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OBWALDEN: Abtreibungsgegner treffen sich im Flüeli

Jedes Jahr formieren sich Abtreibungsgegner zu einer Kundgebung – und immer wieder gibt es Krawalle. Heuer führt der «Marsch fürs Läbe» zu Bruder Klaus. Die Kantonspolizei trifft sich diese Woche mit Behörden, um das Vorgehen zu besprechen.
Adrian Venetz
Polizisten schirmen Demonstranten von einer Kundgebung der Abtreibungsgegner ab. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 19. September 2015))

Polizisten schirmen Demonstranten von einer Kundgebung der Abtreibungsgegner ab. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 19. September 2015))

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch

«Marsch fürs Läbe»: Harmlos tönt die Veranstaltung des gleichnamigen Vereins aus Zürich. Alles andere als harmlos laufen die jährlichen Treffen ab, die früher in Zürich stattfanden und im vergangenen Jahr in Bern. Nur unter «gewaltigem Polizeischutz» konnten sich im September 2016 die über 1700 Anhänger und Sympathisanten des Vereins auf dem Bundesplatz treffen, wie es damals in einer Medienmitteilung hiess.

Der Grund: Hinter dem Verein Marsch fürs Läbe stehen christliche Abtreibungsgegner, die sich beispielsweise auch gegen die Pränataldiagnostik zur Wehr setzen. Die Versammlungen des Vereins laufen stets friedlich ab – nicht aber die Gegendemonstrationen. Denn die christlich-konservative Gesinnung stösst bekanntlich nicht in allen Bevölkerungskreisen auf Gegenliebe. So kommt es immer wieder zu Demonstrationen von linksautonomen Gruppierungen, im vergangenen Jahr etwa mit Trillerpfeifen, Drucklufthupen und sogar einer Rauchpetarde. Weiter wurden unter anderem mit Wasser gefüllte Kondome in die Versammlung der Betenden geworfen. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot und Absperrungsgittern vor Ort.

Bundesplatz ist bereits reserviert

Ausgerechnet im Bruder-Klaus-Jubiläumsjahr zieht sich der Verein aus den Städten zurück. Der 8. Marsch fürs Läbe soll am Sonntag, 17. September, also am Bettag, in Obwalden über die Bühne gehen. «Als Gebetsmarsch bewegen sich die Teilnehmer von St. Niklausen nach Flüeli-Ranft», schreibt der Verein in einer Mitteilung. «Wie schon die vorigen Jahre gibt es anschliessend einen überkonfessionellen Open-Air-Gottesdienst mit Musik, Ansprachen und Lebenszeugnissen.»

Wie kommt der Verein aufs Flüeli? «Eigentlich wollten wir unsere Versammlung wieder auf dem Bundesplatz in Bern durchführen», erklärt Beatrice Gall, Medienverantwortliche des Vereins, auf Anfrage unserer Zeitung. «Weil aber an unserem Wunschdatum der Bundesplatz bereits für eine andere Veranstaltung reserviert war, mussten wir nach einer Alternative suchen.» So stiess man auf Flüeli-Ranft. Das Jubiläumsjahr sei der Grund für diesen Entscheid gewesen, sagt Beatrice Gall. «Bruder Klaus war ein starker Beter für die Schweiz und hat sich gesellschaftlich engagiert.»

«Fundamentalismus und Homofeindlichkeit»

Das linke Bündnis «Bern stellt sich qu(e)er» – eine federführende Gruppierung bei den Gegendemonstrationen – hat bereits auf den Gebetsmarsch im Flüeli reagiert. «Dass sich der Marsch im September 2017 in ein kleines Dorf in Obwalden verschieben muss, ist der Erfolg der langjährigen Proteste in Zürich und der vielfältigen Aktionen letztes Jahr in Bern», heisst es auf der Facebook-Seite des Bündnisses. Mit Blick auf die letztjährige Kundgebung von «Marsch fürs Läbe» schreiben die Gegner: Der Grossteil der Anwesenden «bestand aus älteren, reaktionären und weissen Männern. Ihr Weltbild steht für christlichen Fundamentalismus, Homofeindlichkeit, Nationalismus und patriarchale Ansichten».

Die Frage ist nun: Lässt man die Abtreibungsgegner bei ihrem Gebetsmarsch in Obwalden in Ruhe oder kommt es auch hier zu teils krawallartigen Auseinandersetzungen? «Diese Frage stellen wir uns natürlich auch», sagt Marco Niederberger, Leiter der Verkehrs- und Sicherheitspolizei. Noch diese Woche treffe sich die Polizei mit verschiedenen Behörden. An dieser Sitzung werde auch besprochen, ob und in welcher Form ein Polizeieinsatz geplant werden müsse. «Das Problem ist ja nicht die Veranstaltung an sich», sagt Marco Niederberger weiter. Das Problem sei, dass gewisse Gruppierungen solche Veranstaltungen zur Krawallmache missbrauchten. Gemäss Niederberger stand die Polizei noch nicht im direkten Kontakt mit dem Verein Marsch fürs Läbe.

Mediensprecherin Beatrice Gall sagt, dass man vom Sachsler Wallfahrtssekretariat bereits eine Bewilligung erhalten habe, um den Platz unterhalb der Flüeli-Kapelle für die Veranstaltung zu nutzen. Auch Gall kann nicht abschätzen, ob der «Umzug» von der Stadt aufs Land zu einer Beruhigung beitragen wird. «Wir fragen uns immer wieder, warum gewisse Personen bei unseren friedlichen Kundgebungen so aggressiv werden.»

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