Nidwaldner Landkauf sorgt in Obwalden für Unmut

Das Land in Kägiswil, das nun dem Nachbarkanton gehört, wollten auch Obwaldner Firmen kaufen. Die Regierung sieht ihre Hände gebunden.

Franziska Herger
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Die Landparzelle, die der Kanton Nidwalden gekauft hat. (Bild: Nadia Schärli, Kägiswil, 30. Juli 2019)

Die Landparzelle, die der Kanton Nidwalden gekauft hat. (Bild: Nadia Schärli, Kägiswil, 30. Juli 2019)

Ein kleiner Teil von Obwalden gehört jetzt dem Kanton Nidwalden. Der Nachbarkanton hat dem Bund fast 8000 Quadratmeter Industrieland in Kägiswil abgekauft – als Realersatzland für die Industriezone Hofwald in Oberdorf, die teilweise dem Hochwasserschutzprojekt am Buoholzbach weichen muss (wir berichteten).

Dass daher wohl bald ein Nidwaldner Unternehmen in Kägiswil Platz findet, passt in Obwalden nicht allen. Hätte es doch mehrere Obwaldner Interessenten gegeben, wie Felix Fischbacher, Geschäftsführer der Standort-Promotion Obwalden, auf Anfrage bestätigt. «Wir haben Firmen, die nach Gewerbeland suchten, auf das Auktionsverfahren der Armasuisse in Kägiswil aufmerksam gemacht. Grössere Parzellen wie diese kommen heute nicht oft auf den Markt.»

Mit dem Kanton hätten jedoch keine konkreten Gespräche über eine allfällige Ausübung seines Vorkaufsrechts stattgefunden. Dieses haben Kantone wie Gemeinden bei Landverkäufen des Bundes. «Das ist ein politischer Prozess, auf den wir keinen Einfluss haben», sagt Felix Fischbacher. «Als dann der Käufer bekannt wurde, haben wir schon etwas gestaunt.»

Vierjährige Suche nach Gewerbeland erfolglos

Gestaunt hat auch Heini Dillier, Verwaltungsratspräsident der rollenden Werkstatt Kran AG in Sachseln. «Als ich den Brief der Armasuisse erhielt, das Land sei an den Kanton Nidwalden verkauft worden, habe ich mich grausig aufgeregt. Das gibt es doch nicht!» Er habe mitgeboten, für 3,2 Millionen, bei einem Startpreis von 2,5 Millionen Franken. Seit rund vier Jahren sucht Heini Dillier nach Gewerbeland im Eigentum, um jene rund 25 seiner über 200 Kräne einzustellen, die jeweils gerade nicht im Umlauf sind.

«Wir waren sehr interessiert, und fragten daher den Kanton an, ob er vorhabe, das Land zu kaufen. Dort sagte man mir, wir müssten uns keine Sorgen machen, der Kanton habe kein Interesse.» im Nachhinein frage er sich, warum Obwalden nicht eingegriffen habe, sobald man vom Nidwaldner Interesse gehört habe, meint Heini Dillier.

Die Parzelle zu erwerben, um sie danach einem Obwaldner Unternehmen weiterzuverkaufen, sei nicht in Frage gekommen, sagt Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler. «Die privaten Interessenten konnten ja selber mitbieten. Und das Vorkaufsrecht gilt nur für eigenen Bedarf des Kantons. Er darf hier nicht als Immobilienhändler auftreten.» Bedarf an Industrieland habe der Kanton gegenwärtig nicht, führt Wyler weiter aus. «Wir brauchen zwar Realersatzflächen für den Hochwasserschutz, dabei handelt es sich aber um Landwirtschaftsland für Bauern an der Sarneraa.»

Und selbst wenn Bedarf bestanden hätte, so der Volkswirtschaftsdirektor, hätte Obwalden – wie nun Nidwalden – den Preis des höchsten Gebots bezahlen müssen: «Vorkaufsrecht heisst nicht Vorzugspreis. In der aktuellen finanziellen Situation kann ich nicht einfach X Millionen Franken aus einem Kässeli holen, um Land zu kaufen.»

Heini Dillier ist frustriert. Ihm bleibe vielleicht nichts anderes übrig, als den Betrieb umzusiedeln, etwa ins Luzernische. «Das ist ‹usinnig› schade. Wir sind gerne in Obwalden, zahlen auch nicht wenig Steuern und bieten über 20 Arbeitsplätze.»

Finanzen reichen nicht für neue Ideen

Daniel Wyler hat Verständnis für den Unmut. «Es ist ein Problem, dass Obwaldner Unternehmer nicht expandieren können. Besonders diejenigen in den gemischten Wohn- und Gewerbezonen sind sehr eingeschränkt.» Seine Hände seien jedoch gebunden, sagt der Volkswirtschaftsdirektor: «Ich möchte den Unternehmen gerne mehr bieten, aber Land ist ein beschränktes Gut.»

Neue Ideen, etwa Fabriken in den Berg zu bauen wie in Skandinavien, könnten angesichts der Finanzsituation des Kantons vorläufig nicht angegangen werden, so Wyler. «Wir haben da aktuell keinen Spielraum.»