OB-/NIDWALDEN: Weniger Menschen beziehen Sozialhilfe

Die Statistik für 2015 zeigt einen Rückgang der Zahl der unterstützten Personen. Die Sozialhilfequote ist bei der ausländischen Wohnbevölkerung höher als bei den Schweizer Bürgern.

Drucken
Teilen
Im Vorjahresvergleich ist die Zahl der Sozialhilfebezüger 2015 in den Kanton Obwalden und Nidwalden gesunken. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein)

Im Vorjahresvergleich ist die Zahl der Sozialhilfebezüger 2015 in den Kanton Obwalden und Nidwalden gesunken. (Symbolbild) (Bild: Pius Amrein)

In Obwalden und in Nidwalden ist die Zahl der Menschen, die wirtschaftliche Sozialhilfe beziehen, 2015 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Das geht aus den Erhebungen von Lustat Statistik Luzern hervor. In Nidwalden wurden 364 Personen unterstützt, 27 oder 6,9 Prozent weniger als 2014. Die Sozialhilfequote beträgt 0,9 Prozent. Diese Quote ist in Obwalden mit 1,0 Prozent nur geringfügig höher. Die Zahl der Sozialhilfebezüger sank 2015 um 26 oder 6,5 Prozent auf 377.

In beiden Kantonen liegt die Quote unter dem Durchschnitt der Gesamtschweiz (2014: 3,2 Prozent) und unter jenem der Zentralschweiz (2015: 1,8 Prozent). Ein erhöhtes Sozialhilferisiko ortet die Statistik unter anderem bei den Alleinerziehenden. Das Einkommen allein­erziehender Mütter und Väter reicht häufig nicht aus, um den Lebensbedarf der Familie zu decken, schreibt Lustat in einer Medienmitteilung. Werden nicht Personen, sondern Haushalte betrachtet, so bezogen im Jahr 2015 im Kanton Obwalden 1,4 Prozent und in Nidwalden 1,0 Prozent der Privathaushalte Sozialhilfe.

Ein Viertel der unterstützten Personen ist minderjährig

Von den verheirateten Paaren mit minderjährigen Kindern wurden 0,4 Prozent in Obwalden und 0,6 Prozent in Nidwalden von der Sozialhilfe unterstützt. Bei den Haushalten alleinerziehender Mütter oder Väter lag dieser Anteil bei 12,3 Prozent in Obwalden und 8,2 Prozent in Nidwalden. Das erhöhte Armutsrisiko von Einelternfamilien schlägt sich auch in den vergleichsweise hohen Sozialhilfequoten von Minderjährigen und Geschiedenen nieder. In beiden Kantonen ist rund eine von vier unterstützten Personen minderjährig.

Personen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss – ohne Berufslehre, Hochschulstudium oder andere weiterführende Ausbildung – sind unter den Sozialhilfebezügern überdurchschnittlich vertreten. 2015 betrug ihr Anteil in Obwalden 44,3 Prozent, in Nidwalden 48,5 Prozent. Unterschiede im Bildungsniveau erklären unter anderem die höhere Sozialhilfequote der ausländischen Wohnbevölkerung (OW 2,9 Prozent; NW 3,1 Prozent) im Vergleich zu derjenigen der Schweizer Kantonsbevölkerung (OW 0,7 Prozent; NW 0,5 Prozent).

«Die Sozialhilfe ist für Nidwalden kein Problem», sagt Patricia Max, stellvertretende Vorsteherin des Sozialamtes, mit Blick auf den Vergleich zum schweizerischen Durchschnitt. Um aus der Statistik einen Trend abzuleiten, seien die Zahlen in Nidwalden zu tief, hält sie im Gespräch mit unserer Zeitung fest. «Die Fallzahlen schwanken immer ein wenig, und bei der eher geringen Anzahl fallen kleine Veränderungen sofort ins Gewicht.» Jedoch spüre man auf dem Sozialamt, wenn die vorgelagerten sozialen Systeme wie IV oder Arbeitslosenkasse die Bedingungen verschärften und der Arbeitsmarkt enger werde: «Dann greift die Sozialhilfe als letztes Netz.»

Einen Wert, der auffällt, gibt es bei den 18- bis 25-Jährigen. Prozentual liegt die Sozialhilfequote in diesem Segment in Obwalden rund 50 Prozent höher als in Nidwalden – bei rund 1,5 Prozent. «Diese Zahl ist uns aufgefallen», sagt Anton Pfleger, Vorsteher des Sozialamts Obwalden. Und der Kanton habe auch Rückmeldungen aus den Gemeinden erhalten. Bei einem Teil handle es sich um psychisch instabile junge Erwachsene. «Diese Zahl ist gegenüber dem Vorjahr unverändert geblieben.» Gerade diese Woche wolle man dies mit den Leitenden der Sozialdienste näher anschauen. «Genauso wie die nachhaltige schulische und berufliche Integration von spät zugewanderten Jugendlichen und jungen Erwachsenen.» Sie sollten irgendeine Form von beruflicher Ausbildung absolvieren können. «Das ist auch eine Investition in die Zukunft», betont Pfleger. «Das Ziel ist, diese Leute aus der Sozialhilfe abzulösen.»

Martin Uebelhart