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NIDWALDEN: Er ist nur schwer zu verstehen

Er tritt laut auf, ist aber für die Behörden relativ unantastbar. Ständeratskandidat Josef Käslin eckt vielfältig und vielenorts an.
Josef Käslin ist nicht überall willkommen. (Bild Corinne Glanzmann)

Josef Käslin ist nicht überall willkommen. (Bild Corinne Glanzmann)

Philipp Unterschütz und Markus von Rotz

Josef (genannt «Sepp») Käslin ist ein besonderer Ständeratskandidat. Als ­seine Ambitionen für die Wahlen am 18. Oktober bekannt wurden, ging ein hörbares Raunen durch den Kanton. Das hat sich der Doktor in Naturwissenschaften selber zuzuschreiben, wie unsere Annäherung zeigt.

  • Der Schuldunfähige: Käslin hatte wiederholt mit Gerichtsbehörden zu tun. So verurteilte ihn das Obergericht vergangenen März wegen diverser Vergehen. Das Bundesgericht trat auf seineBeschwerde nicht ein(siehe Kasten). Trotz Schuldspruchgab es für ihn, auch wenn er unter anderem Drohung gegen Beamte auf dem Kerbholz hat, weder Busse noch Strafe. Grund: Er gilt in den Augen der Richter als schuldunfähig. Schuldunfähig heisst gemäss Artikel 19 des Strafgesetzbuches: «War der Täter zur Zeit der Tat nicht fähig, das Unrecht seiner Tat einzusehen oder gemäss dieser Einsicht zu handeln, so ist er nicht strafbar.» Bestätigtwird Schuldunfähigkeit durch ein psychiatrisches Gutachten. Das Gericht ordnete zudem eine ambulante Behandlung an. Für den Vollzug derMassnahme ist die Abteilung Straf- und Massnahmenvollzug beim kantonalen Amt für Justiz zuständig.

  • Der Vielmailer: Dass man Josef Käslin im ganzen Kanton kennt, hat unter anderem auch mit seiner Flut an E-Mails zu tun, die er einem sehr breiten Kreis von Empfängern zustellt. Darin greift er regelmässig Einzelpersonenund Behörden an. Und das in einer schwer verständlichenSprache und in Formulierungen, denen man nur stellenweise folgen kann, garniert mit unzähligen Sonderzeichen. Seinen Schreibstil begründet er mit seiner hohen Intelligenz. Immer wieder schreibt er von einem IQ von 168. Dass seine Texte schwierig zu verstehen sind, scheint ihm aber bewusst zu sein, dennam Endeder ­meisten Mails heisst es: «Kanitverstan’s fragen besser bey ,allsark (so nennt sich Käslin selber. Anmerkung der Redaktion) nach, anstatt gut bey sich selber & anderen.»

  • Der Lautstarke: Immer wieder fällt Käslin durch seine Lautstärke auf. Nicht nur wegen Signalen (Urteil), sondern auch durch seine laute Stimme. So erinnern sich Besucher des Jodlerfests im Sommer in Sarnen, wie er im Umzug alle Teilnehmer lautstark und unflätig beschimpfte, die ihn beim Verteilen von Tranksamen oder kleinen Naschereien nicht bedienten. Oder im August unterhielt er mit einer Schimpftirade das ganze Zelt des CircusKnie in Luzern. Eine Handvoll Leute brachte ihn dann aus dem Zelt.

  • Der Unwillkommene: Käslin ist in vielenRestaurants im Kanton, in Läden oder in einem Alterszentrum nicht mehr willkommen. Er hat, wie uns diverseBesitzer bestätigen, Haus- oder Arealverbot. Wirt Seppi Durrer vom «Tell» in Stans überlegt sich ein solches auch: «Wer ihn als Gast hat, hat verloren.» In der Eisenwarenhandlung Näpflin in Wolfenschiessen etwaendete eine Konfrontation mit einem Gerichtsfall, nachdem er nach mehreren Störungen eines Verkaufsgespräches und Wegweisungen den Besitzer bedrohtund schliesslich die Eingangstüre dermassen zugeschlagen hatte, dass die Scheiben zerbrachen.Bei allen bestätigten Hausverboten geht es immer ums gleiche Muster. Käslin belästigt Kunden oder legt sich mit Gästen an. Unwahr ist hingegen das Gerücht, dass er bei der Zentralbahn Zugverbot habe. «Sepp Käslin ist uns aufgrund von Kunden- und Mitarbeiter-Rückmeldungen bekannt. Wir haben daraufhin das Gespräch mit ihm gesucht», sagt Mediensprecher Peter Bircher. Auch am Kollegi Stans ist Sepp Käslin kein Unbekannter. Rektor Patrik Eigenmann: «Vor zwei Jahren kam er an die Präsentation der Maturaarbeiten. Dabei störte er den Auftritt eines Maturanden mit sehr aufdringlichen Fragen. Wir haben ihn darauf aufmerksam gemacht, dass dies nicht geht. Eine ihm bekannte Person führte ihn dann nach draussen, womit der Fall erledigt war.»

  • Der Unantastbare :Etliche Bürger stellten uns die Frage, warum Käslin nicht schon lange ein Fall für die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) geworden sei.Offenbar wurde er dort gemeldet. Die Kesb sagt,siekönne aufgrund des Amtsgeheimnisses nichts zum Fall sagen. «Generell gilt, dass wir nur Massnahmen anordnen können, die erforderlich und geeignet sind, eine Situation zu verbessern. Ein Beistand beispielsweise kann keine Drohungen oder Beschimpfungen durch eine Person verhindern», sagt Reto Geiser. «Beistandschaften können wir nur anordnen, wenn jemand nicht in der Lage ist, seine eigenen Angelegenheiten zu erledigen oder diese an eine geeignete Person zu delegieren. Das Selbstbestimmungsrecht ist soweit wie möglich zu berücksichtigen.» Und für fürsorgerische Unterbringungen, die zeitlich begrenzt sind, lägendie Anforderungen extrem hoch, weil sie ein massiver Eingriff in die persönliche Freiheit darstellen. «Dafür brauchtes eine akute und starke Fremd- oder Eigengefährdung einer Person. Sie kommt denn auch nur zur Anwendung, wenn die persönliche Fürsorge und Pflege nur durch die Unterbringung in eine geeignete Anstalt gewährleistet werden kann»,sagt Reto Geiser von der Kesb.Grüne-Landrat Leo Amstutz berichtet nach einem Kandidatenhearing diese Woche von einem guten Gespräch mit Käslin.«Er konnte seine Positionen klar darlegen. Meiner persönlichen Meinung nach ist er schwierig einschätzbar und nicht berechenbar in Handlungen und Aussagen. Insofern ist er für mich nicht die geeignete Person, um Nidwalden im Ständerat zu vertreten.»

Hinweis

Wir bringen nächste Woche im Hinblick auf unser Podium die Interviews mit den National- und die Porträts der anderen Ständeratskandidaten.

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