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Flugplatz Kägiswil: Nur ein Durchstarten verhinderte das Unglück

Schlechte Sicht, unverständliche Funksprüche: Eine Verkettung von mehreren Faktoren führte fast zur Kollision zweier Flugzeuge in Kägiswil. Am Anflugkonzept will man weiterhin festhalten, aber Piloten vor allem auf einen Punkt aufmerksam machen.
Matthias Piazza
Flugplatz Kägiswil. (Bild: Corinne Glanzmann, 19. Juli 2016)

Flugplatz Kägiswil. (Bild: Corinne Glanzmann, 19. Juli 2016)

Er kennt den Flugplatz Kägiswil gut, war dort früher auch Fluglehrer. Der 76-jährige Pilot des einmotorigen Piper-Propellerflugzeuges rechnete an jenem Nachmittag wohl nicht mit Problemen, als er von Norden her kommend in einer 180-Grad-Kurve nach links abdrehte und zur Landung auf dem Flugplatz Kägiswil ansetzen wollte.

Doch plötzlich erblickte er zu seinem Schrecken ein Flugzeug, das sich von rechts gefährlich näherte. Das einmotorige Propeller-Leichtflugzeug der Segelfluggruppe Obwalden hatte nach einem Schleppflug in den östlichen Gegenanflug eingebogen und anschliessend in einer kontinuierlichen 180-Grad-Kurve in den Endanflug eingedreht.

Der Pilot wurde von der Sonne geblendet

Der Piper-Pilot startete durch und landete schliesslich nach einer weiteren Platzrunde in Kägiswil, wie die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) in ihrem Bericht schreibt, der unserer Zeitung vorliegt. Mit einem Abstand von nur 50 Metern zwischen den Flugzeugen stuft die Untersuchungsstelle diesen Vorfall als schwer ein (Fastkollision).

Der Pilot des Schleppfliegers sah das Flugzeug nicht und erfuhr erst danach von der gefährlichen Annäherung. Der 34-jährige Schlepppilot gab an, dass es während der Kurve in den Endanflug von der tiefstehenden Sonne im Westen geblendet gewesen sei und die schneebedeckten Berghänge im Hintergrund nur wenig Kontrast zum weissen Flugzeug geboten hätten.

Der Flugplatz Kägiswil hat keinen Tower, von dem der Flugverkehr überwacht wird. Dies übernimmt der Militärflugplatz Alpnach, wenn dort Flugbetrieb herrscht. Am 4. März dieses ­Jahres, einem Sonntag, war dies nicht der Fall. Die Piloten gaben Position, Flughöhe und Absicht ihres Fluges über eine allgemeine Funkfrequenz an, das heisst, sie übermittelten sogenannte Blindmeldungen. Doch die Funksprüche des Piper-Piloten waren durch starke Hintergrundgeräusche des Motors gestört und deshalb relativ schwer verständlich, wie die Sust weiter schreibt.

Ein Kollisionswarngerät hätte die Piloten möglicherweise auf die gefährliche Annäherung aufmerksam gemacht, kommt die Sust zum Schluss. Ein solches war nur beim Schleppflugzeug eingebaut.

«Restrisiko bleibt in der Fliegerei immer»

Peter Steinmann, Obmann der Segelfluggruppe Obwalden, spricht von einer Verkettung von unglücklichen Umständen. «Der Pilot des Schleppflugzeuges wurde geblendet, der Piper-Pilot hatte eingeschränkte Sicht nach rechts und hörte die Funksprüche nicht. Eine solche aussergewöhnliche Situation lässt sich eben nicht ganz vermeiden. Ein Restrisiko bleibt in der Fliegerei immer.»

Ein solcher Vorfall, auch wenn er sehr selten vorkäme, verschwinde nicht einfach in der Schublade. «Wir versuchen daraus Lehren zu ziehen und die ­Erkenntnisse in die Ausbildung einfliessen zu lassen», so Peter Steinmann. «Das Allerwichtigste für Piloten beim Landeanflug ist das Hinausschauen, um eine Gefahr möglichst rasch zu erkennen, gerade in Fällen, in denen der Funkverkehr nicht einwandfrei funktioniert. Ein Pilot muss immer mit dem Unerwarteten rechnen.»

Auch Jost Vogler, Flugfeld­leiter des Flugplatzes Kägiswil, spricht von einem absoluten Einzelfall. «Die übrigen rund 60 000 Anflüge in den vergangenen zehn Jahren verliefen ohne Zwischenfälle.» Das bestehende Anflugprozedere mit Blindmeldungen, wie dies bei kleinen Flugplätzen ohne Tower üblich sei, werde darum nicht verändert.

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