Ob- und Nidwalden wollen das Kulturschaffen schnell unterstützen

Das Obwaldner Amt für Kultur und Sport arbeitet bereits mit Hochdruck an Richtlinien für die Unterstützung von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden.

Romano Cuonz
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Obwalden stellt 100 000 Franken Finanzhilfe für Kulturinstitutionen zur Verfügung: Profitieren wird sicher das Museum Bruder Klaus, das vor Ostern eine neue Ausstellung eröffnen wollte  und nun nicht mehr darf. Die Leiterin Carmen Kiser leistet zurzeit Kurzarbeit.

Obwalden stellt 100 000 Franken Finanzhilfe für Kulturinstitutionen zur Verfügung: Profitieren wird sicher das Museum Bruder Klaus, das vor Ostern eine neue Ausstellung eröffnen wollte und nun nicht mehr darf. Die Leiterin Carmen Kiser leistet zurzeit Kurzarbeit.

Bild: Romano Cuonz (Sachseln, 20. April 2018)

«Der Obwaldner Regierungsrat hat zu Beginn der Woche beschlossen, 100’000 Franken aus dem Swisslos-Fonds zur Verfügung zu stellen um Auswirkungen der Coronakrise auf den Kulturbereich abzufedern», gibt Bildungs- und Kulturdirektor Christian Schäli bekannt. Damit könne man die Covid-19-Verordnung Kultur, die der Bundesrat am 20. März erlassen habe, schnellstmöglich vollziehen. «Ich bin froh, dass auch im Kultursektor etwas läuft, damit wir Institutionen und Kulturschaffende unterstützen können, die jetzt durch alle Netze fallen würden.» Nachdem nun bekannt sei, wie viel Geld zur Verfügung stehe, arbeite man im Amt für Kultur und Sport mit Hochdruck daran, Vollzugsrichtlinien für die Beurteilung von Gesuchen zu schaffen. «Konkret heisst dies für Kulturinstitutionen und professionelle Kulturschaffende, dass sie ihre Gesuche dem Amt zustellen können», so Schäli.

Angeschrieben werde niemand, sagt er. «Es ist klar eine Holschuld, Veranstalter oder Kunstschaffende müssen mit einem Gesuch ans Amt für Kultur und Sport gelangen.» Für wen solche Unterstützung überhaupt in Frage käme und wie genau Gesuchsteller vorgehen müssten, würden sie – möglichst noch vor Ostern – auf der Website des Kantons erfahren.

Die Initialzündung kommt vom Bund

Der vom Bundesrat verfügte Lockdown, der noch mindestens bis zum 19. April dauert, verunmöglicht es zahlreichen Kulturunternehmen, geplante Veranstaltungen durchzuführen, oder hindert professionelle Kunstschaffende daran, aus ihren Einnahmen den Lebensunterhalt zu bestreiten. Darauf hat der Bundesrat im Rahmen seiner notrechtlichen Kompetenzen mit der «Covid-19-Verordnung Kultur» reagiert. Betroffene sollen unterstützt werden, wenn sie aufgrund der Corona-Schutzmassnahmen finanziellen Schaden erlitten haben oder erleiden. Dabei sieht der Bund drei Möglichkeiten zur Hilfe vor: sofortige Darlehen für Kulturunternehmen, finanzielle Nothilfe an professionelle Kulturschaffende und Finanzhilfen für Kulturvereine im Laienbereich. Für die Finanzierung dieser Massnahmen stellt der Bund in einem ersten Schritt 280 Millionen Franken für die Zeit vom 21. März bis zum 20. Mai 2020 zur Verfügung. Christian Schäli dazu: «Mit dem Vollzug und der Finanzierung hat der Bundesrat teilweise auch uns Kantone als Zuständige für die Kultur beauftragt.» Vor allem gelte es, die anfallenden Beträge zur Unterstützung hälftig mitzutragen. Schäli freut sich, dass die Regierung 100’000 Franken aus dem Swisslos-Fonds bereits gesprochen hat, und er als Obwaldner Kulturdirektor mit dem Amt für Kultur und Sport damit schnell handeln und helfen kann.

