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Wie dank Kiss Obwalden ein Bad im See möglich wird

73 «Tandems» sind bei Kiss Obwalden, der Genossenschaft für Zeitgutschriften, aktiv. Menschen helfen Menschen. Einmal in der Woche geht Manuela Ming mit der an MS erkrankten Corinne Grond baden.
Marion Wannemacher
Manuela Ming (stehend) und Corinne Grond sind ein aktives «Tandem» von Kiss Obwalden. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 28. Mai 2018))

Manuela Ming (stehend) und Corinne Grond sind ein aktives «Tandem» von Kiss Obwalden. (Bild: Marion Wannemacher (Sachseln, 28. Mai 2018))

«Ich bin nie so glücklich wie im Wasser», schwärmt Corinne Grond. «Ich fühle mich dann, als ob für mich alles möglich wäre.» Die 45-Jährige leidet seit 24 Jahren an Multipler Sklerose (MS). Das Wasser helfe ihr extrem, ihre Körpertemperatur abzukühlen. «Für mich ist es essenziell, baden gehen zu können, die Symptome der MS beruhigen sich dann», erklärt sie. Die Lähmungen liessen nach. Für das Bad im Sarnersee braucht Corinne Grond Unterstützung. «Mein Partner ist nicht jeden Tag da, Freundinnen auch nicht.» Überwindung habe es sie schon gekostet, sich mit ihrem Anliegen an Kiss Obwalden, die Genossenschaften für Zeitgutschriften, zu wenden.

Bald kam es zu einem Vorstellungsgespräch mit der fast gleichaltrigen Manuela Ming aus Giswil. «Es war eine gute Begegnung», fasst sie zusammen. Seit etwa einem Jahr treffen sich die beiden Frauen. «Es ist ein schöner Nebeneffekt, dass eine Freundschaft entstand», findet Manuela Ming. Ihr ist es wichtig, Nachbarschaftshilfe zu leisten. Positiver Nebeneffekt: Ihre Zeit wird ihr auf ihrem Genossenschaftskonto gutgeschrieben.

Schlamm und Steine verhindern Zugang zum See

Einmal pro Woche holt sie Corinne Grond in deren Wohnung ab. Gemeinsam gehen sie zur nahe gelegenen Badestelle am Wissi­bachdlta. Oder besser gesagt «gingen». Denn als die beiden Frauen zum Pressetermin erscheinen, haben sie gar kein Schwimmzeug mitgenommen. Es ist heiss, obwohl es bereits Abend ist. Ein Bad im See wäre jetzt genau das Richtige. «Daraus wird im Moment leider nichts», erklärt Corinne Grond. Das Wissibachdelta sei umgestaltet worden, erklärt sie. Der ehemalige Badeplatz mit Zugang über ein Stück Sandstrand ist nun voller Schlamm mit tiefen Pfützen. Nebenan verunmöglichen grobe Steine die Zufahrt mit dem Rollstuhl, diese sind auch für ältere und in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen ein Hindernis. «Dabei bräuchte es bloss eine kleine Schneise mit flachem Untergrund wie Sand oder feinerem Kies, um dort den Rollstuhl ins Wasser zu schieben», findet Manuela Ming.

Corinne Grond lässt den Kopf nicht hängen. Sie sei mit dem zuständigen Projektleiter vom Kanton im Gespräch. «Er hat sehr verständnisvoll reagiert», freut sie sich. «Bislang war ich erst einmal baden dieses Jahr», erklärt sie. Beide Frauen hatten den Versuch gemacht, von der Badi Sachseln aus in den See zu gelangen. Doch der Absatz vom Plattenweg zum Sand war zu hoch, der Weg von der Wohnung bis zur Badi zu weit. «Als ich wieder daheim war, fühlte ich mich so erschöpft, dass die Erfrischung dahin war», erklärt die gebürtige Chamerin.

Auf jeden Fall hoffen die beiden darauf, dass sie bald wieder gemeinsam baden gehen können. Aber wie kann Corinne Grond, die im Rollstuhl sitzt, überhaupt schwimmen? Die beiden Frauen gehen eine Vorführung: Manuela Ming kippt den Rollstuhl nach hinten, fährt Corinne Grond in den See und kippt ihn dort in die Gegenrichtung, damit diese aus dem Rollstuhl ins Wasser gleitet. Mit der Unterstützung einer Schwimmnudel und ihrer Armkraft lässt sie sich vom Wasser tragen. «Beim Schwimmen brauche ich dann keine Hilfe mehr», erzählt sie. Übrigens leistet auch Corinne Grond Dienste für Kiss. Sie liest zwei betagten Frauen Geschichten und Bücher vor. «Es entsteht eine Verbindung, man freut sich aufeinander.»

Beat Schlegel ist neu im Verwaltungsrat

Mit einem Minus von rund 7300 Franken bei einem Ertrag von mehr als 109'000 Franken steuert Kiss Obwalden, die Genossenschaft für Zeitgutschriften, in ihr sechstes Jahr. Die 24 anwesenden Mitglieder an der Genossenschafterversammlung am Montagabend im Pfarreisaal Alpnach genehmigten die Jahresrechnung. Hinsichtlich der Finanzen sollten ab 2019 mehr Erträge generiert werden. Geschäftsleiterin Marianne Marchello-Gisler erklärte, dass die Genossenschaft einen Antrag auf Unterstützung an die interkommunale Gesundheitskommission des Kantons gestellt habe, im Gespräch mit Firmen und Banken sei und auf einen Beitrag aus dem Swisslos-Fonds hoffe.

Im Budget für das laufende Jahr geht die Genossenschaft von einem Minus von 500 Franken aus. 2018 hat Kiss von allen Obwaldner Gemeinden bis auf Kerns und Sachseln die Zusage für Fördergelder von insgesamt 35'800 Franken und von Kirchgemeinden über 10 000 Franken. Das Pensum der Geschäftsleiterin wurde um zehn Prozent gekürzt. Verwaltungsmitglied Anja von Rotz wurde verabschiedet. Als neues Verwaltungsmitglied wählten die Mitglieder Beat Schlegel aus Alpnach. Der 61-Jährige wird bei Kiss voraussichtlich für die Finanzen zuständig sein. Ebenfalls verabschiedet wurde Manuel Marchello, der die Buchhaltung drei Jahre für die Genossenschaft ehrenamtlich geführt hatte. (mw)

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