OB-/NIDWALDEN: Schlechter Winter macht erfinderisch

Der Start in die Saison war harzig. Mit unkonventionellen Lösungen halten die Bergbahnen die Wintersportgäste bei der Stange.

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Fahrt mit dem Balmeregg- Skilift auf Melchsee-Frutt. (Bild Markus von Rotz)

Fahrt mit dem Balmeregg- Skilift auf Melchsee-Frutt. (Bild Markus von Rotz)

Matthias Piazza

Nichts vom schneearmen Winter spürten die Sportbahnen Melchsee-Frutt. Im Gegenteil: «Viele Schneesportler wichen auf die Frutt aus, weil in ihrem Skigebiet der Schnee fehlte, so etwa im benachbarten Meiringen-Hasliberg», erzählt Daniel Dommann, interimistischer Geschäftsführer. «Sie trafen seit Anfang Saison zwar nicht auf hervorragende, aber immerhin auf gute Pistenverhältnisse und genug Schnee.» Auch das wichtige Weihnachts-/Neujahrsgeschäft sei gut gelaufen. Nach dem gestrigen Schneefall beträgt die Schneehöhe auf der Frutt 130 Zentimeter. Über alles gesehen rechnet Daniel Dommann mit einer guten Wintersaison 2015/16.

Vom zweitbesten Dezember in der Gastronomie überhaupt spricht Sepp Odermatt, Geschäftsführer der Bergbahnen Beckenried-Emmetten AG. Und dies trotz Schneemangel zu Beginn der Saison. «Dank unserer Schneeflocken-Aktion mit deutlich reduzierten Tarifen konnten wir die Leute trotzdem auf die Klewenalp locken. Viele entflohen dem Nebel und genossen bei uns im Liegestuhl die Sonne.»

Nach den jüngsten Schneefällen von Anfang Jahr könne man von einem guten Pistenzustand sprechen. In den oberen Pistenbereichen beträgt die Schneehöhe rund einen halben Meter. Die Hoffnungen setzt Sepp Odermatt nun auf den wichtigen Februar mit Fasnachts- und Sportferien.

Die Hoffnung aufs Wochenende

Hanny Odermatt, Geschäftsführerin der Luftseilbahn Dallenwil–Wirzweli, blickt hoffnungsvoll dem Wochenende entgegen. «Schneit es wie angekündigt, können wir endlich die Pisten öffnen.» Denn wegen Schneemangels konnten die fünf Skipisten und die Schlittelpiste diesen Winter noch gar nicht in Betrieb genommen werden. «Die verlorenen Einnahmen in der wichtigen Zeit über Weihnachten/Neujahr können wir nicht mehr einholen», bedauert sie.

Um den Frust der Saisonkartenbesitzer wenigstens etwas zu lindern, wurde die Rodelbahn in Betrieb genommen. Das Alternativangebot sei auf mässiges Interesse gestossen. «Und nur zum Spazieren kommen die Leute auch nicht aufs Wirzweli, wenn auch im Tal die Sonne scheint», hält sie fest. Auch Studenten und Landwirte, die auf Abruf Pisten präparieren oder Skilifte bedienen würden, hätten das Nachsehen. «Ihnen fehlen Einnahmen, doch sie zeigen Verständnis. Wir suchen gemeinsam nach einer Lösung.»

Mörlialp-Abo auf Frutt gültig

«Wir hoffen, dass wir nach dem misslungenen Saisonstart und dem schlechten Weihnachtsgeschäft Boden gut­machen können», sagt André Strasser, Verwaltungsratspräsident der Skilifte Mörlialp AG. Für das Personal hat er für Dezember Kurzarbeit beantragt.

Halb so schlimm waren die schlechten Pistenverhältnisse für die Gäste. Mit einer Wochenkarte durften sie aufs benachbarte Skigebiet Melchsee-Frutt ausweichen, ohne dass die Sportbahnen von den Mörlialp-Bahnen etwas dafür verlangen. Saisonkartenbesitzer profitierten auf der Frutt von 50 Prozent Ermässigung. «Wir schätzen diese Zusammenarbeit sehr.» Angst, dass Skifahrer auf den Geschmack kommen und im nächsten Winter auf der Frutt Ski fahren, hat er nicht. «Wir sind wohl ein kleineres, dafür auch günstigeres Skigebiet und haben vor allem bei den Wochengästen ein anderes Zielpublikum. Die aktuelle Situation stimme ihn positiv: Zurzeit hats zwischen 30 und 35 Zentimeter Schnee. Sämtliche fünf Skipisten sind in Betrieb, sie befinden sich in einem guten Zustand. Doch Strasser bleibt realistisch. «Die Saison wird im besten Fall zufriedenstellend.»

Rodeln statt Ski fahren

«Wir sind bisher mit einem blauen Auge davongekommen», sagt Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg AG. «Statt Ski zu fahren, benutzten die Leute unsere Sommerrodelbahn, die wir ausserplanmässig in Betrieb nahmen, den Klettersteig, Wanderweg oder Spielplatz.» Die Zahlen des Dezembers lagen rund 6 Prozent über dem Fünfjahresschnitt und rund 60 Prozent über dem Vorjahr. Küng ist zuversichtlich, dass man die Pisten auf dem Brunni aufs Wochenende in Betrieb nehmen kann. Die Klostermatte und die Schlittelpiste sind bereits geöffnet.

Auch für die Titlis-Bahnen war der Start in die Wintersaison nicht ideal. «Im Dezember waren die Bedingungen nicht optimal. Steine kamen hervor», sagt Marketingleiter Peter Reinle. Nun seien die Pisten in einem guten Zustand – mit Schneehöhen von 55 Zentimetern auf Trübsee und 205 Zentimetern auf dem Titlis.