OB-/NIDWALDEN: 120'000 Kilometer für die Gesundheit

Für den Arbeitsweg vom Auto aufs Velo umsatteln – seit Anfang Mai läuft wieder die Aktion Bike to work. Über 120 000 Kilometer werden allein die Teilnehmer in Ob- und Nidwalden abstrampeln – und etwas für die Gesundheit tun.

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Christian Amrhein von der Trigonet fährt auch ausserhalb der laufenden Aktion mit dem Velo von Dallenwil nach Stans zur Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 7. Juni 2017))

Christian Amrhein von der Trigonet fährt auch ausserhalb der laufenden Aktion mit dem Velo von Dallenwil nach Stans zur Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann (Stans, 7. Juni 2017))

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@nidwaldnerzeitung.ch

Der Erfolg der Aktion Bike to work hält an. Im Mai und Juni dieses Jahres steigen schweizweit wieder 55 000 Personen für den Arbeitsweg aufs Velo um. Auch in Ob- und Nidwalden schreibt man dieses Jahr einen Rekord. 739 Mitarbeiter (369 NW, 370 OW) von 26 Firmen haben sich angemeldet. Dabei sind unter anderem die beiden Kantonsspitäler und Kantonalbanken, die Obwaldner Kantonsverwaltung, die Gemeinden Alpnach, Kerns, Sachseln, Sarnen, Stans und Stansstad, Bio-Familia, das Elektrizitätswerk Obwalden oder die Stiftungen Weidli und Rüti­mattli, um nur einige zu nennen. Thomas Beck, Co-Präsident von Pro Velo Unterwalden, hat aufgrund der letztjährigen Zahlen ausgerechnet, dass heuer in den beiden Kantonen von den Teilnehmern rund 120 Kilometer im Rahmen der Aktion zurückgelegt werden. Durchschnittlich ergibt sich eine tägliche Streckenleistung von rund 3,6 Kilometern pro Teilnehmer.

Doch bei der Aktion, die von Pro Velo Schweiz organisiert wird, geht es nicht nur um den simplen Verzicht aufs Auto. Die Aktion hat auch ein wenig Wettkampfcharakter. Die Teilnehmer bilden Viererteams und fahren an möglichst vielen Tagen mit dem Velo zur Arbeit. Wer an mindestens der Hälfte seiner Arbeits­tage das Velo eingesetzt hat, nimmt an einer Verlosung teil, an der es Preise im Wert von über 110 000 Franken zu gewinnen gibt.

Mundpropaganda wichtig

«Gesundheit wird in der Bevölkerung und in vielen Betrieben grossgeschrieben», erklärt sich Thomas Beck den anhaltenden Erfolg. Vom Banker bis zum Mitarbeiter in der Werkstatt, von kurzen Arbeitswegen bis zu längeren Strecken, alles sei an der Aktion vertreten. «Die Rückmeldungen zeigen, dass sich viele Leute nach der Teilnahme fitter fühlen. Man hat das Gefühl, gesünder zu leben», sagt Beck, der mit gutem Vorbild vorangeht und selber täglich von Büren nach Stans zur Arbeit pedalt.

Er ist überzeugt, dass die Mundpropaganda eine wichtige Rolle spielt, dass jedes Jahr mehr Leute mitmachen. Dies bestätigt Roger Langensand, Mitarbeiter der Firma Autospritzwerk André Kiser in Kägiswil, die dieses Jahr erstmals mitmacht. Er habe von seiner Frau und seiner Schwester, die ebenfalls beide in ihren Betrieben mitmachen, von der Aktion gehört und sich dann näher damit befasst. «Ich konnte schnell drei Arbeitskollegen überzeugen.» Und mittlerweile ist mehr als die Hälfte der Belegschaft mit viel Spass und Begeisterung dabei. Es sei natürlich eine Umstellung, die Bequemlichkeit des Autos mit dem Velo zu tauschen. «Aber alle bestätigen, dass sie gelassener und wacher sind, wenn sie am Arbeitsplatz ankommen. Kürzlich habe ich am Morgen gestoppt und ein Foto vom Sonnenaufgang gemacht – es gibt auch solche kleinen Details, die man nicht erlebt, wenn man im Auto unterwegs ist», erzählt ­Langensand.

Unternehmen wollen fitte und zufriedene Mitarbeiter

Ebenfalls regelmässig in die Pedalen steigen seit Anfang Mai 25 Mitarbeiter der Stanser Firma Trigonet. Einer davon ist Geoinformatiker Christian Amrhein, der von Dallenwil nach Stans fährt. «Unser Team hat bis jetzt rund 80 Prozent des Arbeitswegs mit dem Velo gemacht, über 1000 Kilometer haben wir schon zurückgelegt.» Amrhein ist aber kein Umsteiger, er fährt auch sonst mit dem Velo zur Arbeit. «Es ist die Kombination von Arbeitsweg und sportlicher Betätigung, die mir passt. Andere gehen am Abend noch ins Fitnessstudio, ich habe den Sport dann schon hinter mir.» Interessant ist für ihn, bei der Aktion zu sehen, wie viele Kilometer er tatsächlich zurücklege. «Das gibt bezüglich Gesundheit schon ein gutes Gefühl.» Im Übrigen sei es schon so, dass Kollegen, die sonst mit dem Auto kämen, bestätigen, dass sie gelassener am Arbeitsplatz eintreffen.

Auch bei der Zentralbahn sind heuer erstmals über 50 Mitarbeiter bei «Bike to work» dabei. Im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements BGM führe man jedes Jahr einen sportlichen Event durch, mit dem man die Leute zu Sport und zur Bewegung animieren wolle, sagt Raphael Weltert, stellvertretender Personalchef und Leiter des Gesundheitsmanagements. Man sei sehr erfreut, wie viele Mitarbeiter sich angemeldet hätten. Es seien mehr als bei anderen Sportanlässen der Firma. «Wenn weitere Mitarbeiter Freude an der Bewegung bekommen und vielleicht dabei bleiben, ist viel gewonnen. Auch das Unternehmen profitiert, wenn die Leute fit und zufrieden sind.» Es sei sehr wahrscheinlich, dass man auch nächstes Jahr wieder dabei sei, meint Raphael Weltert.