Obwald: Verhindert das Corona-Virus die musikalische Hauptattraktion?

China ist Gast am diesjährigen Volkskulturfest Obwald – sofern das Corona-Virus nicht alles auf den Kopf stellt.

Matthias Piazza
Merken
Drucken
Teilen
Diese chinesischen Gäste wollen am 15. Volkskulturfest Obwald teilnehmen (von links): Ge Sijing, Yan Huiyi, Pan Jiaqi, Guo Jiawen, Liu Jiaxin, Liu Qianxi, Chen Jingyao, Chen Yue, Li Jai, Yan Luting, Wu Huanghuang, Qiu Ji, Zhao Zitian & Du Lan

Diese chinesischen Gäste wollen am 15. Volkskulturfest Obwald teilnehmen (von links): Ge Sijing, Yan Huiyi, Pan Jiaqi, Guo Jiawen, Liu Jiaxin, Liu Qianxi, Chen Jingyao, Chen Yue, Li Jai, Yan Luting, Wu Huanghuang, Qiu Ji, Zhao Zitian & Du Lan

Bild: PD

Mehr als 2000 Menschen sind in China gemäss offiziellen Angaben inzwischen am Corona-Virus gestorben, über 76000 Menschen infiziert. Ausserhalb des chinesischen Festlandes ist die Rede von bislang elf Todesfällen. Martin Hess, der künstlerische Leiter von Obwald, verfolgt die Entwicklung rund um dieses Virus mit besonderem Interesse. Kein Wunder, ist doch im Sommer China erstmals Gastland am Volkskulturfest. Das vierzehnköpfige Ensemble aus Peking soll an der 15. Ausgabe vom 2. bis 5. Juli die Hauptattraktion sein. Mit ihren typisch chinesischen Saiteninstrumenten Zhang und Guqin wollen die Musiker aus China die erwarteten 4000 Besucher in der Waldlichtung Gsang bei Giswil in ihren Bann ziehen – als Kontrast zu den Interpreten mit ihren Schweizer Saiteninstrumenten. Doch können Gäste dann überhaupt in die Schweiz reisen?

«Obwald gehört der Musik, Politik hat keinen Platz»

«Natürlich wäre ich traurig, wenn das Obwald ohne China stattfinden würde», meint Martin Hess dazu. «Das Land hat eine reichhaltige, jahrtausendalte Kultur, die sich auch in der Musik widerspiegelt. Ihre Instrumente werden ununterbrochen seit zwei bis drei Jahrtausenden in China gespielt. Da möchte ich nur erinnern, dass unsere Handorgel noch keine 200 Jahre alt ist.» Dass China auch immer wieder mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht werde und als Diktatur gelte, habe für ihn bei der Planung keine Rolle gespielt. «Das Obwald gehört alleine der Musik. Politik hat hier keinen Platz.»

Nun ist China gerade im Corona-Jahr Gastland am Obwald. Dies sei leider nicht vorhersehbar gewesen, so Hess. «Mit dem diesjährigen Programm befasse ich mich seit vergangenem Herbst. Und auch bei meinen China-Besuchen im vergangenen Dezember und Anfang Januar war vom Corona-Virus noch keine Rede.»

Am 15. März fällt die Entscheidung

Doch eine sofortige Entscheidung dränge sich nicht auf. «Ich verfolge die Entwicklung. Am 15. März fälle ich einen Entscheid. So viel Zeit bleibt schon», hält er fest. Auch wenn aus China eine Absage käme, wäre das für Martin Hess kein Weltuntergang. Die 15. Obwald-Ausgabe stehe so oder so nicht auf der Kippe. Für Ersatz sei gesorgt. «Ich mute mir zu, im Notfall innerhalb von vier bis sechs Wochen ein neues Programm auf die Beine zu stellen», beruhigt er.

Er habe dank seines grossen Netzwerkes noch genug Pfeile im Köcher. Im Visier hat er Skandinavien und Ungarn/Polen, beide Regionen waren noch nie zu Gast am Obwald. Sie hätten es ihm angetan. «Und die Schweizer Volksmusik wäre beispielsweise ohne die osteuropäische Volksmusik gar nicht denkbar, sie baut auf ihr auf.»

Obwald: 2. bis 5. Juli, Gsang, Giswil. Der Vorverkauf startet am 4. Mai. www.obwald.ch