Engelberger Absolventen nehmen Zeugnisse entgegen

Nach einem speziellen Schuljahr übergibt Prorektor Tobias Barmettler den Absolventen der Stiftsschule Engelberg ihre Diplome.

Drucken
Teilen

(mah) Es sei «ein ausserordentliches Jahr mit einer ausserordentlichen Feier», verkündete am Samstagnachmittag der neue Rektor der Stiftsschule Engelberg. P. Andri begrüsste die Maturi und Maturae des Jahrgangs 2019/20 und ihre Angehörigen, die Lehrerschaft sowie den Landammann und Bildungsdirektor des Kantons Obwalden, Christian Schäli, und die für Bildung und Kultur zuständige Engelberger Gemeinderätin Cornelia Amstutz zum öffentlichen Teil der diesjährigen Maturaabschlussfeier. Die Maturzeugnisübergabe hatte bereits im Juni nach den schriftlichen Prüfungen stattgefunden. Alle Kandidaten und Kandidatinnen hatten die Reifeprüfung bestanden. Auf die traditionelle Maturafeier in der Klosterkirche hatte aus bekannten Gründen verzichtet werden müssen.

An diesem späten Samstagnachmittag wurde das Versäumte aber nachgeholt. Das Warten hatte sich für die Maturi und Maturae gelohnt, weil zwischenzeitlich auch die IB-Diplome eingetroffen waren. Mit der Überreichung des begehrten Diploms durch Prorektor Tobias Barmettler konnte das Zeremoniell der feierlichen Überreichung des Maturazeugnisses nachgeholt werden. Der Applaus in der Klosterkirche war entsprechend gross.

Bester Notenschnitt von 5,43 von Johannes Zumthurm

Im Zentrum aber stand die Prämierung der besten Maturitätsprüfungen. Mit dem herausragenden Notendurchschnitt von 5,43 durfte sich Johannes Zumthurm aus Luzern als Klassenbester ausrufen lassen, dicht gefolgt von den beiden Damen Corinne Stocker mit 5,39 und Petra Odermatt mit 5,29, beide aus Engelberg. Der Rektor überreichte ihnen ein vom Kanton und von der Benediktusstiftung ermöglichtes Präsent, als Anerkennung für die über all die Jahre erbrachte Leistung.

Im Namen des Kantons beglückwünschte der Obwaldner Landammann Christian Schäli die Maturi und Maturae. Die Zeugnisse seien ausgehändigt, ein grosser Schritt sei vollbracht worden. Aber nun stiegen die Ansprüche. Wie man ihnen genügen könne? Das sei die Herausforderung, vor der die jungen Menschen stünden. Er sei nicht mit leeren Händen aus Sarnen nach Engelberg hochgefahren. Ihm sei mit dem Antritt des Amtes als höchster kantonaler Magistrat ein grosser Schlüsselbund übergeben worden. Diese Schlüssel öffnen Türen, geben Wege frei. Mit der Matura hätten die Gereiften einen Passepartout-Schlüssel für alle Studienrichtungen und sehr viele Ausbildungswege. Ein weiterer Schlüssel stehe für die Gymnasialbildung, die Horizonte eröffnet und Perspektiven freilegt. Den letzten Schlüssel am Bund legte Christian Schäli den Zuhörern und Zuhörern ganz besonders ans Herz, den Schlüssel der Selbstverantwortung. Jede Einzelne und jeder Einzelne müsse diesen Schlüssel ins Schloss legen und betätigen.

«Hier sind Sie als Individuum gefordert, verlassen Sie sich auf sich selbst!»

Dann war Klassenlehrer Roger Gasser an der Reihe, der die Klasse während der letzten vier Jahre begleitete. Er könne sie guten Gewissens ins weitere Leben entlassen, ermahnte sie aber, sich vor Entscheidungen nicht zu drücken, sondern sich ihnen mutig und mit Verstand zu stellen. Man könne nie alle Optionen freihalten. In einem sympathischen Rückblick auf die sechsjährige Gymnasialzeit skizzierten die beiden Sprecherinnen Petra Odermatt und Heike Neumann ihre Klasse als eine Gruppe mit ausgeprägter Diskussionsfreude und Debattierlust, ohne aber verletzend zu werden. Als es hiess, dass Obwalden im Gegensatz zu anderen Kantonen – Corona zum Trotz – an der schriftlichen Maturaprüfungen festhalten wolle, hätten sie als Klasse in einem Brief für die prüfungsfreie Matura argumentiert. Ohne Erfolg, wie man weiss. Heute seien sie alle froh, dass die Prüfungen durchgeführt worden seien.

Die Schweiz braucht Freude an Diskussion

Als letzter Redner richtete Dr. Josef Widler in seiner Funktion als Präsident des Alt-Engelbergervereins ein Grusswort an die Festgemeinschaft. Mit Freude habe er von der Diskussionsfreudigkeit der Maturklassen gehört. Denn das brauche die Schweiz und die Welt, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Diskussion und Debatte zeugten von Selbstverantwortung. Gerade darin sehe er den Kompass, um ohne Angst zwischen den beiden Polen der Bevormundung und dem Laissez-faire heil hindurchzukommen. Im Namen des Vereins lud er die Anwesenden zum Apéro riche mit Engelberger Klosterwein, um coronakonform unter freiem Himmel und auf dem Platz vor der Klosterküche auf die Maturaklasse anzustossen.

Musikalisch umrahmt wurde die Feier mit Eigenproduktionen der Maturaklasse. Sandro Marchon spielte virtuos und einfühlsam auf dem Akkordeon ein Stück, das er als Maturaarbeit komponiert hatte. Die Gruppe Goblins in the Moon adaptierte Evergreens von John Lennon, Pink Floyd und Led Zeppelin, deren Text vorzüglich zum Anlass passten.

Mehr zum Thema