Obergericht Obwalden
85 km/h zu viel: Töfffahrer zweifelt Messergebnis des Radars an

Ein Mann aus Schwyz hat die zulässige Höchstgeschwindigkeit bei einer Töfffahrt in Lungern stark überschritten. Das Kantonsgericht hat ihn dafür bedingt zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt. Vor Obergericht wehrt er sich gegen den Schuldspruch.

Lucien Rahm
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Über 170 Kilometer pro Stunde soll sein Tacho angezeigt haben, als der Mann aus Schwyz – mittlerweile wohnhaft in Zürich – mit seinem 182 PS starken Yamaha-Töff die Brünigstrasse in Lungern hinauffuhr. Die Fahrt vor knapp vier Jahren hat für ihn bis heute Folgen. Denn er wurde dabei von der Polizei geblitzt, die ihm anschliessend Motorrad und Fahrausweis abnahm. Abzüglich der Toleranzmarge war der Mann gemäss Messung mit 165 km/h unterwegs – bei erlaubten 80. Seither hat der Mann weder Töff noch Ausweis zurückerhalten. Das Verfahren ist noch immer hängig.

Mit einem simplen Strafbefehl ist es bei einer derartigen Geschwindigkeitsüberschreitung nämlich nicht getan. Denn mit über 60 Stundenkilometern zu viel in einer 80er-Zone unterwegs zu sein, erfüllt den sogenannten Rasertatbestand, der seit 2013 im Strassenverkehrsgesetz steht. Dass das Verfahren vier Jahre später noch nicht abgeschlossen ist, hat einerseits mit der Obwaldner Staatsanwaltschaft zu tun. Sie liess sich über zwei Jahre Zeit, um die Angelegenheit zur Anklage zu bringen. Das Kantonsgericht sah daher das Beschleunigungsgebot verletzt und reduzierte deswegen die Strafe für den Mann. Ende 2019 verurteilte es ihn zu 15 Monaten Haft bedingt, bei einer unüblich hohen Probezeit von vier Jahren und einer Busse von 4800 Franken. Dieses Urteil zog der Mann allerdings ans Obergericht weiter, wo der Fall am Mittwoch erneut verhandelt wurde.

Verteidiger hält Gutachten für unbrauchbar

Vor den drei Richtern sagte der heute 36-Jährige, der bereits wegen anderer Verkehrsdelikte vorbestraft ist, dass er die Messung des Geräts anzweifle. «Es sind keine Beweise erbracht worden, dass ich da so schnell gefahren bin. Es gibt nur das eine Foto mit den Messdaten drauf.» Für ihn reiche das nicht aus. Weder gebe es ein zweites Foto noch eine Videoaufnahme, die das hohe Tempo eindeutig belegen würden. Auf seinen Tacho habe er im besagten Moment nicht geschaut, so der Beschuldigte. Aber vom Gefühl her sei er damals wohl mit «90, 95 oder 100» Stundenkilometern unterwegs gewesen.

Sein Anwalt führte lang und breit aus, weshalb auch das Gutachten, welches das Obergericht beim Eidgenössischen Institut für Metrologie in Auftrag gab, nicht zu gebrauchen sei: Der Gutachter sei befangen. Der Polizist, der die Messung damals vornahm, habe das Radargerät zudem falsch bedient, so der Verteidiger.

Die Staatsanwältin beantragte dem Obergericht, den Schuldspruch der Vorinstanz zu bestätigen. Weil der Mann mittlerweile trotz Fahrausweisentzug mehrmals sein Auto verwendet hat, sei die bedingte Haftstrafe auf 17 Monate zu erhöhen. Welchen Argumenten das Obergericht folgt, wird es den beiden Parteien demnächst schriftlich mitteilen.