt seien, selbst wenn die Restaurants bis dahin geschlossen blieben oder wieder schliessen müssten. «Vor der Hütte gibt es genug Plätze, wo unsere Gäste das Take-away-Essen coronakonform konsumieren können.»

Von einer generell schlechten Bilanz 2020 spricht hingegen Sepp Hurschler, Hüttenwart des Brisenhauses nördlich des Brisen.

Das Brisenhaus ob Niederrickenbach.

Das Brisenhaus ob Niederrickenbach.

Bild: PD

Hüttenleben wird beeinträchtigt

Die Kröntenhütte.

Die Kröntenhütte.

Bild: PD

«Ohne Corona wäre 2020 zum Spitzenjahr geworden», sagt Irene Wyrsch, die mit ihrem Mann Markus schon seit über vier Jahrzehnten die Kröntenhütte auf 1903 Metern, ganz zuhinterst im Erstfeldertal, am Fusse von Krönten und Spannort, betreibt.

«Die Leute lernten in Zeiten coronabedingter Einschränkungen die Natur schätzen.»

Dank eher kleiner Übernachtungsräume wäre das Schutzkonzept auch bei einer Reduktion der Bettenanzahl von 80 auf 70 eingehalten worden. «Wir reduzierten aber freiwillig um einen Viertel.» Dies um dem Sicherheitsbedürfnis der Gäste entgegenzukommen. «Ich erinnere mich an zwei Paare, die miteinander befreundet sind. Sie wollten nicht im selben Zimmer übernachten.» Überhaupt habe Corona das Hüttenleben beeinträchtigt. «Man darf sich nicht mehr richtig begrüssen, geht distanziert und reservierter miteinander um. Der Kontakt mit den Gästen ist nicht mehr so intensiv wie sonst», bedauert sie. Sie schätzt, dass es einige Jahre dauert, bis man wieder zur Normalität zurückgekehrt sei.

Die Bergseehütte im Göscheneralptal.

Die Bergseehütte im Göscheneralptal.

Bild: PD
(Göschenen, 31. Juli 2015)

Eine positive Bilanz zieht auch Toni Fullin, Hüttenwart der Bergseehütte in der Göscheneralp.

«Im Fünfjahresvergleich war 2020 das zweitbeste Jahr.»

«Zwar hatten wir weniger Übernachtungen, dafür mehr Tagesgäste.» Und was ihn besonders gefreut habe: «Die Leute sind auch bei schlechtem Wetter gekommen.» So habe es im Gegensatz zu früheren Jahren kaum Annullierungen wegen des Wetters gegeben.