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OBWALDEN: Andrea Kisers Apfelmost ist einer der besten der Schweiz

Der Apfelmost von Andrea Kiser ist buchstäblich golden. Dieses Prädikat hat sie vom Schweizer Obstverband erhalten. Für die Bäuerin ist das nicht bloss ein Stück Papier.
Marion Wannemacher
Andrea Kiser betreibt am Sarner Wochenmarkt einen eigenen Stand. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)

Andrea Kiser betreibt am Sarner Wochenmarkt einen eigenen Stand. (Bild: Oliver Mattmann / Neue OZ)

Wenn Andrea Kiser vom Apfelmost spricht, hat man das Gefühl, es gehe um Wein. Die Rede ist von Öchslegraden, Abgang und vom harmonischen Gesamteindruck. Die Sarnerin mit ihren Apfelbäckchen ist selbst die beste Botschafterin für ihr Produkt. Vor kurzem hat sie die Goldmedaille im Süssmost-Qualitätswettbewerb des Schweizerischen Obstverbandes gewonnen. Die Freude darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben. «Ich bin sehr stolz darauf. Als ich den Umschlag geöffnet und die Goldmedaille gesehen habe, habe ich einen Luftsprung gemacht.» Um Gold zu erlangen, muss der Apfelmost mindestens 19 von 20 möglichen Bewertungspunkten erzielen. Das ist heuer 32 Mostern gelungen. Kiser ist die Einzige aus Obwalden, in Nidwalden wurde Josef Odermatt aus Stans ebenfalls mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Bis anhin ein gutes Apfeljahr

Honiggolden und klar leuchtet Andrea Kisers Apfelmost in den Gläsern. Das Aroma ist fruchtig und süss. Selbst nach einem Schluck bleibt der Geschmack eine Weile auf der Zunge. «Das ist der Abgang», klärt sie auf. Im Gegensatz zum Industriemost habe jedes ihrer Produkte seinen Charakter, denn nach dem Pasteurisieren reife der Most weiter, die Säure vergeht nach und nach. Eine Art «Geheimrezept» verwendet sie nicht. «Wichtig ist die Qualität. Das Obst muss einwandfrei, frisch und sauber sein.»

Die erst 24-Jährige weiss, wovon sie spricht. Zwischen 50 000 und 100 000 Liter produziert Andrea Kiser jährlich mit ihrer Lohnmosterei. Das sind mehrere Tonnen Äpfel. Im Kanton gebe es nur in Giswil noch eine ähnlich grosse Anlage. «Die Menge schwankt sehr. Es gibt gute und weniger gute Jahre.» Für sie ist das von Bedeutung, denn: «Die Mosterei macht einen Drittel der Betriebseinnahmen aus.» Heuer sei bis jetzt ein gutes Jahr, es sei warm und nass. Und wenn sich im Sommer noch die Sonne vermehrt zeige und der Zuckergehalt im Obst zunimmt, dürfte es gegen Ende September losgehen mit der Hochsaison in ihrer Mosterei. «In Spitzenzeiten sind wir die ganze Woche nur mit Mosten beschäftigt.» Die Kunden bringen die Äpfel auf ihren Hof und erhalten exakt ihren eigenen Most zurück.

Lange Tage machen ihr nichts aus

Das Apfelmosten kennt Andrea Kiser von klein auf. Als der Vater schwer verunfallte, half sie nach Kräften aus. 2009 machte sie eine Lehre als Landwirtin, vor drei Jahren setzte sie eine Ausbildung als Obstfachfrau drauf. Dazwischen gabs ein halbes Jahr Auszeit in Australien. «Ich würde sofort wieder gehen», sagt die junge Frau. Anfang Jahr hat sie den Hof mit den zwölf Milchkühen und sieben Rindern übernommen. Ausserdem hat sie mit ihrem Freund René eine Ziegenzucht zur Fleischproduktion, hält Schweine, Hühner und Enten. Von früh bis spät ist sie auf den Beinen. Zurzeit von 5 Uhr früh bis abends um 19.30 Uhr. «Zum Glück ist es länger hell, da kann man länger arbeiten», sagt sie. Als Betriebshelferin arbeitet sie täglich auch noch auswärts. Ihr persönliches Ziel hat sich Andrea Kiser klar gesteckt: «Ich möchte mit meiner Betriebsgrösse überleben und die Obstanlage selbst in einem kleineren Mass bewirtschaften können.» So verkauft sie vor Ort auch regionale Produkte wie Eier, Honig, «Birehung» (Birnel), auf Vorbestellung auch Fleisch.

Vielfalt, so weit das Auge reicht

Doch zurück zu den Äpfeln: «Es gibt nicht nur den ‹Gala›, sondern so viele andere süsse Sorten, über die man sagen kann: ‹Wow, das ist ein Apfel›.» Jeder Mensch habe seine speziellen Vorlieben. Und wo findet man das Richtige? Nach ihrer Ansicht nicht in den Läden, sondern direkt bei den Produzenten. Deshalb geht sie auch auf die Kunden zu, etwa mit einem Stand am Sarner Wochenmarkt. Und neben den Süssmostkartons, die zum Verkauf stehen, thront das Zertifikat der Goldmedaille.

MArion Wannemacher

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