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Nun leitet ein Oberturner das Obwaldner Parlament

Fair und sportlich soll es im kommenden Amtsjahr im Kantonsrat zu und hergehen – mindestens wenn es nach dem neuen Präsidenten Reto Wallimann geht. Derweil will sich der neue Landammann Josef Hess für gute Rahmenbedingungen einsetzen.
Philipp Unterschütz
Der neue Obwaldner Landammann Josef Hess (links) nimmt die Gratulation des kurz vor ihm ebenfalls neu gewählten Kantonsratspräsidenten Reto Wallimann entgegen. (Bild: Nadia Schärli, Sarnen, 28. Juni 2019)

Der neue Obwaldner Landammann Josef Hess (links) nimmt die Gratulation des kurz vor ihm ebenfalls neu gewählten Kantonsratspräsidenten Reto Wallimann entgegen. (Bild: Nadia Schärli, Sarnen, 28. Juni 2019)

«Möge die Übung gelingen» – ganz im Stil eines Oberturners eröffnete der soeben gewählte neue Kantonsratspräsident Reto Wallimann (FDP, Alpnach) «seine» erste Sitzung. In seiner Antrittsrede verglich der begeisterte Turner, der auch am Eidgenössischen Turnfest in Aarau dabei war, die Gemeinsamkeit der Arbeit des Kantonsrats mit einem Turnfest. Es gebe viele verschiedene Disziplinen, und es gebe Einzel- und Vereinswettkämpfe. «Nicht jeder ist Spezialist in allen Disziplinen, deshalb müssen wir unsere Stärken optimal einsetzen.» Seit den letzten Wahlen sei dem Kantonsrat aber die Wettkampferfahrung etwas verloren gegangen, sagte Wallimann vor dem Hintergrund der mit durchschnittlich nur noch etwas mehr als vier Jahren kürzer gewordenen Amtszeiten der amtierenden Kantonsräte. «Eine längere Erfahrung wäre wünschenswert.»

Als Oberturner im Kantonsrat wünsche er in seinem Amtsjahr, dass jeder Verantwortung übernehme sowie harte, aber faire Diskussionen, getragen von Achtung und Respekt. Entscheidungen sollten sportlich akzeptiert werden, auch wenn sie mal nicht dem gewünschten Resultat entsprechen würden.

Als Vizepräsidentin des Kantonsrats wurde Cornelia Kaufmann-Hurschler (CVP, Engelberg) gewählt.

SVP blitzt mit neuer Sitzverteilung ab

Für etwas Spannung sorgte innerhalb der Besetzung der Ratsleitung die Kampfwahl für den dritten Stimmenzähler. Die SVP hatte den Giswiler Meisterlandwirt Peter Abächerli als Gegner des Sachsler CVP-Kandidaten Dominik Rohrer aufgestellt. SVP- Fraktionschef Ivo Herzog erklärte den Anspruch, den seine Partei schon im vergangenen Jahr deponiert hatte, mit den Wahlen der Vergangenheit, die dazu geführt hätten, dass SVP und CVP heute praktisch gleich grosse Fraktionen stellten und die bisherige Verteilung mit zwei Sitzen für die CVP und einen für die SVP deshalb nicht mehr gerechtfertigt sei. Beide Parteien sollten zwar weiterhin drei Sitze in der Ratsleitung haben, aber diese alternierend 2:1 besetzen. Das würde den Wählerwillen ausdrücken und sei nicht mehr als fair im Sinne der Konkordanz. «Wir verstehen nicht, dass die CVP stur an ihrem Anspruch festhält. Wir empfinden das als Affront», sagte Herzog an die Adresse der CVP.

Diese mochte sich diesbezüglich aber nicht auf Diskussionen einlassen. Fraktionschef Marcel Jöri (Alpnach) ging bei der Vorstellung des CVP-Kandidaten Dominik Rohrer mit keinem Wort auf die Argumente der SVP ein. In geheimer Wahl entschied sich der Kantonsrat schliesslich mit 27 zu 24 Stimmen für CVP- Mann Rohrer.

Nach der Wahl meinte Ivo Herzog unserer Zeitung gegenüber, nach seiner eingehenden Begründung des SVP-Anspruchs sei er natürlich enttäuscht über das Resultat. «Wir wussten aber, dass es angesichts der CVP/CSP- Mehrheit kein Spaziergang wird. Im Vorfeld habe ich auch Stimmen gehört, dass man Peter Abächerli nicht wähle, weil er erst ein Jahr im Kantonsrat sei.» Es werde nun intern diskutiert, ob man es in zwei Jahren, wenn wieder ein CVP Sitz vakant werde, erneut versuchen wolle.

Als ersten Stimmenzähler wählte der Rat Christoph von Rotz (SVP, Sarnen), als zweite Stimmenzählerin Regula Gerig-Bucher (CSP, Alpnach Dorf).

Neuer Landammann will gute Rahmenbedingungen

Mit grossem Applaus freute sich der Kantonsrat schliesslich auch über die erstmalige Wahl des parteilosen Josef Hess zum neuen Landammann des Kantons Obwalden. Nach den Wind und Wetter trotzenden Steinmanndli, die Maya Büchi als Symbol für ihre Amtszeit gewählt hatte und der Velokette des abtretenden Landammanns Christoph Amstad, die alle gemeinsam vorwärtsbringen sollte, habe auch er ein Symbol, erklärte Josef Hess in seiner Antrittsrede.

Er finde, ein Baum sei ein passendes Symbol für Land und Volk von Obwalden. Für ein gesundes Wachstum brauche der Baum Wurzeln, Stamm, Äste und Blätter. «Dieses Wachstum lässt sich aber nicht mit Geboten und Verboten anordnen oder gar erzwingen. Mann kann nicht an Ästen oder am Wipfel ziehen, damit die Bäume schneller wachsen.» Forstleute würden das Wachstum beeinflussen, indem sie durch gezielte forstliche Eingriffe Platz schaffen würden – also gute Rahmenbedingungen.

Und das sei genau das, wofür auch die Politik einstehen müsse. Auch die Gesellschaft könne sich nur entwickeln und wachsen, wenn jedes einzelne Mitglied seinen Beitrag dazu leiste, nicht nur in Form von Steuern, sondern auch durch ein Engagement für die Öffentlichkeit. «Ich freue mich als Landammann dieses Wachstum und die Entwicklung im kommenden Amtsjahr mitzugestalten.» Es gebe viele Herausforderungen wie beispielsweise die Sanierung der Kantonsfinanzen, wo dem Baum momentan noch etwas das Wasser und die Nährstoffe zum guten Gedeihen fehlen würden.

Als Landesstatthalter wurde Maya Büchi gewählt.

Ersatzwahlen für Kommissionen

Ebenfalls neu gewählt wurden in Ersatzwahlen an der gestrigen konstituierenden Ratssitzung: André Windlin (FDP, Melchtal) als Mitglied der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission (GPRK), Peter Lötscher (SP, Sarnen) und Veronika Wagner (CVP, Kerns) als Mitglieder der Rechtspflegekommission (RPK) sowie Silvia Zbinden (CSP, Sarnen) und Roland Kurz (FDP, Sachseln) als Mitglieder der Kommission für Strategische Planungen und Aussenbeziehungen (KSPA).

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