OBWALDEN: 23-Jährige übernimmt den Sarner Kirchenchor

Der Kirchenchor vollzieht den Wechsel in der musikalischen Leitung. Eine junge Dirigentin will die Arbeit ihres Vorgängers fortführen und gleichzeitig neue Akzente setzen.

Primus Camenzind
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Richard Pürro (links) mit Nachfolgerin Valérie Halter und Vereinspräsident Bruno Dillier.

Richard Pürro (links) mit Nachfolgerin Valérie Halter und Vereinspräsident Bruno Dillier.

Primus Camenzind

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

An der Generalversammlung vom Samstag wurde Richard ­Pürro nach 35 Jahren als Dirigent des Sarner Kirchenchors Harmonie verabschiedet. An seine Stelle tritt die 23-jährige, in Lungern aufgewachsene Valérie Halter, die zurzeit den Berufsstudiengang Kirchenmusik an der Hochschule Musik in Luzern absolviert. Zurückblickend und vorausschauend äusserten sich die beiden Protagonisten des Wechsels unserer Zeitung gegenüber.

Seinen Abschied als Chorleiter bezeichnet Richard Pürro zu gleichen Teilen als Verlust und Gewinn. «Ein komisches Gefühl, nicht mehr an die Proben zu gehen, nicht mehr Messen zu dirigieren», meint er. «Aber nach 35 Jahren ist ein Wechsel bestimmt sinnvoll und gut.» Pürro folgte 1981 auf Musikdirektor ­Richard Vögeli. «Du hast die längste Amtszeit aller bisherigen acht Dirigenten des Kirchenchors abgeschlossen», stellte Vereinspräsident Bruno Dillier fest.

Vor allem mit Pfarrer Bernhard Willi und dessen Projekt «Wort und Musik» hätten sich für den Chor neue Möglichkeiten und fruchtbare Impulse ergeben, betont Pürro. «Wir durften einige Messen aufführen, welche den Chor musikalisch und gedanklich weiterentwickelt haben.» Der scheidende Kirchenmusiker freut sich auf die Zukunft. «Ich werde in der Sarner Pfarrkirche nach wie vor Orgeldienste leisten und bin auch nicht abgeneigt, bei Gelegenheit einen kleinen Chor zu übernehmen. Die Ehrung von Pürro im Rahmen der Generalversammlung endete mit dessen Ernennung zum Ehrendirigenten.

«Diese Stelle würde mich sehr reizen», dachte sich Valérie Halter, als sie die Ausschreibung des Sarner Kirchenchors zu Gesicht bekam. Sie schrieb ihre allererste Bewerbung, «und mir blieb vorerst nur die Hoffnung, dass es ­irgendwie klappen würde», erzählt die 23-Jährige. Aus dem Zu­sammenwirken von Theologie, Mensch und Musik schöpft die neue Chorleiterin ihre Kraft für «den guten Chor», der ihr nun anvertraut wurde. Sie absolvierte 2015 an der Uni Luzern auch ein Studium in katholischer Theologie. «Dies aus eigenem Interesse, denn es eröffnet mir zusätzliche Perspektiven für den kulturellen Aspekt der Kirchenmusik.» Es ist kein Geheimnis, dass sich der Sarner Kirchenchor über die Verpflichtung dieser jungen Chor­leiterin freut. «Die Erwartungen an mich sind recht hoch, und das Jahresprogramm mit jeweils zwei Orchestermessen und insgesamt 16 Auftritten ist anspruchsvoll», gibt Valérie Halter zu bedenken. «Für mich ist es wichtig, zusammen mit dem Chor zu wachsen», gibt sie zu verstehen. Sie sei selber noch im Studium und habe viel zu lernen.

Auch ein breiteres Publikum ansprechen

Von unserer Zeitung darauf angesprochen, bezeichnet die junge Dirigentin die Altersstruktur als «Knackpunkt der meisten Kirchenchöre». Vom frischen Wind, denn sie einbringen will, verspricht sie sich schon mal eine mentale Verjüngung der Mit­glieder. «Es liegt in meiner Hand, uns – ohne den Kernauftrag zu vernachlässigen – vom Image eines rein kirchlichen Vereins etwas zu entfernen», betont Halter. «Wir werden im Zusammenwirken mit anderen Musikvereinen oder auch mit der Musikschule hin und wieder konzertante Auftritte mit weltlichem Repertoire verwirklichen.» Neue Akzente dieser Art dürften nach Überzeugung der Dirigentin dem Chor nicht nur jüngere Mitglieder zuführen, sondern auch ein breiteres Publikum ansprechen.