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OBWALD: Sie singen ihre Lieder jederzeit und überall

Auf der «Paxmontana»-Terrasse – vor der Kulisse der Melchtaler Berge – ertönt der sonore, polyfone Klang eines georgischen Liedes. Wo die 14 Freunde des Didgori-Chors auch sind, beginnen sie bald spontan zu singen.
Romano Cuonz
Der georgische Didgori Choir singt vor dem Hotel Paxmontana und der Obwaldner Kulisse. (Bild: Romano Cuonz (Flüeli-Ranft, 4.Juli 2017))

Der georgische Didgori Choir singt vor dem Hotel Paxmontana und der Obwaldner Kulisse. (Bild: Romano Cuonz (Flüeli-Ranft, 4.Juli 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Wer einmal die Gelegenheit hat, in einer der uralten Kirchen oder an der georgischen Tafel die Georgier singen zu hören, wird sich der tiefen Eindrücklichkeit ihrer Musik nicht entziehen können», schrieb kein Geringerer als der Komponist Igor Strawinsky. Genau dies erlebten dieser Tage Touristen in der Cabrio-Bahn aufs Stanserhorn oder auf der Terrasse vor dem Hotel Paxmontana in Flüeli-Ranft. Dort nämlich stimmten 14 Männer des georgischen Didgori-Chors und 3 Frauen spontan ihre Lieder an: für Touristen und das Personal. Alle sind sie Gäste am Volkskulturfest Obwald 2017. Von blitzenden Kameras und Handys rundherum lassen sie sich in keiner Weise beirren. In ihrer Tschocha – einer männlichen Tracht Georgiens mit langem wollenem Mantel, Lederstiefeln, Patronengurt und Säbeln in versilberten Scheiden – geben sie ein fast archaisches Bild ab. Namentlich in Flüeli-Ranft: vor Obwaldner Bergen, grünen Matten, Kirchen und Kapellen. Martin Hess, Visionär und Kulturmanager des Obwald, sagt: «Wo immer diese Freunde – einmal laut, einmal leise, aber immer in einzigartig polyfoner Stimmführung und ursprünglicher Harmonik – zu singen beginnen, erleben wir eine ganz eigene Magie der Musikalität.» Wenn er zurzeit mit diesen Sängern Ausflüge unternehme, habe er so etwas wie eine lebendige Jukebox bei sich – zur Freude vieler Zuhörer!

Dass Martin Hess seine Gäste – ob aus Georgien oder dem Toggenburg – im Hotel Paxmontana auf Flüeli-Ranft unterbringt, ist neu. «Von 2006 bis 2016 logierten wir in der Kulturbeiz Krone in Giswil, wo uns Ingrid und Thomi Kuster mit freundlichem einheimischem Personal stets in einer wundervollen Atmosphäre willkommen hiessen», erzählt Hess. Die Unterkunft sei fürs Gelingen des Obwald wichtig. «Nachdem aber die neuen Besitzer der ‹Krone› zahlreiche treue Angestellte verloren hatten und auch ihre Küche noch geschlossen wurde», bedauert Hess, «war für mich klar, dass wir eine neue Unterkunft suchen mussten.»

Fündig wurde Martin Hess in Tiflis

Nun aber würden sich seine Gäste – namentlich jene aus dem Kaukasus – im «Paxmontana» wohlfühlen. So wohl, dass nur eines schwierig sei: nämlich zu einem Arbeitsrhythmus zu finden! Wie auch immer: Seit letztem Montag wird das schöne Jugendstilhotel von ihren Melodien erfüllt. Bis in alle Nacht hinein hört man die Georgier dort singen.

Den georgischen Gesang, der mit seiner Harmoniekomplexität und mehreren eigenständigen Stimmen zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, kennt Martin Hess seit den 1960er-Jahren. «Damals hatte ich eine Vinylplatte erstanden, die mich nun ein Leben lang begleitet hat», verrät er. Im letzten Winter unternahm Hess, auf der Suche nach Gästen fürs Obwald 2017, tatsächlich auch eine Reise in die Bergwelt zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer. «Dabei lernte ich in verschiedenen Tälern zahlreiche Chöre mit jeweils unterschiedlichem Gesangsstil kennen», erzählt Hess. Eigentlich fündig aber sei er erst ganz am Ende der Reise in Tiflis geworden. Dort traf der Kulturmanager in einer Kirche auf den Didgori-Chor. Später dann, während einer langen Nacht in einer kleinen Altstadtbar, ertönte zwischen Trinksprüchen Lied um Lied. «Der Wirt Nikoloz Ivanashvili ist einer der 14 Gesangsfreunde, die aus allen Gegenden des Landes kommen und einfach gerne und voll Freude singen», berichtet Hess. «Dabei sind sie alles andere, nur nicht professionelle Musiker.» Genau einen so spontanen Chor aber habe er fürs Obwald gesucht!

«Obwalden ist ein Paradies!»

«Wir singen immer: in der Kirche, an Geburtstagen, auf Hochzeiten oder auch an Beerdigungen, für alles haben wir unsere traditionellen Lieder», sagt der Informatiker Givi Abesadze aus Tiflis. «Singen ist für uns kein Job, Singen ist unser Leben.» Martin Hess hätten sie vom ersten Augenblick an in ihr Herz geschlossen. «Als er zu uns kam, trugen wir ihm ganz motiviert unsere besten Lieder vor», lacht Barkeeper Nikoloz Ivanashvili. Doch Hess habe sie aufgefordert, so zu singen, wie sie immer sängen, wenn sie fröhlich seien. Und genau das hätten sie dann in der Bar auch getan. Das habe zur Einladung geführt! Auch Barkeeper Givi Abesadze schwärmt: «Dieses Obwalden ist ein Paradies! Wie Georgien, aber besser organisiert!» Jeden Tag würden sie ihren Frauen und ihren Freunden Fotos nach Hause schicken. Auch Martin Hess ist sehr zufrieden: «Dieser Chor wird mit seiner Mentalität prächtig zu unseren Jodlerklubs passen, da bin ich mir ganz sicher.»

Hinweis

Infos unter www.obwald.ch

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