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OBWALDEN: Ausflugsbahn nimmt wieder Fahrt auf

Nach 3-jähriger Durststrecke hat Lungern seine touristische Seilbahn zurück. Die Rundumsicht und die Kabinen gefallen. Noch sind die Initianten aber nicht am Ziel.
Oliver Mattmann
Besucherin Daniela Gasser geniesst mit ihren Kindern Jessica (vorne) und Julia die Aussicht aus der neuen Lungern-Turren-Bahn (Bild rechts). (Bilder Nadia Schärli)

Besucherin Daniela Gasser geniesst mit ihren Kindern Jessica (vorne) und Julia die Aussicht aus der neuen Lungern-Turren-Bahn (Bild rechts). (Bilder Nadia Schärli)

Oliver Mattmann

Als ob er es geahnt hätte, rief Theo Breisacher seine Tochter Brigitte just in jenem Moment an, als diese mit den ersten Besuchern auf Turren hoch ob Lungern aus der neuen orangefarbenen Kabine stieg. Aus seiner Bahn. «Herzlich willkommen, geniesst den Ausflug, und ich wünsche viel Spass mit der neuen Bahn», rief er über den Telefonlautsprecher den Teilnehmern der Jungfernfahrt zu. Der Unternehmer aus Alpnach, Investor des 8,5-Millionen-Projekts, musste wegen einer Notfalloperation vor einer Woche Forfait geben für die gestrige Premiere. «Er hat ein lachendes und ein weinendes Auge», erklärte Verwaltungsrätin Brigitte Breisacher. «Mein Vater darf am Mittag das Spital verlassen. Aber natürlich würde er gerne an meiner Stelle hier stehen und die ganze Entstehungsgeschichte erzählen.» Doch zu dieser Geschichte später mehr.

Die neue Lungern-Turren-Bahn. (Bild: Nadia Schärli (Neue OZ))
In der Talstation konnte eine Ausstellung über die Geschichte der Seilbahn begutachtet werden. (Bild: Nadia Schärli (Neue OZ))
Familie Gasser hat Ausblick auf den Lungernsee. (Bild: Nadia Schärli (Neue OZ))
Jessica gefällts in der neuen Seilbahn. (Bild: Nadia Schärli (Neue OZ))
Oben angekommen, kann die wunderschöne Aussicht genossen werden. (Bild: PD)
Die Talstation der Lungern-Turren-Bahn. (Bild: PD)
Die Talstation der Lungern-Turren-Bahn. (Bild: PD)
Mitarbeiter der Lunger-Turren-Bahn. (Bild: PD)
Auf dem Gipfel gab es Rösti und Spiegelei. (Bild: PD)
9 Bilder

Jungfernfahrt Lungern Seilbahn

Nervosität beim Geschäftsführer

Kurz vor dem Eintreffen der ersten Gäste hisste Geschäftsführer Stephan Wagner auf dem Parkplatz bei der Talstation drei Flaggen mit der Aufschrift «Lungern-Turren-Bahn». Ein Bild mit Symbolcharakter, ein Zeichen des Aufbruchs. Denn drei Jahre lang lag das touristische Potenzial des einstigen Skigebiets brach, nachdem das Bundesamt für Verkehr die damalige Lungern-Schönbüel-Bahn 2013 stillgelegt hatte. «Ich bin schon etwas nervös», gestand Wagner. «Es kommt nicht alle Tage vor, dass man eine Bahn eröffnen kann.»

