OB-/NIDWALDEN: Bauern werben für Verständnis

Heubläser sind praktisch – aber auch laut. Das ist den Bauern bewusst. Sie versuchen soweit möglich Rücksicht auf die Bevölkerung zu nehmen.

Matthias Piazza
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Heubläser sollen wegen des Lärms wenn möglich nur an Werktagen eingesetzt werden. (Bild Philipp Schmidli)

Heubläser sollen wegen des Lärms wenn möglich nur an Werktagen eingesetzt werden. (Bild Philipp Schmidli)

Heubläser – für die Bauern eine Arbeitserleichterung, für viele eine Lärmbelästigung. So gab es besonders im vergangenen Jahr viele Beschwerden, als die Landwirte aufgrund des unbeständigen Wetters jeden schönen Tag für die Ernte nutzen mussten und darum auch vermehrt an den Wochenenden, wenn die übrige Bevölkerung ihre Ruhe geniessen wollte, arbeiteten, schreibt der Nidwaldner Bauernverband in einer Mitteilung.

Schneller und effizienter

«Heubläser sind eine massive Arbeitserleichterung», hält Hansueli Keiser fest. Der Präsident des Nidwaldner Bauernverbands bewirtschaftet auf Unterlauelen im hinteren Teil des Eigenthals auf Nidwaldner Boden einen rund 30 Hektaren grossen Betrieb. Wegen des steilen Geländes kann er zum Heuen keinen Traktor einsetzen. «Wofür es früher mit Heugabeln drei Personen brauchte, genügt heute dank des Heubläsers eine Person – die die Arbeit in derselben Zeit verrichtet», sagt er. Mit dem Heubläser wird das geschnittene Gras einerseits gelockert, damit es schneller trocknet, und später stufenweise ins Tal geblasen und «eingesammelt». Er selber arbeitet seit der Hofübernahme 2007 mit dem Gerät. Wenn sich genug Helfer zum Heuen finden, komme es aber auch vor, dass man den Heubläser auf der Seite lasse und wie früher zur Gabel greife, «damit wir uns unterhalten können». Doch oft könne man wegen des Wetters nicht bis am Wochenende warten, sondern müsse sofort beginnen – ohne zusätzliche Hilfe.

So laut wie eine Motorsäge

Die Lärmproblematik sei ihm dabei durchaus bewusst. Seiner Einschätzung nach ist das Gerät etwa so laut wie eine Motorsäge. «Ich versuche darum, den Einsatz auf ein absolutes Minimum zu beschränken, zum Beispiel über Mittag nicht damit zu arbeiten», hält er fest. Er heue zwei- bis dreimal pro Jahr – in der Regel von 11 bis 12 und 13 bis 17 Uhr. Bisher habe sich noch kein Gast des benachbarten Restaurants beschwert.

Im Nidwaldner Bauernverband sei der Umgang mit Heubläsern sehr wohl ein Thema. «Uns ist auch bewusst, dass der Heubläser ein Problem ist, vergleichbar mit dem Güllen, das die Leute auch nicht schätzen. Darum versuchen wir, die Bauern zu sensibilisieren, raten ihnen, den Einsatz des Heubläsers auf ein absolutes Minimum zu beschränken und über Mittag darauf zu verzichten. Denn es bringt niemandem etwas, einen Konflikt heraufzubeschwören.»

Dass die Heubläser in den vergangenen Jahren stark aufgekommen sind, bestätigt auch Walter Furrer, Präsident des Obwaldner Bauernverbandes. «Mit dem Heubläser lassen sich Arbeiten effizienter durchführen. Das ist wichtig, da immer weniger Leute in der Landwirtschaft arbeiten.» Der Einsatz dieser Geräte führe immer wieder zur Reklamationen – besonders in der Nähe von Siedlungen. «Wir rufen darum unsere Bauern immer wieder zur Rücksichtnahme auf. So sollten sie insbesondere über die Mittagszeit auf Heubläser verzichten.» Leider sei es hingegen wegen des Wetters nicht immer möglich, diese lauten Arbeiten unter der Woche zu verrichten. So sei es manchmal unumgänglich, den Heubläser am Wochenende einzusetzen. Er wünschte sich von den Herstellern, dass diese leisere Geräte auf den Markt bringen.

Heuwetter ist schönes Wetter

«Wir erhalten gelegentlich Hinweise, dass sich Leute durch den Einsatz von Heubläsern belästigt fühlen», sagt Andreas Egli, Leiter des Nidwaldner Landwirtschaftsamtes, auf Anfrage. «Wir sensibilisieren die Landwirte und den Bauernverband zu diesem Thema – mit Erfolg, wie uns scheint.» Ein gewisses Konfliktpotenzial sei aber immer vorhanden. «Heuwetter ist schönes Wetter, und dann halten sich die Leute gerne draussen auf», hält Andreas Egli fest. Zuversichtlich stimmt ihn die technische Entwicklung – hin zu leiseren Geräten.

«Die Geräte sind laut, aber für die Bauern eine Erleichterung», meint Martin Amgarten, im Amt für Landwirtschaft Obwalden für die Beratung zuständig. «Umso wichtiger ist, dass die Landwirte auf die Bevölkerung Rücksicht nehmen und den Heubläser nicht zur Unzeit einsetzen.» Reklamationen wegen Heubläsern seien ihm bis jetzt nur wenige bekannt.

Matthias Piazza