OBWALDEN: 34-Jährige versteckte Heroin in Wohnung

Eine Frau hatte zwei albanische Heroindealer in ihrer Wohnung in Sarnen beherbergt, um selbst an Geld und Drogen zu kommen. Nun wurde sie vor Gericht verurteilt.

Adrian Venetz
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Symbolbild: Die Beamten fanden die Drogen in einem Hotelzimmer, das die mutmasslichen Drogendealer gemietet hatten. (Bild: Neue LZ)

Symbolbild: Die Beamten fanden die Drogen in einem Hotelzimmer, das die mutmasslichen Drogendealer gemietet hatten. (Bild: Neue LZ)

Das Kantonsgericht Obwalden hat eine 34-jährige Schweizerin der Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie der Geldwäscherei schuldig gesprochen und sie zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt. Konkret hatte die Frau im Zeitraum vom Herbst 2013 bis Juni 2014 in ihrer Wohnung in Sarnen zwei albanischen Drogenhändlern Unterschlupf geboten und deren Heroin aufbewahrt (siehe Kasten). Zudem hat sie selbst Heroin in kleinen Mengen verkauft sowie Heroin und Kokain konsumiert.

Leicht verminderte Schuldfähigkeit

Das Gericht folgte mit seinem Urteil den Anträgen der Staatsanwaltschaft. Die Beschuldigte sowie ihre amtliche Verteidigerin akzeptieren das Urteil vollumfänglich. Gerichtspräsident Roland Infanger attestierte der Frau eine leicht verminderte Schuldfähigkeit, da sie während des besagten Zeitraums stark drogenabhängig war. Strafmildernd kommt auch hinzu, dass die 34-Jährige geständig ist und sich mittlerweile einer stationären Behandlung für Suchtkranke unterzogen hat. Verläuft diese stationäre Therapie erfolgreich und lässt sich die Frau nichts mehr zu Schulden kommen, wird sie einer Gefängnisstrafe entgehen können. Dennoch: «Das war kein Kavaliersdelikt», sagte Gerichtspräsident Infanger in aller Deutlichkeit in seinem Urteilsspruch zur Angeklagten, welche dies mit einem stillen Kopfnicken bestätigte. Sie habe bewusst das Heroin der beiden albanischen Drogenhändler in ihrem Schlafzimmer aufbewahrt und damit in Kauf genommen, dass durch den Verkauf der Drogen die Gesundheit vieler Menschen gefährdet ist, so Infanger. Gemäss Aussagen der Angeklagten verkauften die beiden Drogenhändler das Heroin vornehmlich im Umkreis der Gassenküche Luzern, später auch in Sarnen, dies bei einem Tagesumsatz von bis zu 2000 Franken.

«Voll abgestürzt»

Schuldig machte sich die Angeklagte zudem der Geldwäscherei – wenn auch in kleinem Stil. Konkret hatte sie zweimal im Auftrag der Drogenhändler von einem Kiosk im Kanton Aargau aus Geld auf ein Konto in Albanien transferiert, insgesamt 1500 Franken. «Sie wusste dabei, dass das Geld aus dem Verkauf von Betäubungsmitteln stammte, und liess sich für diese Dienstleistung mit kleineren Barbeträgen und Briefchen Heroin bezahlen», so Oberstaatsanwältin Esther Omlin in ihrer Anklageschrift.

«Das stimmt», sagte die Angeklagte während der Verhandlung zu jedem der Anklagepunkte. Sie sei damals wegen Drogenproblemen «voll abgestürzt». Dank der stationären Therapie gehe es ihr mittlerweile «eigentlich sehr gut – ich komme vorwärts». Sie sei, trotz anfänglichen Rückschlägen, motiviert für den weiteren Verlauf der Therapie, sagte die Frau vor Gericht. «Ich mache es für mich und meine Tochter.» Ihre Tochter befindet sich derzeit in fremder Obhut.

Adrian Venetz
 

 

Nach Absitzen der Strafe wird er ausgeschafft

Dealer ve. Auf die Schliche ist man den beiden Drogendealern und der 34-jährigen Frau gekommen, weil Nachbarn ein reges Kommen und Gehen bei der besagten Wohnung in der Nähe des Hochhauses in Sarnen festgestellt hatten. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung im Juni 2014 wurden die drei Personen festgenommen. In einem Kleintresor fand man insgesamt rund 80 Gramm Heroin (abgepackt in mehrere Kleinportionen) sowie Streckmittel. Zudem wurden mehrere Mobiltelefone sichergestellt und deren Gebrauch rückwirkend analysiert.
Die beiden jungen Männer standen bereits vor Gericht: Ein 26-jähriger Albaner, der damals mit einer gefälschten griechischen Identitätskarte unterwegs war, wurde im Februar vom Kantonsgericht zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 3 Jahren verurteilt. Er sitzt derzeit im Gefängnis in Stans und wird, nachdem er die Strafe abgesessen hat, nach Albanien ausgeschafft. Allein die entstandenen Untersuchungskosten sowie die Kosten für die amtliche Verteidigung für den 26-jährigen Drogendealer belaufen sich insgesamt auf über 60 000 Franken. Sein Kollege, ein minderjähriger Albaner, wurde bereits des Landes verwiesen.

Von Hintermännern instruiert
Wie viel Heroin die beiden jungen Männer im Frühling 2014 im Raum Sarnen verkauft haben, lässt sich gemäss Anklageschrift nicht eruieren. Sie waren als sogenannte «Läufer» unterwegs, haben also Drogen, Mobiltelefone und Anweisungen von Hintermännern erhalten. Im konkreten Fall seien die Anweisungen von einer «unbekannten männlichen Person kosovoalbanischer Abstammung» gekommen, heisst es in der Anklageschrift.
Wie Oberstaatsanwältin Esther Omlin gegenüber unserer Zeitung sagt, ist dies ein typisches Muster des Drogenhandels in der Schweiz, vor allem in Städten. Für den Kanton Obwalden allerdings sei dies einer der grössten Betäubungsmittelprozesse der letzten Jahre gewesen.