Die vergangenen Monate seien kräftezehrend gewesen. Kein Wunder: Seit der Initialzündung bei Theo Breisacher – ein Artikel in der «Zentralschweiz am Sonntag» im Februar 2015 über die bis dahin erfolglose Suche nach einer Lösung für das verlotternde Gebiet – und der Inbetriebnahme sind gerade mal 14 Monate vergangen. Dazwischen erfolgten Absichtserklärungen, die Gründung der Lungern-Turren-Bahn AG, der Erwerb von Grundstücken für die Tal- und Bergstation, die Auftragsvergabe an die Garaventa und der Abbruch alter Gebäude bis hin zur Betriebsbewilligung, die am Freitag um exakt 12.51 Uhr eintraf. «Als Theo Breisacher im vergangenen Frühjahr an mich herantrat und mir seine Pläne vorlegte, habe ich ihm gesagt, das sei praktisch unmöglich», erinnert sich Architekt Stini Kiser. Dank dem Zusammenspiel aller involvierten Unternehmen und Behörden habe man den ehrgeizigen Fahrplan aber durchziehen können.

Er biss erst im zweiten Anlauf an

Es habe Momente gegeben, in denen er zweifelte, ob der Ausflugsberg je wieder zum Leben erweckt wird, gestand der Obwaldner Volkswirtschaftsdirektor Niklaus Bleiker. «Vor allem, als Theo Breisacher zunächst eine Absage erteilte, schwanden die Hoffnungen.» Erst als man von der Idee eines Skibergs abkam und zum sanften Tourismus mit einem familienfreundlichen Wandergebiet schwenkte, lenkte der 80-jährige Investor ein. Für Bleiker der richtige Schritt: «Mit Engelberg, Melchsee-Frutt und anderen Skigebieten ist dieses Segment gut abgedeckt.» Mit der neuen Ausrichtung auf Turren werde auf eine vielversprechende Nische gesetzt. Diese Ansicht teilt der Lungerer Gemeindepräsident Josef Vogler. «Wir erhalten mit der neuen Bahn ein Geschenk», frohlockte er. Es sei generell ein Trend zum sanften Tourismus erkennbar, deshalb räume er dem Vorhaben gute Chancen ein. Dem konnte Thomas Gasser namens der beteiligten Unternehmen beipflichten, er vergass aber nicht zu erwähnen, «dass auch der wirtschaftliche Druck kommen wird.» Dazu Geschäftsführer Stephan Wagner: «Wir rechnen mit zwei Jahren Anlaufzeit, bis das Angebot auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat.»

Direkter Draht ins Spital

Dass dabei das angekratzte Image aus der unrühmlichen Vergangenheit störend wirken könnte, glaubt Gemeindepräsident Vogler nicht. Es sei inzwischen einige Zeit verstrichen. «Vielleicht hat es diese auch gebraucht.» Aber man könne im Dorf fragen, wen man wolle: «Die Vorfreude ist bei allen gross.» Dies bestätigte der einheimische Sepp Imfeld, der zu den ersten der zahlreichen Besucher gehörte: «Ich bin sehr gespannt gewesen und positiv beeindruckt.» Seine Frau Esther ergänzte: «Wir hatten nie Bedenken, weil es von Beginn weg professionell aufgezogen wurde.» Auch Veronika von Rotz aus Stans schwärmte nach der gut 6 Minuten dauernden Fahrt auf 1530 m ü. M. vom «grandiosen Ausblick». Sie sei nicht das letzte Mal oben gewesen, obschon ihr ein Gastrobetrieb fehle. Tatsächlich sei man noch auf der Suche nach einem Wirt für ein Provisorium in diesem Sommer, bestätigt Brigitte Breisacher. Das neue Restaurant mitsamt Spielplatz werde erst noch gebaut und öffne im Frühjahr 2017. «Wir haben den Fokus auf einen schnellen Bahnstart gelegt und mussten die anderen Projekte etwas zurückstellen.»

Ihr verhinderter Vater konnte übrigens den emotionalen Moment der Bahneröffnung gestern doch miterleben – wenn auch auf andere Art. «Eine meiner Schwestern ist bei ihm im Spital und versorgt ihn laufend mit aktuellen Bildern», schmunzelte Tochter Brigitte.

Eröffnung: Mehr Bilder von der neuen Bahn finden Sie auf www.obwaldnerzeitung.ch/bilder

Mehr Bilder von der Eröffnung der neuen Bahn finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder

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