OBWALDEN: Auch nach 50 Jahren ist ihr das Mosten nicht verleidet

Goldig, fruchtig und süss sollen die Säfte sein. Der Vater von Anni Küchler hat vor langer Zeit den 1. Obwaldner Süssmost-Wettbewerb gewonnen. Der Jubiläumstitel geht nun ebenfalls an die Kernser Familie.

Adrian Venetz
Drucken
Teilen
Siegerin Anni Küchler-Scheuber mit dem Glaspokal, den ihr Vater bereits 1968 gewonnen hat. (Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 27. Januar 2017))

Siegerin Anni Küchler-Scheuber mit dem Glaspokal, den ihr Vater bereits 1968 gewonnen hat. (Bild: Adrian Venetz (Sarnen, 27. Januar 2017))

Jubiläum bei der IG Obst Obwalden: Sie hat diese Woche zum 50. Süssmost-Qualitätswettbewerb geladen. Kaum zu glauben: Seit der ersten Stunde ist die Kernserin Anni Küchler-Scheuber (66) dabei. Als 16-Jährige begleitete sie ihren Vater zum ersten Wettbewerb 1968 – damals holte die Familie den ersten Rang. Als Preis gabs einen grossen Glaskelch mit Gravur und eine kleine Urkunde. «Mit wenigen Ausnahmen haben wir jedes Jahr am Wettbewerb teilgenommen», erzählt Anni Küchler stolz.

Was macht einen guten Süssmost aus? «Sauberes und gutes Obst und die richtige Mischung von verschiedenen Sorten sind wichtig.» Die Früchte müssen «gut gereift, aber nicht ‹pfluderweich› sein». Zu Anni Küchlers bevorzugten Apfelsorten gehören etwa Goro, Sauergrauech und Blauacher. Namen, die man nicht unbedingt antrifft, wenn man im Einkaufszentrum ein paar Äpfel kaufen will. Aus gutem Grund: «Viele Sorten, die sich fürs Mosten eignen, schmecken nicht besonders, wenn man sie einfach isst.» Anderseits gebe es vorzügliche Speiseäpfel, die sich wiederum nicht fürs Mosten eignen – deshalb die Unterscheidung zwischen Tafelobst und Mostobst.

Die nächste Chance auf Gold folgt sogleich

Etwa 20 Apfelbäume und drei alte Birnbäume gehören zum Bauernhof der Familie Küchler in Kerns. Im vergangenen Herbst hat Anni Küchler insgesamt 600 Liter Most abgefüllt. Ein Teil davon geht an private Kunden und Bekannte, ein Teil bleibt im Haushalt. «Mein Mann und ich trinken jeden Tag ein Glas.»

600 Liter sind zwar nicht viel verglichen mit dem, was andere Obstbauern in der Schweiz an Most abliefern. Für Anni Küchler steht aber nicht die Menge oder der Absatz im Vordergrund, sondern die Freude am Mosten. Auch an den jährlichen Qualitätswettbewerben des Schweizer Obstverbands hat sie schon neun Mal teilnehmen dürfen. Für eine Goldmedaille hat es knapp nie gereicht. «Gegen die Ostschweizer mit ihrer riesigen Auswahl an Apfelsorten ist es schwer zu gewinnen», sagt sie lachend. Dafür hat Anni Küchler den Obwaldner Wettbewerb einmal mehr für sich entscheiden können – und zwar mit der Vollpunktzahl. Heuer haben 24 Personen teilgenommen. Martin Amgarten von der IG Obst Obwalden sitzt in der Jury, welche die Moste blind degustiert und nach verschiedenen Kriterien bewertet. «Der Süssmost von Anni Küchler ist ein Gedicht.» Damit hat sie sich für den nationalen Wettbewerb am 24. Februar in St. Gallen qualifiziert. Die nächste Chance auf Gold wartet also.

Adrian Venetz

adrian.venetz@obwaldnerzeitung.ch