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OB-/NIDWALDEN: Zentralbahn will langsamer wachsen

Seit einem Monat ist Michael Schürch an der Spitze der Zentralbahn. Vor allem der familiäre Geist und die kurzen Wege haben es ihm angetan.
Der neue Geschäftsführer der Zentralbahn, Michael Schürch. (Bild Corinne Glanzmann)

Der neue Geschäftsführer der Zentralbahn, Michael Schürch. (Bild Corinne Glanzmann)

Interview Matthias Piazza

Heute vor genau einem Monat trat Michael Schürch (40) seinen Job als Geschäftsführer der Zentralbahn an – als Nachfolger von Renato Fasciati, der die Geschäftsleitung der Rhätischen Bahn übernahm. Im Interview zieht der ehemalige SBB-Mitarbeiter (siehe Kasten) eine erste Zwischenbilanz, schildert seine ersten Eindrücke bei der ZB und erklärt, warum er ein Wachstum wie in den vergangenen Jahren nicht anstrebt.

Wie gefällt Ihnen Ihr neuer Job als Geschäftsführer der Zentralbahn?

Michael Schürch: Die Funktion ist enorm spannend. Als Geschäftsführer des Unternehmens bin ich für alle operativen Themen verantwortlich, kann mit meinem Führungsteam Entscheide selber treffen, habe operativ keine Vorgesetzten. Die Zentralbahn verfügt als kleine Bahn über alle Aspekte eines Bahnunternehmens: Verkaufsstellen, Marketing, Rollmaterial, Zugpersonal, Werkstätten, Infrastruktur, Immobilien, und das mit nur 360 Mitarbeitenden. Man sieht viel schneller, wie ein Entscheid an der Basis und beim Kunden ankommt. Ein Lokomotivführer schlägt beispielsweise der Geschäftsleitung vor, den Haltepunkt des Zugs um ein paar Meter zu verschieben. Diesen Vorschlag prüfen wir umgehend und setzen diesen wenn immer möglich innerhalb kurzer Zeit auch um. Bei einem grossen Bahnunternehmen mit vielen Hierarchieebenen wäre dies so undenkbar.

Sie spüren also einen Kulturunterschied zwischen Ihrem früheren Arbeitgeber, den grossen SBB mit Konzernstrukturen, und der kleinen, familiären Zentralbahn?

Schürch: Dieser Unterschied ist definitiv spürbar. Schon nur aufgrund der Grösse der Zentralbahn, welche rund 100-mal kleiner ist als die SBB, sind die Wege kürzer, man kennt sich, und die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Unternehmen ist klar spürbar.

Haben Sie sich schon gut eingelebt nach vier Wochen?

Schürch: Ich bin vollkommen angekommen. Der Zeitpunkt Anfang Juli war ideal zum Einsteigen. Viele Mitarbeitende waren noch nicht in den Ferien. In den ersten Tagen war ich viel unterwegs mit dem Zug, besuchte die verschiedenen Verkaufsstellen, lernte die Mitarbeiter an der Basis kennen. Und jetzt während der Ferienzeit habe ich Zeit, um Dossiers zu studieren. Meine Ferien genoss ich vor dem Amtsantritt als ZB-Geschäftsführer. Es gefällt mir sehr gut, und ich bin voller Tatendrang.

Wie wurden Sie aufgenommen?

Schürch: Ich durfte bereits viele Mitarbeitende persönlich kennen lernen und fühlte mich jeweils gut aufgenommen. Auf weitere Begegnungen, sei es in den Zügen, in den Werkstätten, in den Bahnreisezentren oder sonst auf dem Zentralbahnnetz, freue ich mich sehr.

Kennen Sie schon alle 360 Mitarbeitenden? Haben Sie schon den direkten Kontakt gesucht?

Schürch: Ich bin sehr viel unterwegs. Mir ist es ein grosses Anliegen, möglichst rasch alle Bereiche kennen zu lernen. Überall treffe ich auf sehr motivierte Mitarbeitende, welche mich herzlich empfangen. Bis ich alle Mitarbeitenden getroffen habe, dauert es wahrscheinlich noch eine gewisse Zeit lang. Aber wir haben sogenannte Infoanlässe Ende August/Anfang September. Das gibt mir die optimale Chance, alle kennen zu lernen. Ich freue mich sehr darauf.

