Nidwalden
Der Strom für Haushalte und Kleinbetriebe kommt nun hauptsächlich aus einheimischen Wasserkraftwerken

Das Elektrizitätswerk Nidwalden blickt auf ein gutes Geschäftsjahr zurück – trotz schwieriger Rahmenbedingungen.

Matthias Piazza
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«EWN Natur»- und «EWN Sonne»-Strom kommt unter anderem aus dem Bannalpstausee.

«EWN Natur»- und «EWN Sonne»-Strom kommt unter anderem aus dem Bannalpstausee.

Bild: PD

«Wir sind sehr zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr», kommentiert Remo Infanger, Direktor des Elektrizitätswerks Nidwalden (EWN), den Jahresgewinn von 11,7 Millionen Franken. Das sind zwar 4,7 Prozent weniger als 2019. «Doch wegen der Pandemie konnten wir in der Mitte des Jahres ein so gutes Ergebnis nicht erwarten», begründet er. Denn während des Lockdowns im Frühling des vergangenen Jahres sei der Strombedarf spürbar zurückgegangen. Danach habe er sich wieder normalisiert.

Mit 248,5 Millionen Kilowattstunden wurden im Netzgebiet des EWN 2,5 Prozent weniger Strom als im Vorjahr bezogen. Gesamthaft lieferte das EWN 313,3 Millionen Kilowattstunden, davon wurden 228,2 Millionen Kilowattstunden im eigenen Netzgebiet abgesetzt. Den überschüssigen Strom musste das EWN im Frühling des vergangenen Jahres, wie viele andere Energieversorger auch, am Markt absetzen. «Der vorübergehende Nachfragerückgang am Strommarkt führte zu einem Angebotsüberschuss und tiefen Preisen mit finanziellen Einbussen», erklärt Infanger.

Die Nettoerlöse aus dem Energiegeschäft, der Netznutzung und den gesetzlichen Abgaben erhöhten sich auf 43,1 Millionen Franken. Der übrige Betriebsertrag, welcher insbesondere das Dienstleistungsgeschäft des Geschäftsbereichs Netz beinhaltet, liegt mit 7,6 Millionen Franken leicht unter dem Vorjahr. Auf der Aufwandseite fällt vor allem der Posten Strombeschaffung ins Gewicht. Diese erhöhte sich um markante 24 Prozent auf 12,2 Millionen Franken. Dies vor allem wegen der wesentlich höheren Gestehungskosten bei den Kernkraftbeteiligungen mit den kostenrelevanten Fonds für den Rückbau und die Entsorgung.

Staatskasse erhält 8,2 Millionen Franken

Zusammen mit den Abgaben der Tochtergesellschaften fliessen 8,2 Millionen Franken in die Nidwaldner Staatskasse. Dieser Betrag setzt sich massgeblich aus dem Gewinnanteil von 3,1 Millionen und den Konzessionsabgaben und Wasserzinsen von 3 Millionen Franken sowie der Verzinsung des Dotationskapitals zusammen.

58 Prozent des EWN-Stroms stammen aus Nidwaldner Wasserkraftwerken in Nidwalden und Beteiligungen, rund ein Drittel aus Kernkraftwerken, der Rest aus Einspeisungen von privaten Stromerzeugern und gefördertem Strom. Der schneearme Winter 2019/20 wirkte sich spürbar auf die gesamte Wasserkraftproduktion aus. Sie lag 4 Prozent unter dem langjährigen Mittel. Ungewöhnlich viel Strom lieferte dafür die EWN-eigene Fotovoltaikanlage auf dem Länderpark-Dach. Mit 0,6 Millionen Kilowattstunden war dies die zweithöchste Jahresproduktion seit Inbetriebnahme der Anlage im Jahre 2010. «Der Frühling war aussergewöhnlich sonnig», begründet Remo Infanger dieses Phänomen.

Immer mehr Einstellhallen mit Elektro-Ladestationen

Vergangenes Jahr hat das EWN den Ausbau des Elektrotankstellennetzes weiter vorangetrieben. So wurden im Bahnhofparking Stans vier neue Ladestellen in Betrieb genommen, womit man nun in Nidwalden an 13 öffentlichen Stationen sein Elektroauto betanken kann, vielerorts an Bahnhöfen. Das Angebot wird rege genutzt. So stieg der Stromabsatz der EWN-Elektrotankstellen vergangenes Jahr um 58 Prozent. «Auch in immer mehr Einstellhallen von Mehrfamilienhäusern werden Ladestationen installiert, EWN bietet dazu ein echtes Sorglos-Paket in Zusammenarbeit mit den Nidwaldner Elektrikern», sagt Infanger.

Pandemie bisher gut gemeistert

Auch betrieblich habe das EWN die Pandemie bisher gut meistern können. «Den Versorgungsauftrag konnten wir jederzeit erfüllen. Wir hatten coronabedingt kaum personelle Ausfälle. Im Betrieb selber hat sich niemand angesteckt.» Zu verdanken sei dies dem bewährten Coronaschutzkonzept und dessen konsequenter Einhaltung durch alle Mitarbeitenden. Diejenigen EWN-Mitarbeiter, die für eine zuverlässige Stromversorgung zuständig sind, wurden in drei Gruppen zu je vier bis sechs Gruppen eingeteilt. Je eine Gruppe blieb zeitweise eine ganze Woche lang zu Hause. Die anderen zwei Gruppen arbeiten weiter, haben aber keinen Kontakt zueinander. Die meisten Mitarbeiter der Administration arbeiten von zu Hause aus.

Mit Blick in die Zukunft sticht vor allem eine Änderung ins Auge. Seit Anfang Jahr werden standardmässig alle Nidwaldner Haushalte und Kleinbetriebe mit Strom aus einheimischer Wasserkraft versorgt, zum selben Preis wie bisher. Der bisherige Standard-Strommix aus verschiedenen Produktionsquellen wird für dieses Kundensegment nicht mehr angeboten. Alternativ können Haushalte und Kleinbetriebe wie bisher das Produkt «EWN Natur» (80 Prozent Wasserkraft/20 Prozent Fotovoltaikanlagen aus Nidwalden) oder «EWN Sonne» (mit 100 Prozent Nidwaldner Solarstrom) beziehen.