Obwalden
Älplerchilbi und «Burdi»-Wettbewerb im Freilichtmuseum Ballenberg

Der Ballenberg lädt zum grössten Erntedankfest der Schweiz. Mit dabei sind auch die Lungerer und Sachsler «Wildlyyt» und die Obwaldner Landjugend.

Romano Cuonz
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«Am letzten Septemberwochenende eröffnen wir im Freilichtmuseum Ballenberg das grösste Erntedankfest der Schweiz, an dem 15 regionale Herbstfeste aus dem ganzen Land präsentiert werden», schreibt Projektleiter Jürg Tröhler in einer Mitteilung. Dabei würden Besucherinnen und Besucher vielfältiges Brauchtum aus allen Landesteilen und Sprachregionen der Schweiz erleben.

«Das geht von der Obwaldner Älplerchilbi übers Oberwalliser Combat des Reines, das Waadtländer Fête des Moissons, die Berner Metzgete bis hin zur Castagnata aus den Bündner Südtälern»,

stellt der Projektleiter in Aussicht. In der wunderschönen Kulisse des einzigartigen Freilichtmuseums geben Dörfer und Städte, Alpgenossen, Berufsorganisationen und Vereine Einblick in ihr herbstliches Festbrauchtum. Besucherinnen und Besucher erwartet ein ebenso farbenfrohes wie spannendes Programm mit zahlreichen Höhepunkten. Langweilig wird es dabei bestimmt niemandem.

Die Lungerer Wilden verlassen erstmals in ihrer 275-jährigen Geschichte das Dorf, um auf dem Ballenberg aufzutreten.

Die Lungerer Wilden verlassen erstmals in ihrer 275-jährigen Geschichte das Dorf, um auf dem Ballenberg aufzutreten.

Bild: PD

Zusätzlich zu den Angeboten mit zahlreichen Attraktionen ist Gross und Klein eingeladen, sich an urtümlichen Sportarten und Wettkämpfen zu beteiligen. Damit nicht genug: Verlocken sollen auch kulinarische Spezialitäten aus allen Landesteilen. Und weil Geselligkeit im Mittelpunkt des Festes steht, sind allenthalben auch Musik und Tanz angesagt.

Alte Bräuche werden präsentiert

Herbstfeste haben in der ganzen Schweiz Tradition. Dörfer, ja ganze Landesgegenden, schauen zurück auf strenge Tage auf Alpen und Feldern. Halten einen Moment in Dankbarkeit inne. All diese Traditionen könnte man kaum anderswo passender zusammenbringen als vor der farbigen Kulisse des Ballenbergs.

Zum «Fest der Feste» wurden auch die Obwaldner Gemeinden Lungern und Sachseln mit ihrer Älplerchilbi und die Landjugend mit dem urtümlichen Burditräger-Wettkampf eingeladen. Die Lungerer Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann-Durrer freut sich: «Es ist das erste Mal, dass unsere Wilden ‹Trini und Christen› ihre Sprüche auswärts zum Besten geben.» Man werde im Freilichtmuseum Ballenberg den alten Brauch eins zu eins präsentieren. Samt Einzug der Älplerpaare, begleitet von der Sechser-Musik mit ihren jahrhundertealten Tänzen. Im Mittelpunkt stehen natürlich die Wilden, die für viel Spass sorgen.

Die Lungerer Wilden verlassen erstmals in ihrer 275-jährigen Geschichte das Dorf, um auf dem Ballenberg aufzutreten.

Die Lungerer Wilden verlassen erstmals in ihrer 275-jährigen Geschichte das Dorf, um auf dem Ballenberg aufzutreten.

Bild: PD

Für Besucherinnen und Besucher wird eigens eine Ausstellung aufgebaut, die den Brauch beschreibt und mit Bildern illustriert. Nicht fehlen dürfen Brätchäs und Cheli. Ohne diese ländlichen Spezialitäten wäre eine Älplerchilbi nicht denkbar. Auf dem Ballenberg betrachtet man die Älplerchilbi als Höhepunkt. Eine grosse Freude für Lungern sei die Tatsache, dass am Eröffnungstag Bundesrat Guy Parmelin persönlich einen Besuch bei der Lungerer Älplerchilbi angekündigt habe, so Kaufmann. «Wir Lungerer sind stolz auf diesen 275 Jahre alten Brauch, der bis heute gelebt und mit viel Herzblut organisiert wird», sagt die Gemeindepräsidentin.

Besucherinnen und Besuchern wird Wildheuen nähergebracht

Freude herrscht auch bei der Gemeinderätin Helene Ettlin-Omlin aus Sachseln. Sie wird, gemeinsam mit Älplergesellschaft und Trachtengruppe, am zweiten Wochenende im Oktober auf den Ballenberg reisen und dort mit einer anderen Älplerchilbi für Unterhaltung und gute Stimmung sorgen.

Für einen weiteren Höhepunkt sorgt die Obwaldner Landjugend. Junge Bäuerinnen und Bauern inszenieren auf dem Ballenberg einen «Burditräger-Parcours», bei dem sich Mann und Frau als Träger von gewaltigen Wildheubündeln bewähren können. Landjugendpräsident David Röthlin aus Kerns sagt: «Weil viele Leute nicht wissen, was Wildheuen oder eine ‹Burdi› genau ist, haben wir einen Stand, an dem wir es den Leuten erklären.» Das Gras wird gemäht und nach dem Trocknen mit einem Netz, einer sogenannten «Blächä», gebunden. Anschliessend wird es auf den Schultern zum Seil getragen und ins Tal hinuntergelassen.

«Beim Wettkampf geht es darum, die ‹Burdi› in möglichst kurzer Zeit durch einen vorgegebenen Parcours mit kniffligen Hindernissen ans Ziel zu bringen.» Das Gewicht der «Burdi» beträgt 45 Kilo für Männer und 25 Kilo für Frauen – keine Kleinigkeit. Für Kinder organisiert man einen kleinen «Burdilauf» mit Rutschbahn und kleinen Hindernissen. Röthlin verspricht: «Für alle Teilnehmenden gibt es zum Schluss ein kleines Geschenk, die Besten aber erhalten Gutscheine für Bergbahnen.» Doch der Spass, das sei klar, stehe bei diesem Wettkampf im Vordergrund.

Hinweis: Das Fest der Feste findet im Freilichtmuseum Ballenberg am 24. und 25. September und am 1. und 2. Oktober statt. Eröffnung auf dem Festgelände (Eingang West), 24. September, ab 9 Uhr. Rund zehn Minuten Fussmarsch zur Arena. Weitere Auskünfte: www.ballenberg.ch.