Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

OB-/NIDWALDEN: Der Wolf ist im Tal angekommen

Die Polizisten staunten nicht schlecht, als sie im Kernwald plötzlich einen Wolf sahen. Vermutlich ist es jenes Tier, das im August im Melchtal zehn Schafe riss. Die Schafbauern sollten ihre Tiere nun gut einzäunen, rät der Experte.
Auf der Suche nach Nahrung und einer Partnerin: der gesichtete Wolf im Kernwald. (Bild: PD)

Auf der Suche nach Nahrung und einer Partnerin: der gesichtete Wolf im Kernwald. (Bild: PD)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Im Kernwald wurde ein Wolf gesichtet. Dies bestätigt der Obwaldner Jagdverwalter Cyrill Kesseli auf Anfrage. Eine Patrouille der Nidwaldner Kantonspolizei hat das Tier zufälligerweise in der Nacht vom 15. auf den 16. Oktober auf Obwaldner Boden angetroffen und aus wenigen Metern Entfernung von der Strasse aus fotografiert. «Aufgrund der Aufnahmen müssen wir davon ausgehen, dass es ein Wolf war», so Kesseli.

Der Wolf ist wohl ein alter Bekannter: «Es ist wahrscheinlich, dass es sich um M74 handelt, der bereits im Sommer im Raum Melchsee-Frutt gesichtet wurde», sagt Kesseli. Im August riss er zehn Schafe (siehe Kasten). Dass M74 jetzt ins Tal abgestiegen ist, sei kein ungewöhnliches Verhalten, erklärt der Jagdverwalter: «M74 ist ein junges männliches Einzeltier. Er durchstreift ein grösseres Gebiet auf der Suche nach Nahrung und einer Partnerin.»

Die Bedrohungslage verändere sich dadurch, sagt Bruno Abächerli, Leiter des Obwaldner Amts für Landwirtschaft und Umwelt. «Der Wolf ist nun nahe an den Siedlungen und könnte im schlimmsten Fall auch in Heimbetrieben Schafe reissen.» Seit vergangener Woche wurde das nachtaktive Tier nicht mehr gesichtet. Die Bauern sind über die Gefahr informiert. «Am Morgen nach der Wolfssichtung lösten die zuständigen Ob- und Nidwaldner Ämter per SMS Wolfsalarm an die Schaf- und Geissenhalter aus», sagt Kesseli.

Der kantonale Herdenschutzbeauftragte Tony Aufdermauer hat noch keine Rückmeldungen von besorgten Bauern erhalten, wie er auf Anfrage sagt. Er empfiehlt, die Tiere gut einzuzäunen. «Ein effizienter Schutzzaun ist gut gespannt und elektrifiziert. Er besteht aus vier bis fünf Drähten, der tiefste rund 15 bis 20 Zentimeter, der höchste mindestens 1,05 Meter über dem Boden.» Auch Kesseli rät, Schafe und Ziegen abends in den Stall zu bringen oder in wolfssichere Gehege zu treiben. «Es reicht nicht, sie ungeschützt nahe beim Haus zu behalten. Der Wolf bewegt sich während der Nacht und bei Ruhe bis nahe ans Siedlungsgebiet oder an Einzelgebäude heran.» Mit der Sensibilisierung der Bauern hoffe man, weitere Risse zu vermeiden.

Simon Niederberger, Präsident des Obwaldner Bauernverbands, hält den Herdenschutz für machbar, aber aufwendig. «Gerade jetzt im Herbst, wo noch vielerorts Schafe draussen weiden, ist der Wolf im Tal für die Landwirtschaft sicher nicht positiv.»

Wir passen nicht in das Beuteschema des Wolfs

Der Kernwald ist ein beliebtes Naherholungsgebiet mit Erlebnisparcours, Feuerstellen und diversen Waldwegen. Muss nun Angst vor dem Wolf haben, wer im Kernwald unterwegs ist? Kesseli verneint: «Der Wolf ist sehr menschenscheu, das ist eine Überlebensstrategie. Wir passen nicht in sein Beuteschema.» Es sei unwahrscheinlich, dass Waldbesucher ihn zu Gesicht bekämen. Falls doch, rät Kesseli, ruhig stehen zu bleiben «und den Anblick zu geniessen – er wird sich innert Kürze aus dem Staub machen».

Ob der aus Italien stammende Wolf in Obwalden bleibt, sei nicht klar, sagt der Jagdverwalter. «Es kann sein, dass er das Gebiet wieder verlässt. Ein Wolf gilt dann als standorttreu, wenn er mindestens zwölf Monate im gleichen Revier lebt. Das ist bei M74 noch nicht der Fall.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.