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OBWALDEN: Asylzentrum steht weiter in der Kritik

Die Zustände im Asylzentrum Glaubenberg seien teilweise schlimm, berichten Fachleute. Die Bewohner fühlten sich dort alles andere als willkommen.
Im Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg fühlen sich etliche Bewohner nicht willkommen. (Bild Manuela Jans-Koch)

Im Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg fühlen sich etliche Bewohner nicht willkommen. (Bild Manuela Jans-Koch)

Anfang Dezember konnten sich Medienvertreter und Behörden ein Bild im Bundesasylzentrum auf dem Glaubenberg machen. Die Besucher nahmen einen angenehmen Eindruck mit. Die Räume waren sauber und ordentlich, der Betrieb verlief ruhig und geregelt. Der Normalfall, wie die Verantwortlichen verschiedentlich betonten.

Einen anderen Eindruck erhielt ein gutes Dutzend Besucher, die vergangenen Samstag die Gelegenheit hatten, mit Asylsuchenden auf dem Glaubenberg zu reden. Ein Besuch im Zentrum war nicht möglich, die Gespräche fanden auf einem Parkplatz statt. Die Besucher waren Fachpersonen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich aus dem Kanton Luzern, Privatpersonen, Übersetzer und Vertreterinnen der Plattform «Zivilgesellschaft in Asyl-Bundeszentren» (ZiAB). Das ist ein Netzwerk von Organisationen und im Asylbereich engagierten Einzelpersonen aus allen Landesteilen, welche zivilgesellschaftliches Engagement in Asyl-Bundeszentren tragen, unterstützen und fördern.

Wissen nicht, wie es weitergeht

Als Privatperson mit dabei war auch Renate Metzger-Breitenfellner. Die freischaffende Nidwaldner Journalistin engagiert sich schon seit Jahren für Flüchtlinge und Menschen am Rande der Gesellschaft. «Nach der Mittagspause kamen nach und nach 60 bis 80 Personen auf den Parkplatz und redeten mit uns», berichtet sie gegenüber unserer Zeitung. «Wir interessierten uns für ihre Geschichten, und was wir gehört haben, fand ich teilweise ganz schlimm.» So wüssten die Menschen nicht, wie es mit ihnen weitergehe. Sie hätten das Gefühl, dass man im Zentrum lieber hätte, wenn sie nicht hier wären. Es sei ihnen nicht erlaubt, Einkäufe aus dem Dorf ins Zentrum zu bringen. Es gebe keine Zwischenmahlzeiten – auch nicht für die Kinder. Weiter stünden keine Dolmetscher zur Verfügung. Sie hätten alle die Handys abgeben müssen, telefonieren sei nur sehr beschränkt erlaubt – mit einem offiziellen Telefon, für das sie eine Wertkarte kaufen müssten. In Buchs SG hätten sie sich sehr wohl gefühlt. Hier sei es schrecklich – wie im Gefängnis.

Asylsuchende öffneten sich

Getroffen hat sie auch einen unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden, der in einem 40-Personen-Schlafsaal untergebracht worden sei und keine spezielle Betreuung von Fachleuten erhalten habe.

«Ich gehe nicht davon aus, dass Flüchtlinge lügen», sagt Renate Metzger auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Aussagen. «Wenn sie sagen, es gebe keine Babynahrung, gibt es entweder keine, oder sie haben die Information nicht, dass es sie gibt. Beides ist schlimm.» «Es war berührend zuzusehen, wie sich die Asylsuchenden öffneten», so Renate Metzger weiter. «Und dabei waren wir nur dort und haben ihnen zugehört.» Es sei ihr glücklichster Tag in der Schweiz, habe sie von einigen gehört.

Ihre Eindrücke hat Renate Metzger der Obwaldner Regierung, den Kantonsräten und den eidgenössischen Parlamentariern in diesen Tagen ausführlich geschildert – mit der Bitte, sich beim Staatssekretariat für Migration (SEM) und der von ihm beauftragten Betreiberfirma ORS «aktiv und energisch» dafür einzusetzen, dass sich die Zustände im Bundeszentrum auf dem Glaubenberg nachhaltig änderten. Eine Reaktion hat sie gestern aus Bern erhalten. Nationalrat Karl Vogler ist ans SEM gelangt mit der Bitte, der Sache nachzugehen.

Konfrontiert mit den Vorwürfen bezog das SEM gestern ausführlich Stellung. Die erhobenen Vorwürfe nehme das Staatssekretariat ernst, und es habe umgehend die nötigen Abklärungen eingeleitet. Die Gesuchsteller erhielten in den Empfangs- und Verfahrenszentren ein Merkblatt zum Ablauf des Asylverfahrens. Die Asylsuchenden würden zudem mündlich laufend über den weiteren Verlauf des Verfahrens soweit informiert, wie es zu diesem Zeitpunkt möglich sei. Auch über interne Abläufe und Regeln im Bundeszentrum würden die Asylsuchenden unterrichtet. «Auftauchende Fragen werden durch das Betreuungspersonal und die Mitarbeitenden des SEM laufend beantwortet», so die Stellungnahme.

Babynahrung ist vorhanden

Die Bewohner des Zentrums wüssten, dass sie keine eigenen Esswaren mitbringen dürften. Es gebe für die Betreuerfirma ORS keine Möglichkeit, diese hygienisch einwandfrei und gesondert aufzubewahren. Babynahrung und Nahrung für Kleinkinder seien vorhanden. Zwischenmahlzeiten für Kinder unter 12 Jahren würden angeboten. Davon sei aber kein Gebrauch gemacht worden. Bei Bedarf seien die Zwischenmahlzeiten jederzeit wieder erhältlich.

Zum Fall des minderjährigen Asylsuchenden hält das SEM fest, dass es keine Räume gebe, die 40 Personen aufnehmen könnten. Der Knabe sei in einem Zweierzimmer untergebracht gewesen und befinde sich in der Zwischenzeit nicht mehr auf dem Glaubenberg.

«Professionelle Dolmetscher werden in den Bundeszentren nur in Ausnahmefällen beigezogen», so die Stellungnahme weiter. Für mündliche Übersetzungen würden in der Regel sprachkundige Mitarbeitende eingesetzt oder andere Gesuchsteller herangezogen.

Laut Hausordnung müssten die Asylsuchenden ihre Handys abgeben. Die Regelung diene zur Wahrung der Ruhe und zum Schutz der Persönlichkeitsrechte. Es soll verhindert werden, dass Bilder oder Filme von Gesuchstellern auf sozialen Medien auftauchten. Ihre SIM-Karte dürfen sie aber behalten, und sie erhielten vom SEM ein einfaches Handy, das nur das Telefonieren erlaubt. Zudem könnten sie Karten kaufen, welche sie an den drei öffentlichen Telefonapparaten verwenden können.

Martin Uebelhart

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