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OB-/NIDWALDEN: Süsser die Glocken nie klingen – oder?

Kirchenglocken, die spätnachts oder frühmorgens läuten, lösen Kontroversen aus. In einigen Orten hat man auf Reklamationen reagiert.
Oliver Mattmann
Von Touristen kritisiert: Das Glockenläuten der Kirche Alpnach in den Morgenstunden. (Bild Robert Hess)

Von Touristen kritisiert: Das Glockenläuten der Kirche Alpnach in den Morgenstunden. (Bild Robert Hess)

Immer wieder geben Kirchenglocken zu reden: Müssen diese auch nachts jede volle Stunde schlagen? Reicht es nicht, wenn sie ab 7 Uhr läuten, muss es schon um 5 Uhr sein? Könnte nicht ein Klöppel eingebaut werden, mit dem die Lautstärke gedämpft wird? Die Diskussion kürzlich angeheizt hat ein Leserbrief in unserer Zeitung. Darin beschwerten sich zwei Touristen aus der Westschweiz über das Glockengeläut in Alpnach. «Die Glocken läuten jede Stunde zweimal Tag und Nacht. Dazu mit allen Kräften um 5 und 6 Uhr morgens. Vielleicht wäre es an der Zeit, diesen altertümlichen Brauch fallen zu lassen – dem Tourismus zuliebe», schrieben sie unter anderem. Prompt folgte die Retourkutsche von einheimischen Leserbriefschreibern. «Brauchtum ist Brauchtum, und unsere Kirche läutet sicher weiter, da es eine Minderheit stört», hiess es zum Beispiel.

Ein «zweistündiges» Anliegen

Eine Umfrage in einigen Pfarreien und Gemeinden in Obwalden und Nidwalden hat ergeben: Die Handhabung, über welche Zeitspanne die Glocken läuten, ist unterschiedlich. Eine grundsätzliche Weisung existiert nicht. Von vielen wird bestätigt, dass die Kirchenglocken in unregelmässigen Abständen Reaktionen auslösen. In Stansstad etwa begann die Kirche vor einigen Jahren noch um 5 Uhr zu läuten. Als aus der Nachbarschaft das Anliegen wuchs, einen späteren Zeitpunkt zu wählen, stellte man ohne grosse Diskussionen auf 7 Uhr um. Schliesslich sei die Kirche von Wohnquartieren umgeben, heisst es seitens der Pfarrei Stansstad. In diesem Punkt scheiden sich teils die Geister. So herrscht oftmals die Meinung, dass die Kirche lange vor den Siedlungen stand und sich alleine deswegen Beanstandungen gegen das Geläut erübrigen.

Mit Klage gegen Pfarrei gedroht

Von einem krassen Beispiel aus seinem Dorf weiss der ehemalige Kernser Pfarrer Karl Imfeld zu erzählen. Dieses liegt schon ein paar Jahrzehnte zurück, hat aber von seiner Brisanz nichts eingebüsst. So kündigte damals eine holländische Reiseagentur eine Schadenersatzklage an, weil ihre asiatischen Gäste – in einem Hotel unweit der Kirche untergebracht – wegen des nächtlichen Gebimmels offenbar nicht schlafen konnten. «Sie drohten, allfällige Rückforderungen ihrer Kunden auf uns zu überwälzen», erinnert sich Karl Imfeld. Er selber konnte in Gesprächen erreichen, dass es nicht so weit kam. Zu dieser Zeit seien die Glocken mechanisch bedient worden. Der Aufwand, diese in der Nacht abzustellen, sei zu gross, hatte Imfeld gegenüber den Touristen argumentiert. Gleichzeitig stellte er in Aussicht, das System alsbald auf Elektroimpulse umzustellen, was wenig später in die Tat umgesetzt wurde.

Alter Brauch? – «Unsinn»

Damals ging die Kirche den Kompromiss wohl zähneknirschend ein. Inzwischen aber sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, wenn es nach Karl Imfeld geht. «Ich kann nicht verstehen, dass einige Pfarrer sich weiterhin gegen eine elektronische Glockensteuerung sperren.» Sie würden sich auf einen alten Brauch berufen, was er für «unsinnig» hält. «Wer, bitte schön, ist heutzutage in der Nacht auf diesen Schlag angewiesen?» Er vermutet zudem, einige Oberhäupter haben das Gefühl, dass die Leute, die das nächtliche Läuten abschaffen wollen, grundsätzlich etwas gegen die Kirche haben. «Das ist ein falsches Denken.»

Doch wie stark ertönt der Ruf, bei den Kirchenglocken Einschränkungen vorzunehmen, tatsächlich? Erna Blättler, Geschäftsführerin von Nidwalden Tourismus, hat für ihren Kanton die Probe aufs Exempel gemacht und bei Hotels eine Umfrage lanciert. Das Resultat: «Es wird äusserst selten reklamiert.» So auch in Beckenried, wo laut Blättler die Zeit nachts zur vollen Stunde gar zweimal geschlagen wird. «Auf hundert Gäste stört dies einen», so Josef Lussi, Inhaber und Geschäftsführer des Hotels Rössli, das sich nahe der Kirche befindet.

Fachfrau hat Erfahrungen gemacht

Erna Blättler zeigt aber Verständnis für Gäste, die sich daran stören, weil sie selber schon ähnliche Erfahrungen gemacht hat. «Ich war in Hotelzimmern, wo mich der Kühlschrank der Minibar am Einschlafen hinderte, aber auch in Grossstädten, wo ich trotz permanenten Verkehrslärms problemlos einschlafen konnte. Dass also Kirchenglocken zur Schlafenszeit stören können, ist für mich nachvollziehbar.» Wie schnell man bei solchen alltäglichen Geräuschen reklamiere, liege in der Natur der betroffenen Person. «Es scheint, dass viele Menschen empfindlicher und sensibler reagieren als früher. Oder meint man das nur, weil die Gäste heutzutage wesentlich schneller reklamieren?» Wie dem auch sei, diese Entwicklung habe auch ihr Gutes: Das rasche Reklamieren vor Ort gebe den Tourismusbetrieben die Chance, umgehend zu reagieren – und den Gast allenfalls sogar positiv zu überraschen.

Oliver Mattmann

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