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OB-/NIDWALDEN: Peter Christen hat den Bären in Engelberg aus der Nähe erlebt

Eine Begegnung der besonderen Art: Peter Christen sah den Bären M29 auf der Gerschnialp aus nächster Nähe. Inzwischen ist das Tier in Nidwalden angekommen. Es werde am besten in Ruhe gelassen, sagen die Behörden.
Franziska Herger
Der Braunbär durchstreift die Gerschnialp in Engelberg. (Bild: PD)

Der Braunbär durchstreift die Gerschnialp in Engelberg. (Bild: PD)

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

Peter Christen ist am Montagmorgen einem Bären in freier Wildbahn so nahe gekommen wie wohl nur wenige in der Schweiz. Trotzdem habe er gut geschlafen, sagt der Mitarbeiter beim Gerschnialp-Skilift oberhalb von Engelberg. «Der Bär war etwa 100 Meter von uns entfernt und blieb auf Distanz. Ich hatte keine Angst, wohl eher er vor uns», erzählt der 36-jährige von seinem Erlebnis.

Er sei mit einem Kollegen auf der Gerschnialp beim Anfängerlift mit dem Einsammeln von Pistenstangen beschäftigt gewesen, als der Bär aus dem Wald kam, fährt Christen fort. «Er lief quer über die Piste und wieder in den Wald hinein. Wir blieben ganz ruhig und beobachteten ihn.» Der Bär sei eher von ihnen weggelaufen, erzählt er weiter. «Der Motor der Pistenmaschine lief noch.» Peter Christen arbeitet seit sieben Wintern beim Gerschnialp­lift. Die Bärensichtung werde ihm noch lange in Erinnerung bleiben, sagt er. «Mein Umfeld und die Kollegen wollten es zuerst gar nicht glauben, alle dachten, ich scherze.»

Beim Bären handelt es sich mit grosser Wahrscheinlichkeit um M29, der letztes Jahr in Bern und Uri gesichtet wurde und nun vom Raum Sustenpass nach Engelberg gezogen ist. Nachdem sich seine Spur am Montag wieder verloren hatte, befindet sich der Bär inzwischen auf der anderen Talseite auf Nidwaldner Boden, sagt Fabian Bieri, Leiter Jagd und Fischerei des Kantons Nidwalden. Ein Wildhüter habe seine Spuren am Dienstagmorgen zufällig im Gebiet Ober Arni/Juchligraben entdeckt. «Das heisst, der Bär könnte wieder nach Obwalden ins Melchtal unterwegs sein. Es ist aber auch gut möglich, dass er Richtung Engstlensee im Kanton Bern steuert.»

M29 ist grösstenteils Vegetarier

Man gehe davon aus, dass M29 in einer Höhle im Raum Susten Winterschlaf gehalten habe. «Jetzt nach dem Aufwachen ist er hauptsächlich auf Nahrungssuche», erklärt Bieri. Paarungszeit sei dagegen erst im Mai bis Juni. «Ein Weibchen sucht M29 daher momentan wohl noch nicht.» Ob der in Italien geborene Bär in der Schweiz bleibe, sei nicht sicher. «Braunbärenmännchen haben ein Streifgebiet von 130 bis 1600 Quadratkilometern und können sich auch mehrere Dutzend Kilometer am Tag fortbewegen.»

M29 wurde vermutlich im Winter 2013 geboren und wanderte im April 2016 in die Schweiz ein. Seither richtete er mit Ausnahme eines Einbruchs in ein Bienenhaus im Kanton Uri vor einem Jahr keinen Schaden an. Der Bär bedeute kaum eine Gefahr für Nutztiere und Menschen, erklärt Fabian Bieri. «Bären ernähren sich zu drei Vierteln pflanzlich, also etwa von Blättern, Nüssen und Beeren. Daneben essen sie Insekten und auch gerne Aas.» Der Jagdverantwortliche hält es für möglich, dass M29 einer Aas-Geruchsspur folge. «Tiere, die im Winter verendet sind, bleiben im Schnee wie in einer Gefriertruhe aufbewahrt. Für den Bären ein gefundenes Fressen.»

Jagdverwalter rät davon ab, auf Bärensuche zu gehen

Bären seien nur dann für Menschen gefährlich, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlten, oder wenn eine Bärin ihre Jungen beschützen wolle, so Fabian Bieri. «Wer jetzt wandern geht, muss sich kaum fürchten. Der Bär hört und riecht uns, lange bevor wir ihn sehen.»

Sogenannte «Problembären», die sich den Menschen zu stark nähern und je nach Gefährdung zum Abschuss freigegeben werden können, entstünden vor allem durch zu viel Kontakt mit Menschen. Daher werde man M29 nicht weiterverfolgen, sagt Bieri. «Und ich würde auch der Bevölkerung nicht raten, sich auf Bärensuche zu begeben. Erstens herrscht Lawinengefahr, und zweitens lässt man einen Bären am besten in Ruhe.»

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