Sind Sie schon von Nottwil nach Nidwalden gezügelt?

Schürch: Im Oktober erwarten wir unser zweites Kind. Ein Umzug steht deshalb zurzeit nicht im Vordergrund, könnte aber später ein Thema werden.

Sind Sie auch noch mit Ihrem Vorgänger Renato Fasciati in Kontakt, für Tipps?

Schürch: Wir konnten bereits im Juni anlässlich einiger Vorbereitungstreffen eng zusammenarbeiten. Viele Themen konnte er mir da übergeben. Und wir werden auch in Zukunft in Kontakt bleiben. Aber weniger für Tipps, sondern mehr für den Austausch von gemeinsamen Themen. Die Rhätische Bahn ist wie die Zentralbahn auch Mitglied von Railplus, dem Verband der Meterspurbahnen. In diesem Gremium hat die Zentralbahn in der Vergangenheit sehr eng mit den anderen Bahnen zusammengearbeitet, und dies will ich unbedingt weiterführen. Unter den Meterspurbahnen gibt es grosses Synergie- und Know-how-Potenzial.

Hatten Sie schon Kontakt mit den Kantonen und den Kunden?

Schürch: Antrittsbesuche mit den Regierungsräten von Obwalden, Nidwalden und Luzern sind im Herbst angedacht. Ich komme jeden Tag mit der ZB von Luzern an den Hauptsitz nach Stansstad zur Arbeit, stelle mich den Fahrgästen vor, komme mit ihnen ins Gespräch.

Während andere ein marodes Unternehmen sanieren und wieder auf Vordermann bringen müssen, sind Sie in ein solides, erfolgreiches Unternehmen eingetreten, das hohe Gewinne macht, in den vergangenen Jahren zweistellige Zuwachsraten bei den Passagierzahlen aufwies, eine hohe Kundenzufriedenheit geniesst, mit der Beschaffung von fünf weiteren Fink-Zügen und der Sanierung der Bahnhöfe auch auf dem modernsten Stand ist sowie eine hohe Pünktlichkeitsrate und Kundenzufriedenheit geniesst. Wofür braucht es da noch einen Geschäftsführer?

Schürch: Die ZB ist effektiv in einem sehr guten Zustand. Aber wir haben noch viel zu tun. Während auf Nid- und Obwaldner Seite Ende Jahr alle Bahnhöfe barrierefrei saniert sein werden, steht dies auf Berner Seite noch an. Dann werden wir Hergiswil auf Doppelspur ausbauen und zwischen Luzern und Horw per Ende 2021 einen 71/2-Minuten-Takt einführen. Zudem streben wir an, die Auslastung in den Nebenverkehrszeiten mit attraktiven Schlechtwetterangeboten wie etwa dem Globi-Express zu verbessern, die Bahnhofsgebäude etwa in Hergiswil und Stans umzunutzen, in Engelberg die Titlis-Bahn bis an den Bahnhof zu führen.

Stellt der gleichzeitige Wechsel von Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident eine besondere Herausforderung dar?

Schürch: Nein, das Unternehmen ist auf sehr gesunden Beinen, es geniesst bei Kunden und Bestellern grosses Vertrauen. Das ganze ZB-Team stellt die konstante Weiterführung sicher. Und der neue Verwaltungsratspräsident Toni Häne ist in den Bahnthemen sehr sattelfest und kennt sich ebenfalls bestens aus. Der Know-how-Transfer hat stattgefunden.

Was sind die Herausforderungen der ferneren Zukunft? Streben Sie so hohe Wachstumsraten wie in der Vergangenheit an?

Schürch: Es wäre unrealistisch, ein Wachstum wie in den letzten beiden Jahren anzustreben. Wir hätten relativ schnell ein Qualitätsproblem, denn die Kapazität der Züge ist nun mal begrenzt. Die Kunst ist und bleibt es, die frequenzschwächeren Zeiten besser auszulasten und die Spitzen zu brechen.

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