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OB-/NIDWALDEN: Umsiedeln oder abschiessen?

Peter Lienert und Fabian Bieri legten Fakten zum Luchs bei uns auf den Tisch. Fazit: Die Raubkatze ist wohl mitschuldig, wenn der Gämsbestand zurückgeht.
Beim Thema Luchs prallen verschiedene Interessen aufeinander. (Bild Romano Cuonz)

Beim Thema Luchs prallen verschiedene Interessen aufeinander. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

Von Dezember bis Februar wurden allein in der Zentralschweiz während 60 Nächten an 38 Standorten auf 705 Quadratkilometer mit 76 Kameras Luchse fotografiert. Fotografen waren die Wildhüter. Das Mittel: ein technisch ausgeklügeltes Fotofallen-Monitoring. Mit solchen Zahlen – und dazu zahlreichen überaus eindrücklichen Bildern – überraschten Fabian Bieri (Abteilungsleiter Jagd und Fischerei Nidwalden) und der frühere Obwaldner Oberförster Peter Lienert Mitglieder der Unterwaldner Umweltschutzverbände WWF und Pro Natura. Die Veranstaltung in Stans legte aber auch auf den Tisch, was sie im Titel versprach: neue Fakten zum Luchs in Ob- und Nidwalden.

Gämse voll im Beutespektrum

Überraschende Neuigkeiten bekam das Publikum von Peter Lienert zu hören. «In alpinen Gebieten kann der Anteil gerissener Gemsen höher sein als derjenige von Rehen», stellte er fest. Vor allem schleiche die Raubkatze sich an Waldgämsen oberhalb 1600 Meter heran. «Grundsätzlich sind Luchse fähig, jährlich etwa 11 Prozent unserer geschätzten Gämspopulation zu reissen.» Im Klartext: Damit vermöchte die Raubkatze den ganzen Populationszuwachs auszuschöpfen. Oder anders gesagt: Der menschliche Jäger würde da im Extremfall überflüssig. Komme noch dazu, dass der Luchs – im Gegensatz zum Menschen – vor allem Jungtiere erbeute. «Und doch dürfen wir für den erwiesenen Rückgang der Gämsbestände nicht allein den Luchs verantwortlich machen», mahnte Lienert. Schneeschuhläufer, Biker, Hängegleiter, Nachtwanderer, aber auch die zunehmende Mobilität und dazu Wildkrankheiten seien für den Rückgang der Tierbestände ebenso verantwortlich.

Viele Kriterien für Abschuss erfüllt

«Unter ganz genau bestimmten Voraussetzungen, können Kantone beim Bund beantragen, beim Raubwild regulierend einzugreifen», erklärte Peter Lienert. Im Teilkompartiment, zu dem Obwalden und Nidwalden gehören, sind nach Lienerts Ansicht zurzeit mehrere dieser Voraussetzungen erfüllt. So habe man mittels Monitoring die nötige Dichte von 1,5 selbstständigen Luchsen auf 100 Quadratkilometer nachgewiesen. Ja, sie dürfte momentan gar noch etwas höher sein! Ebenso sind 2013 vier Würfe mit mehreren Jungen (notwendig wären drei) festgestellt worden. Jagdstatistiken belegen, dass der Luchs mittlerweile für Einbussen bei der kantonalen Jagd (Gämsen) mitverantwortlich ist.

Noch abgeklärt wird, ob sich der Wald – dank dem Rückgang des Schalenwildes – verjüngt hat. «Sollte auch diese Voraussetzung erfüllt sein, müssten wir ernsthaft daran denken, beim Bund in Sachen Luchsregulierung vorstellig zu werden», stellte Lienert in Aussicht. Allerdings: Eine Regulierung könnte nur zusammen mit den Nachbarkantonen geplant und durchgeführt werden. In dieser Hinsicht laufen im Moment Absprachen. Klar sei: Allfällige Abschüsse würden Wildhüter und freiwillige Jagdaufseher vornehmen. Zwar habe Grosswild seine eigene Beute noch nie ausgerottet. Doch Lienert betonte: «Das Anliegen der Jäger auf Nutzung des Wildes ist ebenso berechtigt wie der Anspruch der Raubkatze, in unserer fantastischen Gegend zu jagen.»

Weniger konkret zu einer allfälligen Regelung äusserte sich vorläufig der Nidwaldner Abteilungsleiter Fabian Bieri. «In Nidwalden haben wir drei bis fünf Luchse, die jährlich 200 bis 300 Rehe oder Gämsen reissen», bilanzierte er. Nutztiere seien nicht zu Schaden gekommen, und selbst der Rückgang bei den Wildbeständen – namentlich bei den Gämsen – sei in den letzten Jahren minimal gewesen.

Eher Umsiedlung als Abschüsse

Der Berner Wildbiologe Fridolin Zimmermann von der Kora (Raubtierökologie und Wildtiermanagement) zeigte auf, dass das Einfangen und Umsiedeln von Luchsen unter Umständen mehr Sinn machen würden als Abschüsse. «Die Population des Luchses in den Nordwestalpen ist nach wie vor noch klein und verletzlich und könnte ihre Lebensfähigkeit schnell verlieren», argumentierte er. Ohne weitere Umsiedlungen könne der Luchs nie im ganzen Alpenraum und anderen Gebieten Zentraleuropas heimisch werden. Tatsächlich hat man mit Umsiedlungsprojekten schon schöne Erfolge erzielt. So sind in der Nordostschweiz von 2001 bis 2008 12 Tiere aus dem Jura eingesetzt worden. Inzwischen sind sie dort heimisch. Ein neues Umsiedlungsprojekt ist derzeit im Pfälzerwald in Deutschland im Gang: Zehn mit Sendern ausgerüstete Tiere haben die Reise schon gemacht. Endlich laufen auch Verhandlungen mit dem benachbarten Schwarzwald.

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