Etwas schwieriger ist es für natürliche Personen aller Kunstsektoren. Sie müssen in der Schweiz leben und über 50 Prozent ihres Unterhalts aus einer hauptamtlichen Tätigkeit im Kunstbetrieb bestreiten. Wer künstlerischen Tätigkeiten nebenbei nachgeht, kommt nicht in die Kränze.

Beispielsweise das Museum Bruder Klaus

«Das nun verfügbare Geld liegt vorerst einmal bereit für Institutionen oder Kunstschaffende, die geplante Veranstaltungen oder Projekte verschieben oder ganz absagen mussten», erläutert Christian Schäli. Eines der aktuellsten Beispiele ist das Museum Bruder Klaus in Sachseln. «Wir hätten am Palmsonntag die Sonderausstellung Weltenmachen mit zwölf zeitgenössischen Kunstschaffenden aus der Schweiz und Israel eröffnen wollen», sagt Leiterin und Kuratorin Carmen Kiser. Infolge des Coronavirus sei dieser Anlass auf einen noch nicht bestimmten Zeitpunkt im Sommer oder Herbst verschoben worden. Natürlich fallen auch die Eintritte ins Museum und der Verkauf von Büchern vorläufig weg. Museumsvereinspräsident Hans Blum auf Anfrage: «Natürlich habe ich mich beim Amt für Kultur sofort nach Beiträgen zur Abfederung der Probleme erkundigt.» Und das Museum darf hoffen. «Das ist neben dem Engelberger Talmuseum sicher ein Veranstalter, der auf uns zählen kann», erklärt Christian Schäli. Hans Blum weiss: «Eine Möglichkeit besteht darin, dass unser Museum einen ‹A-fonds-perdu-Beitrag› von Kanton und Bund an die Ausfälle erhält.» Kredite aufzunehmen, komme nicht in Frage, meint Blum. Die Leiterin und weitere Vollzeitmitarbeiter haben vorläufig Kurzarbeit angemeldet. Ein noch nicht gelöstes Problem, so Blum, gebe es für Mitarbeitende, die in Teilzeitarbeit angestellt seien. Für die Praktikantin oder für Leute, die etwa am Empfang mitarbeiten.

Auch Nidwalden ist auf Gesuche vorbereitet

«Nidwalden wird einen ähnlichen Beitrag zur Verfügung stellen», verspricht Stefan Zollinger als Vorsteher Amt für Kultur und Leiter des Nidwaldner Museums. Nur: In Nidwalden steht der jeweils im Voraus verteilte Swisslos-Fonds nicht zur Verfügung. «Die Regierung wird demnächst darüber entscheiden, wie der Beitrag finanziert werden soll.» Im Grossen und Ganzen werde es in Nidwalden ziemlich gleich gehandhabt wie in Obwalden. «Zwischen mir und meinem Obwaldner Amtskollegen Marius Risi findet ein reger Austausch statt.» Am ehesten erwartet Zollinger Ausfallentschädigungsgesuche aus den Bereichen Musik oder Theater, wo Auftritte abgesagt wurden: Etwa von den Stanser Musiktagen. Eine kantonale Institution wie das Nidwaldner Museum kommt jedoch als Beitragsempfänger nicht in Frage. Wohl auch das Literaturhaus Zentralschweiz nicht, das schon das Jahr hindurch eine Leistungsvereinbarung mit dem Kanton hat.

Hier geht es zu den fünf verschiedenen Obwaldner Hilfsinstrumenten: Soforthilfe für KulturunternehmenAusfallentschädigung für KulturunternehmenSoforthilfe für KulturschaffendeAusfallentschädigung für KulturschaffendeFinanzhilfe für Kulturvereine