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In Giswil wurden Mobilitätsprobleme mitten im Wald diskutiert

Am «Obwald Dialog» in der Waldlichtung Gsang standen der öffentliche und der individuelle Verkehr im Mittelpunkt. Einigkeit und Gegensätze hielten sich in etwa die Waage.
Primus Camenzind
Podiumsgespräch «Obwald Dialog» (von links): Landammann Josef Hess; Leo Amstutz, Präsident Grüne Nidwalden; Oliver Kuhn, Gesprächsleiter; Thierry Burkart, TCS und FDP-Nationalrat Baden; Christiane Leister, VR-Präsidentin Leister-Gruppe. (Bild: Primus Camenzind, Giswil, 3. Juli 2019)

Podiumsgespräch «Obwald Dialog» (von links): Landammann Josef Hess; Leo Amstutz, Präsident Grüne Nidwalden; Oliver Kuhn, Gesprächsleiter; Thierry Burkart, TCS und FDP-Nationalrat Baden; Christiane Leister, VR-Präsidentin Leister-Gruppe. (Bild: Primus Camenzind, Giswil, 3. Juli 2019)

Das Ambiente auf der Waldlichtung Gsang, die seit zwei Jahrzehnten dem Volkskulturfest «Obwald» das äussere Gepräge gibt, war lauschig. Das Thema weniger. Rund 100 Gäste aus Politik und Wirtschaft kamen am Mittwoch, um einer prominent besetzten Gesprächsrunde zu lauschen. Der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler hatte zu einem Podium «Öffentlicher Verkehr versus Individualverkehr – Chancen und Gefahren für Obwalden» eingeladen.

Bevor die Teilnehmer auf die bequemen Ledersofas gerufen wurden, untermauerte Wyler das Thema mit einigen Zahlen: 28000 Fahrzeuge durchqueren in beide Richtungen täglich den Loppertunnel, fast 8000 fahren über den Brünig. Die Zentralbahn transportiert 17000 Fahrgäste Richtung Luzern oder zurück. Den Pendlerverkehr 2017 beziffert die Statistik mit täglich 9000 Personen nach auswärts und 5400 nach Obwalden.

Gesprächsleiter Oliver Kuhn wollte wissen, worin die Verkehrsprobleme in Obwalden überhaupt bestünden. Josef Hess, Landammann und Baudirektor, relativierte und meinte vorerst grundsätzlich: «Unsere Probleme sind nicht ausserordentlich gross.» Er erwähnte allerdings den Flaschenhals im und nach dem Loppertunnel Richtung Luzern. «Aber das muss ausserhalb von Obwalden gelöst werden.»

Christine Leister betonte, dass die Auswahl zwischen individuellem oder öffentlichem Verkehr sich in ihrem Industrieunternehmen erst gar nicht biete. «Wir besitzen keinen Gleisanschluss. Waren und Produkte werden bei uns per Camion angeliefert, beziehungsweise abtransportiert. Auch im Nahverkehr zwischen unseren Betriebsgebäuden organisieren wir uns selbst.»

Mobilitätsbedürfnisse vor Ort lösen

Der Autolobby darf Nationalrat Thierry Burkart zugerechnet werden. Als Repräsentant des Touring Club Schweiz (TCS) kennt der Podiumsgast aus Aarau die Frequenzen auf den Schweizer Strassen. «Bei uns, vor allem in Zürich oder in den Grossagglomerationen, sind die Dimensionen natürlich ganz andere als in Obwalden», gab er zu bedenken. Mobilitätsbedürfnisse gebe es jedoch überall im Lande, nur seien diese nicht überall dieselben. «Sie müssen grundsätzlich vor Ort gelöst werden.» Burkart benützt laut eigener Aussage auch häufig die Eisenbahn.

Mit dem ÖV aus Beckenried angereist war natürlich Leo Amstutz, Präsident Grüne Nidwalden. Er zählte auf, wie oft er bis nach Giswil das Transportmittel wechseln musste. «Ich bin überrascht, dass es keinen ÖV hierher gibt. Deshalb nahm ich mir am Giswiler Bahnhof ein Taxi.»

Verkehr wächst mit dem Wohlstand

Moderator Kuhn wollte wissen, ob die These «Mehr Strassen – mehr Verkehr» stichhaltig sei. Thierry Burkart stellte sie in Abrede! Er sehe eine Effizienzsteigerung im Zusammenspiel von Bahn und Strasse. Autos und Züge seien derzeit und über den ganzen Tag hinaus berechnet nur zu je 20 Prozent ausgelastet. Die Versteuerung des Individualverkehrs in städtischen Gebieten – sei es mittels «Mobility Pricing» oder «City Maut» – lehnt Burkart ab. «Das bevorteilt wieder nur die Besserverdienenden.»

Auf seinen Vorschlag von der Arbeit zu Hause (Homeoffice) reagierte Christiane Leister im Hinblick auf die geringen Möglichkeiten in ihrer Produktion skeptisch. «Wir optimieren alles, wollen Wachstum und Wohlstand. Der Verkehr wächst halt auch.» Die Gesprächsrunde war sich einig: Fahrgemeinschaften würden häufig an der Flexibilität der Pendler scheitern. «Hoffnungslos», meinte Leister dazu.

Leo Amstutz ist dagegen überzeugt: «Gut gemachte Angebote werden auch benutzt.» Dazu Landammann Hess: «Der Leidensdruck der Verkehrsbenützer scheint allerdings noch nicht gross genug!» Bei Themen wie «autonomes Fahren», bessere Terminierung, Bewirtschaftung und weniger Perfektionismus im Strassenbau, oder persönlichem Verzicht auf individuelle Mobilität zeigten sich im Podium teilweise unterschiedliche Meinungen. Thierry Burkart brachte Gegenwart und Zukunft auf den Punkt: «Die Mobilität ändert sich extrem. Wo das hinführt wissen wir nicht. Eines wissen wir, die Probleme müssen wir gemeinsam und lokal lösen.»

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