OBWALDEN: Alte Opernmusik, neue Bilder

«Die Engelberger Talhochzeit» von 1781 wird neu inszeniert. Während Musiker in Basel proben, kreieren Statisten ihre Bilder in Sarnen.

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Erste Kleiderprobe für die Statisten der Oper «Engelberger Talhochzeit» mit Kostümbildnerin Barbara Medici (rechts). (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Erste Kleiderprobe für die Statisten der Oper «Engelberger Talhochzeit» mit Kostümbildnerin Barbara Medici (rechts). (Bild: Romano Cuonz / Neue NZ)

Schwester Rut-Maria Buschor vom Sarner Frauenkloster beugt und streckt sich, erprobt zusammen mit andern Obwaldner Laienspielern, wie man sich auf der Bühne über die Körpersprache wahrnimmt. «Das ist spannend. Ich entdecke ganz neue Sachen, die ich so noch nie erlebt habe», sagt die kulturinteressierte Klosterfrau. Und sie ist sich sicher, dass sie bei der Aufführung der «Engelberger Talhochzeit» von Franz Leonti Meyer von Schauensee (1720 bis 1789) mindestens für ein paar Augenblicke auf der Bühne stehen möchte. Regisseur Adrian Hossli schmunzelt: «Ich habe Schwester Rut-Maria während der Prozession am Schluss der Inszenierung als Nonne schon fest eingeplant.»

Einzigartiges Manuskript gerettet

«Unser Kloster St. Andreas ist die einzige Institution, die noch ein Manuskript der ‹Engelberger Talhochzeit› mit allen drei Akten besitzt», sagt Schwester Rut-Maria. Beim Hochwasser seien zwar einige Notenbilder beschädigt worden. Dank der umfassenden Restauration aber habe man alles wieder entziffern können. Nun studieren das renommierte Capriccio Barockorchester und sieben professionelle Sängerinnen und Sänger unter der Leitung von Johannes Strobl und Dominik Kiefer das Werk wieder originalgetreu ein. Ihre Proben finden vorläufig noch in Basel statt. «Die Uraufführung der gesamten Mundartoper am 23. April im Kollegitheater Sarnen ist unser Geschenk zum 400-Jahr-Klosterjubiläum,» sagt Schwester Rut-Maria.

Wichtige Rolle für 13 Statisten

Neben den Musikern und Sängern treten bei der «Engelberger Talhochzeit» auch acht Frauen und fünf Männer als Statisten auf. «Die Statisten sind für dieses Werk ganz wichtig. Sie sind es, die das Bild, das ich zeichnen möchte, voll und farbig machen», erklärt Regisseur Hossli. Ein eigentliches Bühnenbild gebe es nicht. Um dem imaginären Bauernhaus zum Leben zu verhelfen, brauche es jedoch Bauernvolk, das ständig an der Arbeit sei: Mägde beim Waschen, Stricken oder Kartoffelrüsten, Bauern am Spaltstock oder beim Schleifen der Sense. «Ich arbeite mit vielen Requisiten, die ich alle im Historischen Museum Obwalden verifiziert habe», erzählt Hossli. Einen wichtigen Beitrag zu den «Bildern aus Statisten» leistet auch die Choreografin Elda Treyer. «Es gibt in dieser Oper neben einem kurzen Volkstanz keine Ballettszenen. Umso grösser ist die Herausforderung an mich und die Laiendarsteller, wenn wir mit den Körpern bewegte Bilder in den doch engen Bühnenraum zaubern wollen.»

Kleider, wie man sie 1781 trug

Neben Adrian Hossli und Elda Treyer ist die Kostümbildnerin Barbara Medici die Dritte im Bunde. Eben hat sie für die Statisten Kostüme mitgebracht. Es wird anprobiert. Da etwas angepasst, dort noch etwas zurechtgezupft. Sie habe erst lange nachgedacht, sagt Barbara Medici. Klar gewesen sei ihr, dass Solisten als Hochzeitsgäste abgehobene Kostüme tragen würden. «Doch bei den Bauersleuten war es etwas schwieriger», verrät die Kostümbildnerin. «Sie gehen an diesem Tag zwar arbeiten, aber weil es eine Hochzeit ist, tragen sie wohl ein bisschen schönere Kleider.» Die Lösung ist eine interessante Mischung aus historischem Kostüm und Tracht. Die 13 Laiendarsteller sind fasziniert, mit welcher Sorgfalt ihr Auftritt im barocken Spektakel geplant wird. Gerhard Halter, ein alter Fuchs in Sachen Theater: «Mir wird dabei klar, wie sehr diese Oper auch vom Drum und Dran im Hintergrund lebt.» Und Nadine Halter, eine junge Spielerin, meint: «Noch selten habe ich das Gruppenspiel so intensiv erlebt, wie als Statistin bei dieser Oper.»

Romano Cuonz