OB-/NIDWALDEN: «Leute hören zu oft den Wetterbericht»

Die Bilanz der Berghütten über den zu Ende gehenden Winter fällt durchzogen aus. Schuld daran ist nicht nur die Frankenstärke.

Matthias Piazza
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Die Rugghubelhütte verzeichnete im vergangenen Sommer erfreuliche Frequenzen. (Bild: PD)

Die Rugghubelhütte verzeichnete im vergangenen Sommer erfreuliche Frequenzen. (Bild: PD)

Matthias Piazza

Erst erlebte Agnes Schleiss, Hüttenwartin der Brunnihütte, einen Super-Sommer. Dieser kam wie gerufen. Schliesslich sei der Sommer zuvor einer der schlechtesten seit langem gewesen. Durchzogener fällt hingegen die Bilanz des Winters aus. «Schlechte Wetterprognosen halten die Leute von einem Besuch ab, was schade ist. Denn oft treffen die Prognosen nicht zu. Der Föhn hält den Regen ab.» Doch man sei kulant und akzeptiere auch kurzfristige Abmeldungen.

Rund ein Viertel des Umsatzes stammt aus Übernachtungen, der Rest aus dem Tagestourismus. Etwa zwei Drittel der Übernachtungsgäste kommen aus Deutschland. Der teure Franken hinterlässt seine Spuren. «Wir spüren die Aufhebung des Mindesteurokurses extrem. Viele Winterübernachtungsgäste aus dem Euroraum bleiben aus.» Mit möglichst viel Flexibilität will sie die Gäste bei Laune halten. So kann man auch online buchen und auch kurzfristig zu- oder absagen. Zuversichtlich stimmen sie die vielen Buchungen für den Frühling.

Zu heiss zum Wandern

Nicht so rosig fällt die Bilanz des vergangenen Sommers im Brisenhaus aus. Grund war vor allem das heisse Wetter. «Die Leute hatten keine Lust auf eine halbstündige Autofahrt zur Bergbahn und aufs Wandern bei grosser Hitze», erzählt Hüttenwart Sepp Hurschler. Denn die Hitze habe auch vor dem Wandergebiet rund um das Brisenhaus auf rund 1750 Höhenmetern nicht Halt gemacht. «Die Wanderer litten unter diesem Hitzesommer, wie sie mir berichteten.» Besser waren die Zahlen dafür im schönen Herbst, der Wanderhauptsaison.

«Als nicht so schlecht», bezeichnet Hurschler den zu Ende gehenden Winter. Dann unternehmen viele Tagestouristen Skitouren und Schneeschuhwanderungen von Niederrickenbach zum Brisenhaus. Oft machten ihm falsche Wetterprognosen einen Strich durch die Rechnung. «Ein Viertel sagt wieder ab, weil schlechtes Wetter erwartet wird, was häufig nicht zutrifft. Die Leute hören zu oft auf den Wetterbericht und sagen kurzfristig wieder ab. Das Phänomen hat in letzter Zeit zugenommen.»

Starker September und Oktober

Zufrieden mit der vergangenen Saison auf der Rugghubelhütte hoch über Engelberg ist Hüttenchef Noldy Barmettler. «Trotz oder gerade wegen des sehr warmen Sommers konnten die Übernachtungszahlen ein weiteres Mal gesteigert werden. Wir haben festgestellt, dass Schlechtwetterphasen einen momentanen Umsatzverlust generieren, dieser dann aber meist bis Ende Saison wieder wettgemacht werden kann.» Man sei immer wieder erstaunt, was in den Monaten September und Oktober noch gutgemacht werden könne, wenn das Wetter passt. «Da unsere Hütte nicht im Hochgebirge liegt, ist sie im Herbst ein beliebtes Wanderziel für Vereine und Familien.»

Der eher schlecht zu Ende gehende Winter fällt auf der Rugghubelhütte weniger ins Gewicht, da diese im Winter nur an den Wochenenden offen ist und von den jährlich 3200 Übernachtungen nur etwa 400 auf diese Jahreszeit entfallen. Auch den starken Franken habe man wenig gespürt, da der Anteil der ausländischen Touristen nur bei etwa 15 Prozent liege.

Eine grandiose erste Saison nach dem Umbau legte das Berghaus auf dem Jochpass hin. Hüttenwart und Gastgeber Erwin Gabriel macht drei Gründe dafür verantwortlich: «Das schöne Wetter, die Raiffeisen-Aktion und die umgebauten neuen, schönen Zimmer lockten viele Gäste an.» Die Zahlen des Sommers 2015 liegen rund 20 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Weniger zufrieden ist Erwin Gabriel mit dem laufenden Winter. «Er hat zwar gut angefangen, aber die Weihnachtstage waren viel zu warm. So fehlten die Tagesgäste.» Nicht optimal verlief es auch im Januar und Februar wegen des häufig schlechten Wetters an den Wochenenden. «Es war sehr schwierig zum Planen.»

Ein Prozent mehr Übernachtungen

Gesamtschweizerisch wurden 2015 in den SAC-Hütten rund 304 000 Übernachtungen registriert, knapp ein Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Schweizer Alpen-Club (SAC) in einer Medienmitteilung schreibt. Ausschlaggebend für das durchschnittliche Ergebnis waren die Wetterkapriolen und der starke Franken, heisst es. So hätten stürmische Verhältnisse Ende März mehr Annullationen als Ankünfte über Ostern 2015 beschert, und auch danach hätten instabile Verhältnisse ein wesentlich besseres Winterergebnis verhindert. Viele Hütten bekamen die Auswirkungen des starken Frankens zu spüren. So betrugen die Rückgänge in einzelnen Hütten von Gästen aus dem EU-Raum – und hier vornehmlich aus Deutschland – bis zu 50 Prozent.