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OBWALDEN: Als vor 50 Jahren die Erde bebte

Die Angst ging um vor 50 Jahren: Einen Monat bebte die Erde. Gastarbeiter reisten ab, Kirchen drohten einzustürzen, für Kollegi-Schüler begannen die Ferien vorzeitig.
Markus von Rotz
Über 5000 Obwaldner pilgerten am 20. März zu Bruder Klaus ins Flüeli, um für die Abwendung der Erdbebengefahr zu beten. (Bild: Keystone)

Über 5000 Obwaldner pilgerten am 20. März zu Bruder Klaus ins Flüeli, um für die Abwendung der Erdbebengefahr zu beten. (Bild: Keystone)

«Wir können uns jetzt vorstellen, was ein Bombardement bedeutet. Es sah aus, als wären alle Teufel losgelassen», schrieb eine Frau aus Kerns damals ans «Luzerner Tagblatt». Ein erstes Mal hatte die Erde am 17. Februar 1964 nachmittags im Raum Sarnen/Kerns gebebt. Kamine und Ziegel fielen herunter. Risse taten sich in Gebäuden auf. Augenzeugen berichteten von einem Knall ähnlich einer Explosion und dachten erst gar nicht an ein Erdbeben, berichtete später der damalige Obwaldner Zivilschutzchef Hermann von Ah. Innert vier Stunden folgten 15 weitere Stösse. Bis zu 150 wurden registriert, bis es am 14. März zum heftigsten Beben kam.

Mit Hilfe eines Krans werden Schäden an der Pfarrkirche in Kerns repariert. (Bild: Keystone)
Die Pfarrkirche in Kerns ist erheblich gestört. (Bild: Keystone)
5000 Ob- und Nidwaldner sind am 20. März 1964 zu der Wallfahrtskapelle des Heiligen Bruder Klaus von Flüe bei Sachseln gepilgert, um für die Abwendung der Erdbebengefahr zu beten. (Bild: Keystone)
Das Kollegium Sarnen muss aus Sicherheitsgründen geräumt werden. Schüler packen ihre Sachen im Schlafsaal. (Bild: Keystone)
Schäden auf einem Dach in Kerns. (Bild: Keystone)
Ein Haus in Kerns ist einen Tag nach dem starken Erdbeben notdürftig abgestützt. (Bild: Keystone)
In der Pfarrkirche von Sarnen sind durch das starke Erdbeben eine Statue und Kerzenständer vom Altar gefallen. (Bild: Keystone)
Im Kollegium von Sarnen kontrolliert ein Mönch den Oszilloscript, der Beben und Erschütterung misst. (Bild: Keystone)
Ein Pfarrer mit Kindern vor der beschädigten St. Antonia-Kapelle von Sarnen. (Bild: Keystone)
Sigrist Rossanen von der Pfarrkirche in Kerns hält die Überreste einer Bruder-Klaus-Statue in der Hand. Die 1,5 Meter hohe Statue stürzte beim Erdbeben tags zuvor aus einer Nische und zerschellte auf dem Kirchenboden. (Bild: Keystone)
10 Bilder

Vor 50 Jahren bebte die Erde in Sarnen

Massenweise Pässe abgegeben

Um 3.39 Uhr riss es die Bevölkerung aus dem Schlaf mit Stärke 8 bis 9 auf der Mercalli-Skala (Maximum Stufe 12). Sie misst wahrgenommene, aber nicht die Stärke, wie man es mit der Richter-Skala beschreibt. Die Bevölkerung geriet zwar nicht in Panik, war aber sehr verunsichert. Viele übernachteten auswärts. Auch aus Stans wurde berichtet, wie 70 bis 80 Familien mit ihren Autos nach Luzern flohen, um bei Verwandten unterzukommen. Insbesondere italienische Gastarbeiter packte die Angst: Am Samstag musste die Fremdenpolizei massenweise Pässe aushändigen, damit sie abreisen konnten.

Gottesdienste in Turnhallen

An jenem 14. März rüttelte und schüttelte, krachte und donnerte es. Elektrische Drähte in Schwingung erzeugten Lichtbögen. Strom- und Telefonverbindungen fielen aus. In Alpnach war die Wasserversorgung unterbrochen. Grabdenkmäler kippten um, von der Kernser Pfarrkirche stürzte eine Bruder-Klaus-Statue herab. In Geschäften flog Ware von Gestellen, Schokolade-Osterhasen wurden zertrümmert Aus Sicherheitsgründen mussten Gottesdienste in Turnhallen und Singsäle verlegt werden.

Die Studenten des Kollegiums Sarnen reisten vorzeitig in die Osterferien ab und wurden von Mitte April bis Ende Juni in der Militär-Sanitätsanstalt im Melchtal unterrichtet. In der Kirche St. Anton in Sarnen verschoben sich die Altäre. Auch Bevölkerung und Hotelgäste in Engelberg wurden durch das heftige Beben unsanft geweckt, das in einem Umkreis von 300 Kilometern bis nach Mailand und Stuttgart zu spüren war.

Am Schluss waren es 200 Beben innert neun Wochen. Der Gebäudeschaden belief sich auf über fünf Millionen Franken. Mangels Erdbebenversicherung übernahm ein eidgenössischer Fonds 60 Prozent der nicht versicherbaren Elementarschäden. Die Landsgemeinde bewilligte weitere Beiträge an Hausbesitzer. Ein gesamtschweizerisches Kirchenopfer erbrachte 15 Prozent an die Reparaturkosten von 2,5 Millionen Franken für Kirchen und Kapellen.

«Ungeschickt benommen»

Auf dem Flugplatz Kägiswil richtete der Kanton einen Bunker für die Koordination der Hilfe ein. Armee und Rotes Kreuz lieferten Betten, Wolldecken und Trainingsanzüge. Im Kollegium in Sarnen wurde eine Erdbebenbeobachtungsstation eingerichtet. Dass weder Tote noch Verletzte zu beklagen waren, ist nicht selbstverständlich. Die Behörden stellten fest, «dass sich die Bevölkerung in vielen Fällen wider besseres Wissen ungeschickt benommen hat», sprich zu nahe an gefährdeten Häusern.

Augenzeugen erinnern sich:<br /> Den Artikel lesen Sie am 15. Februar im E-Paper.

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