Obwalden
Bald soll es eine kostenlose Beratung für KMU geben

Mit der Schaffung einer neutralen Anlaufstelle für KMU in anspruchsvollen Situationen soll in den Kantonen Obwalden, Nidwalden und Uri eine Lücke geschlossen werden. Hinter dem Projekt stehen zwei erfahrene Geschäftsleute.

Primus Camenzind
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«Für Kleinunternehmer gibt es Beratungsstellen von Berufsverbänden aller Art – auch für Landwirtschaftsbetriebe. Im Wirtschaftsleben ist es an der Tagesordnung, dass sich ‹Mittlere und Grosse› von Consultingfirmen gegen Bezahlung beraten lassen. Aber für KMU mit besonderen Herausforderungen existiert so etwas nach unseren Recherchen schweizweit noch nicht», gab Bruno von Rotz, Mitinitiant des Projektes «KMU-Help», am Montag, 8. November, im Rahmen einer Präsentation zu verstehen. Er denkt an eine regionale Non-Profit-Organisation für kleine und mittlere Betriebe mit 1 bis 40 Mitarbeitern.

Die beiden Initianten Bruno von Rotz (links) und Peter Kohler stellen ihr Konzept «KMU-Help» für die Kantone Ob- und Nidwalden und Uri vor.

Die beiden Initianten Bruno von Rotz (links) und Peter Kohler stellen ihr Konzept «KMU-Help» für die Kantone Ob- und Nidwalden und Uri vor.

Bild: Primus Camenzind (Sarnen, 8. November 2021)

Fokussiert auf weiche Faktoren

Hinter der Idee KMU-Help steht neben von Rotz auch Peter Kohler. Beide wollen aus den Erfahrungen ihres langjährigen und vielseitigen Berufslebens schöpfen. Von Rotz hat in den vergangenen 20 Jahren eine Consultingfirma unter dem Dach der Pistor AG geleitet. Für das Handels- und Dienstleistungsunternehmen der Branchen Bäckerei, Confiserie und Gastronomie begleitete er rund 150 Unternehmen bei der Nachfolgeplanung oder bei Start-ups für Jungunternehmen. «Meine Arbeit bewegte sich unter anderem auch in den sogenannten ‹weichen Faktoren›.»

Nach der Beendigung dieser Tätigkeit und in der Überzeugung, dass es eine Lücke zu schliessen gilt, war für von Rotz klar, dass er in der ihm vertrauten Form auch für KMU-Unternehmen tätig sein wollte. Dafür tat er sich mit Peter Kohler zusammen. Er stammt aus Meiringen, ist jedoch seit Jahren in Obwalden sesshaft. Nach seiner Zeit als Gemeindeschreiber und Finanzverwalter war er unter anderem als Direktor des Freilichtmuseums Ballenberg tätig. Seit zweieinhalb Jahren ist er selbstständig. Er hat in all den Jahren genauso wie von Rotz festgestellt, dass die bereits erwähnten «Softfaktoren» häufig entscheidend sind für die positive Entwicklung einer Unternehmung. «Das macht unser Projekt KMU-Help für mich so spannend», betont Kohler.

Ein ehrenamtliches Engagement

Im Rahmen der Präsentation machten die Initianten deutlich, dass mit KMU-Help eine neutrale Anlaufstelle aufgebaut werden soll, die für «anspruchsvolle Situationen» einen ersten «niederschwelligen» Kontakt anbietet. In der Non-Profit-Organisation werden Vertrauenspersonen (Coaches) ehrenamtlich, lediglich für Spesenentschädigungen mitwirken. Von Rotz: «Wir sind weder das Sorgentelefon 143, noch erteilt die geplante Anlaufstelle juristische, versicherungs- oder steuertechnische Auskünfte. Den Coaches können vielmehr heikle Situationen in Zusammenhang mit der Geschäftstätigkeit, unter anderem Probleme rund um die ‹Work-Life-Balance› anvertraut werden.»

Hemmschwellen abbauen

«Wir möchten im Umgang mit den Klienten so einfach wie möglich agieren und Hemmschwellen abbauen», erklärte Peter Kohler. In der zukünftigen Organisation in Form einer Stiftung oder eines Vereins engagieren sich Persönlichkeiten, welche nach Aussagen der Initianten «Menschen mögen», loyal sind und über Erfahrung und hohe Sozialkompetenz verfügen. «Zuhören auf Augenhöhe», lautet die Devise. Die zu schaffende unabhängige und schlanke Geschäftsstelle dürfe sich zudem nicht direkt in die Gespräche zwischen den Vertrauenspersonen und den KMU einbringen. Zwei bis drei Kontakte sollen – abgesehen von Fahrspesen und dergleichen – kostenlos sein. Weitere Leistungen würden zu gleichen Teilen von der Stiftung, beziehungsweise dem Verein und den «Klienten» abgegolten. KMU-Help wird nach den Vorstellungen von Kohler und von Rotz durch Mitgliederbeiträge, Beiträge von Verbänden, Institutionen oder Freiwilligen, durch Erträge aus Leistungsvereinbarungen (beispielsweise mit Banken, Versicherungen) oder durch Patronate finanziert.

Auf positive Reaktionen gestossen

Die beiden «Vordenker» von KMU-Help stellten schlussendlich einen straffen Zeitplan zur Verwirklichung der Idee vor: Infoanlass Ende November; Evaluation der Organisation bis März 2022; Start der Kontaktstelle am 1. September 2022; erste Jahresversammlung im März 2023. «Wir haben inzwischen bereits zahlreiche Gespräche geführt und stossen durchs Band auf positive Reaktionen», bekräftigte Bruno von Rotz. «Das Projekt kennt keine Kantonsgrenzen. Unser Start soll zuerst in der Region Obwalden, Nidwalden und Uri stattfinden. Wir hoffen allerdings, dass KMU-Help dereinst dezentralisiert in allen Regionen der Schweiz angeboten werden kann», sind sich Kohler und von Rotz einig.

Infoabend für Interessierte: Donnerstag, 25. November, 20 Uhr im Hotel Metzgern in Sarnen. (Covid-19-Massnahmen und Regeln des BAG). Kontakt: Bruno von Rotz, 079 773 52 28/ bruno.vonrotz@gmx.ch.

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