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NIDWALDEN: «Schulweg ist eine wertvolle Erfahrung»

Wie bereitet man Kinder auf den Schulweg vor? Und weshalb können sie dabei viel lernen? Tabitha ­Aeppli aus Buochs hat sich des Themas angenommen.
Interview Adrian Venetz
Die Buochserin Tabitha Aeppli wird ab August als Kindergärtnerin in Oberdorf arbeiten. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Buochserin Tabitha Aeppli wird ab August als Kindergärtnerin in Oberdorf arbeiten. (Bild Corinne Glanzmann)

Tabitha Aeppli (25) aus Buochs hat ihre Bachelorarbeit an der pädagogischen Hochschule Luzern zum Thema «Der Schulweg von Kindergarten­kindern» geschrieben. Im Rahmen ihrer Untersuchungen hat sie einerseits Eltern und Kindergärtnerinnen in Beckenried befragt, andererseits forderte sie Kinder auf, ihren Schulweg zeichnerisch darzustellen. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt Tabitha Aeppli einen Einblick in einige Ergebnisse ihrer Arbeit.

Was hat sie bei Ihren Untersuchungen am meisten überrascht?

Tabitha Aeppli: Ich habe das Thema Schulweg aus drei verschiedenen Perspektiven beleuchtet: aus der Sicht der Kinder, der Eltern und der Kindergärtnerinnen. Besonders aufgefallen ist mir, dass der Schulweg für Kinder eine riesige Herausforderung darstellt. Weiter hat mich überrascht, wie der Schulweg die Entwicklung des Kindes beeinflussen kann.

Wo liegen die Schwierigkeiten für Kinder im Strassenverkehr?

Aeppli: Ein Kindergartenkind hat beispielsweise Mühe, die Autos genau zu lokalisieren und abzuschätzen, wie schnell sie unterwegs sind. Zudem haben die Kinder noch eine sehr grosse Fantasie und werden dadurch viel schneller abgelenkt.

Kann man generell sagen: Ein Kind ist am Anfang auf dem Schulweg sehr unsicher?

Aeppli: Nicht unbedingt. Durch die Erziehung treten hier bereits Unterschiede auf. Es gibt Kinder, die bereits vor dem Eintritt in den Kindergarten sehr wohl in der Lage sind, eine bestimmte Strecke selbstständig zurückzulegen. Für andere wiederum ist das eher Neuland.

Sie haben Kinder, die bereits im Kindergarten sind, aufgefordert, ihren Schulweg zu zeichnen. Weshalb?

Aeppli: Auf die Idee bin ich durch den Erziehungswissenschaftler Marco Hüttenmoser gekommen, der ebenfalls eine Studie zum Schulweg mit Kinderzeichnungen gemacht hat. Die Ergebnisse sind ähnlich.

Nämlich?

Aeppli: Die Kinder sollten zeichnen, was sie auf ihrem Schulweg erleben. Die Zeichnungen von Kindern, die ihren Schulweg zu Fuss zurücklegen, sind viel bunter und lebendiger. Sie zeichnen ­Tiere, Bäume, Blumen. Die Zeichnungen von Kindern, die oft oder immer mit dem Auto zur Schule gebracht werden, sind deutlich anders. Sie malen zum Beispiel einfach ein graues «Strassenwirrwarr» zwischen dem Wohnhaus und dem Schulhaus – und sonst nichts. Man spürt deutlich, dass sie im Auto einfach kaum etwas erleben.

Ist der Schulweg ein wichtiges Kriterium in der Entwicklung eines Kindes?

Aeppli: Ich würde niemals so weit gehen, zu behaupten, dass Kinder, die ständig mit dem Auto zur Schule gefahren werden, deshalb ein riesiges Defizit hinnehmen müssen. Aber eine schöne und wertvolle Erfahrung ist der Schulweg sicher. Kinder, die mit ihren «Gspänli» auf dem Schulweg sind, lernen beispiels­weise, Konflikte zu lösen, ohne dass eine erwachsene Person dabei ist. Zudem können sie ihre Neugier eher ausleben. Wenn sie zum Beispiel eine Schnecke am Wegrand sehen und diese beobachten wollen, steht kein Erwachsener daneben und sagt: «Komm jetzt, mach vorwärts ...»

Sie haben auch die Eltern befragt. Welche Sorgen stehen hier im Vordergrund?

Aeppli: An vorderster Stelle steht natürlich das Thema Verkehr. Besonders die Überquerung der Hauptstrasse in Beckenried macht ihnen am ehesten Sorgen, weil hier morgens sehr reger Verkehr herrscht. Etwas überrascht hat mich, dass sich ­viele der befragten Eltern auch zum Thema Entführung Sorgen machen. In Nidwalden ist da die Gefahr meiner Meinung nach nicht sehr gross. Die Angst ist wohl einfach stets präsent, weil allein schon der Gedanke daran schrecklich ist.

Wie können sich Eltern und Kinder auf den Schulweg vorbereiten?

Aeppli: Sinnvoll ist es sicher, den Weg gemeinsam mit dem Kind abzulaufen, bevor der Kindergarten beginnt. Wichtig ist, dass die Eltern auch im Alltag ein Vorbild im Strassenverkehr sind. Also zum Beispiel bei Fussgängerstreifen immer anhalten und nach links und rechts schauen oder auf Parkplätzen darauf achten, ob nicht plötzlich ein Auto rückwärts aus dem Parkplatz fährt. Die Kinder beobachten dieses Verhalten und lernen daraus.

Erhalten die Kinder auch Hilfestellungen ausserhalb des Elternhauses?

Aeppli: Ja. Ganz zentral ist der Besuch der Polizei am Anfang des Kindergartens. Da wird mit den Kindern beispielsweise aktiv geübt, wie man sich am Fussgängerstreifen verhält. Auch an einem Elternabend kann die Verkehrssicherheit thematisiert werden.

Kann man es auch übertreiben?

Aeppli: Wenn die Eltern überängstlich sind, ist das eher kontraproduktiv. Dann wird die Angst des Kindes verstärkt und, es fühlt sich noch unsicherer. Es sollte eine gesunde Balance sein zwischen Vorsicht und Selbstsicherheit. Das Kind soll sich der Gefahren im Strassenverkehr bewusst sein, aber nicht davon erdrückt werden.

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