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OB-/NIDWALDEN: Sie öffnet Türen zurück in die Arbeitswelt

Ausgesteuert zu sein, ist keine ausweglose Situation. Seit bald 20 Jahren hilft die Kontaktstelle Arbeit OW/NW, den Anschluss an die Arbeitswelt wieder zu finden. Trotz tiefer Arbeitslosigkeit ist die Institution nötiger denn je.
Matthias Piazza
Andrea Mathiuet, Geschäftsstellenleiterin der Kontaktstelle Arbeit Obwalden/Nidwalden. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 9. August 2017))

Andrea Mathiuet, Geschäftsstellenleiterin der Kontaktstelle Arbeit Obwalden/Nidwalden. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 9. August 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Simon Christen hat wieder Tritt gefasst. Im vergangenen Jahr hat der 26-Jährige nach einem mehrjährigen Unterbruch seine Lehre als Koch wieder aufgenommen und im vergangenen Juli erfolgreich abgeschlossen. Den Lehrplatz erhielt er im Stanser Wohnheim Mettenweg, weil er dort im Jahr zuvor im Wiedereinstiegstraining als zusätzlicher Mitarbeiter in einem Nischeneinsatz tätig war. Den Weg dazu ebnete ihm die Kontaktstelle Arbeit Obwalden/Nidwalden in Sarnen. Die Institution, getragen von der Arbeitsstiftung Obwalden, versucht im Auftrag der Obwaldner Gemeinden, der Sozialämter Ob-/Nidwaldens sowie des Amts für Asyl und Flüchtlinge des Kantons Nidwalden Personen wieder in den Arbeitsmarkt zurückzuführen. Bei Simon Christen ist dies gelungen. «Die Leute der Kontaktstelle gingen sehr auf mich ein und unterstützten mich. Ich bekam wieder Lust am Kochen und schaffte so schliesslich den Lehrabschluss», zeigt sich der Hergiswiler dankbar.

Trotzdem: Braucht es diese Institution bei der tiefen Arbeitslosigkeit von 1,1 Prozent in Nidwalden und 1,0 Prozent in Obwalden (Stand 2016)? «Die Arbeitslosenstatistik sagt eben nur die halbe Wahrheit», stellt Andrea Mathiuet, Geschäftsstellenleiterin und Arbeitsintegrationsberaterin der Kontaktstelle Arbeit OW/NW, klar. «Nach zwei Jahren ist man ausgesteuert und erscheint in der Arbeitslosen­statistik nicht mehr.»

Oft ist eine fehlende Ausbildung das Problem

Andrea Mathiuet spricht von rund 70 bis 80 Personen, die in den Kantonen Ob- und Nidwalden jährlich ausgesteuert werden und beim Sozialamt landen. Die Gründe für eine Langzeitarbeitslosigkeit seien zahlreich. «Doch in rund 80 Prozent der Fälle ist eine fehlende Ausbildung das Problem. Auch heutzutage kommt es leider vor, dass Jugendliche die obligatorische Schule verlassen, ohne eine Lehre in Angriff zu nehmen.» Auch fehlende oder ungenügende Deutschkenntnisse würden immer mehr zum Handicap bei der Suche nach einer Stelle. Eine Lebens­krise wie Unfall oder Scheidung könnten weitere Gründe sein, um die Stelle zu verlieren.

Möglichst schnell wieder Tritt zu fassen, sei aus mehreren Gründen sinnvoll. «Je länger jemand vom Arbeitsmarkt weg ist, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg. Auch leidet das Selbstwertgefühl unter der Arbeitslosigkeit, da in unserer Gesellschaft die Arbeit einen hohen Stellenwert geniesst. Und ohne Lohn kann man sich auch keine Hobbys und gesellschaftliche Akti­vitäten leisten», erklärt Andrea Mathiuet. Ihre Klienten hätten oft eine Odyssee hinter sich mit Hunderten von Bewerbungen, ohne ein einziges Mal zu Bewerbungsgesprächen eingeladen worden zu sein.

Und genau hier setzt die Kontaktstelle Arbeit an. Sie macht die Leute wieder fit für den Arbeitsmarkt. «Am Anfang steht das Kennenlernen im Vordergrund, dabei forschen wir auch tief in der Biografie und finden vielleicht Gründe, warum es beruflich bisher nicht klappte.» So träte vielleicht zutage, dass während der Schule und der Lehre die Mutter immer fürs pünktliche Aufstehen des Sohnes besorgt war. Als er ­allein lebte, schaffte er es nicht mehr, pünktlich am Arbeitsplatz zu erscheinen.

Nicht immer klappt es sofort mit der Arbeitsstelle

Mit einer Standortbestimmung und einem Coaching, bei dem es auch um Bewerbungstechnik geht, soll der Klient wieder fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Bei der Vermittlung greift die Kontaktstelle auf ihr Netzwerk von Arbeitgebern zurück, das sie in ihren fast 20 Jahren aufgebaut hat. Nicht immer klappt es gleich mit einer Festanstellung. «Oft sind ein Praktikum, eine temporäre oder unbefristete Arbeit im Personalverleih unserer Stelle oder auch ein Nischeneinsatz wichtige Zwischenschritte auf dem Weg zu einer Fest­anstellung», erläutert Andrea Mathiuet. Sie spricht von einer Erfolgsgeschichte. «Die Hälfte der Leute, die unsere Hilfe in ­Anspruch nehmen, finden wieder den Weg zurück in den Arbeitsmarkt und in die finanzielle ­Unabhängigkeit. 2016 waren es 44 Personen.»

Fälle sind komplexer geworden

Die hohe Arbeitslosigkeit mit Entlassungswellen und vielen Aussteuerungen waren 1998 der Auslöser, die Kontaktstelle Arbeit ins Leben zu rufen. «Obwalden beging damals eine Pioniertat. Heute gibt es einzelne vergleichbare Institutionen in anderen Kantonen.» Doch auch in Zeiten von Vollbeschäftigung und prosperierender Wirtschaft brauche es die Institution – mehr denn je. «Die Situationen sind komplexer geworden. Oft bringt jemand mehrere Probleme mit.»

Ein Problem ist in jüngerer Zeit dazugekommen. «Immer mehr Firmen nehmen die Bewerbungen nur noch online entgegen. Das ist für viele unserer Klienten ohne Internet eine hohe Hürde und reduziert ihre Erfolgschancen. Die Lösung dafür ist leider noch nicht in Sicht», so Mathiuet.

Hinweis

Internet: www.kontaktstellearbeit-ownw.ch

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