OB-/NIDWALDEN: Zecken breiten sich bis ins Gebirge aus

Zecken sind in der Zentralschweiz auf dem Vormarsch. Das Gesundheitsamt empfiehlt Risiko­gruppen eine Impfung.

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Die Nahaufnahme zeigt das Haftorgan einer Zecke. (Bild: PD)

Die Nahaufnahme zeigt das Haftorgan einer Zecke. (Bild: PD)

Philipp UNterschütz

Mit der Impfkampagne 2015 will das Obwaldner Gesundheitsamt die Bevölkerung sensibilisieren, die Impfungen respektive die Impfausweise zu überprüfen, wie wir Anfang März berichteten. Integriert wurde dieses Jahr auch die Impfung gegen die durch Zecken verursachte Hirnhautentzündung (FSME). «Die Zecken und damit auch die FSME sind in der ganzen Zentralschweiz auf dem Vormarsch», sagt Lydia Hümbeli vom Gesundheitsamt, zusammen mit dem Kantonsarzt Projektverantwortliche für die Impfkampagne. In der Tat: Die Gefahrenkarte des Bundesamtes für Gesundheitswesen zeigt, dass weite Teile Ob- und Nidwaldens Zeckengebiete sind.

Gebiet wird immer grösser

Jürg Grunder, Professor der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wädenswil, hat mit einem Forscherteam eine Präventions-App gegen Zecken entwickelt (siehe Kasten). Er bestätigt, dass das Risikogebiet immer grösser wird. «Waren Zecken noch vor wenigen Jahren nur in Höhenlagen bis knapp 1000 Meter anzutreffen, hat die Uni Zürich Zecken mittlerweile bis auf 1700 Meter nachgewiesen. In unserer App gehen wir deshalb von potenziellen Vorkommen bis 1800 Meter aus.» Damit gehören jetzt auch Bergwanderer zur Zielgruppe für die Impfung gegen FSME.

Zecken fallen nicht von Bäumen

«Natürlich spielt unser Freizeitverhalten eine grosse Rolle», sagt Jürg Grunder. «In den letzten Jahren hielten sich mehr Menschen in Zeckengebieten auf, und damit ist auch die Wahrscheinlichkeit von Stichen gestiegen.» Grundsätzlich sei die Bevölkerung recht gut sensibilisiert, meint Lydia Hümbeli, insbesondere Hundehalter, deren Tiere oft Zecken mit sich tragen. Aber auch Besitzer von Katzen sollten sich bewusst sein, dass ihr Haustier die Blutsauger nach Hause bringen könnte. «Zecken lassen sich einfach fallen, wenn die Nahrungsaufnahme abgeschlossen ist. Auch Igel, Mäuse und Ratten schleppen Zecken in unseren Siedlungsraum», erklärt Jürg Grunder, der aber mit dem Vorurteil aufräumt, Zecken würden von Bäumen springen oder liessen sich auf ihre Wirte fallen. «Das ist ein Ammenmärchen. Zecken liegen auf Lauerstellung und krallen sich fest, wenn Wirte vorbei laufen.»

Impfung ab sechs Jahren

Die «sichere und gut wirksame» Impfung gegen FSME empfehlen das BAG und das Gesundheitsamt deshalb allen Personen ab einem Alter von sechs Jahren, die in Gegenden wohnen oder sich zeitweise dort aufhalten, wo es Zecken gibt: also im Wald oder am Waldrand. «Im Gegensatz zu Masern ist FSME nicht ansteckend. Die Impfung dient also ‹nur› dem eigenen Schutz», meint Lydia Hümbeli. Die erste Impfdosis wird nach einem und dann nochmals nach sechs Monaten wiederholt. Geimpfte sind lebenslänglich immun gegen FSME.

Symptome gleichen Sommergrippe

Die Situation ist jedes Jahr anders, sie hat viel mit Wetter und Feuchtigkeit zu tun. «Der Winter ist entscheidend. Ist es lange und dauerhaft kalt, sind Zecken inaktiv, dann überleben viele, weil sie keine Energie brauchen», sagt Grunder. Es könnte nach der eher langen Kälteperiode also sein, dass es heuer von März bis November eher mehr Zecken gibt. Etwa zehn Tage nach dem Biss einer FSME übertragenden Zecke kann es zu einer ersten Krankheitsphase mit grippeartigen Symptomen kommen. Bei 5 bis 15 Prozent dieser Personen kommt es nach einem beschwerdefreien Zeitraum zum Befall des Gehirns mit weiteren Symptomen wie Kopfschmerzen, Lichtscheuheit, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Gehstörungen. Diese können monatelang dauern und zu Lähmungen führen. FSME ist meldepflichtig, deshalb liegen dem Bundesamt für Gesundheitswesen BAG exakte Zahlen vor. Diese besagen, dass in Obwalden seit 2012 vier Fälle verzeichnet wurden (Nidwalden 1, Luzern 36, Schwyz 1, Uri 7). Keine Aussagen macht die Statistik über den Krankheitsverlauf.

Wie in den Vorjahren wurden in der Schweiz auch 2014 wieder rund 20 000 Arztbesuche wegen Zeckenstichen gemeldet. «Es kommt auch vor, dass Leute annehmen, sie hätten eine Sommergrippe, dabei könnten Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen auch auf einen Zeckenstich zurückzuführen sein», warnt Lydia Hümbeli. Wenn sich Zecken nicht festkrallen könnten, sehe es häufig aus wie ein Mückenstich. Ein Zeckenstich sollte markiert und beobachtet (Rötung) sowie dessen Datum notiert werden.

Schutzmassnahmen beachten

Weil Zecken neben FSME auch Lyme-Borreliose übertragen können, gegen die es keine Impfung gibt, sollten auch geimpfte Personen Schutzmassnahmen wie Kleidung, Körperkontrolle oder Zeckenschutzmittel beachten. «Wichtig ist auch, dass Eltern ihre Kinder nicht nur nach Waldspaziergängen kontrollieren, es gibt auch viele naturnahe Spielplätze, wo Zecken vorkommen. Für Lager und Schulreisen ist Impfen der sicherste Schutz», sagt Hümbeli.

Hinweis

Gefahrenkarten des BAG findet man unter map.geo.admin.ch (im Suchfeld FSME eingeben). Weitere Infos: www.sichimpfen.ch/www.zecken.ch