Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

OBWALDEN: Bauern leiden unter Mäuseplage

Dieses Jahr hat es ausserordentlich viele Wühlmäuse, mit bitteren Folgen für die Landwirte. Fallen, Füchse, Vögel und Vieh können zwar Abhilfe schaffen. Die Plage wird sich aber trotzdem wiederholen.
Franziska Herger
Bauer Hans Häcki rückt den Wühlmäusen mit Fallen auf die Pelle. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 27. September 2017))

Bauer Hans Häcki rückt den Wühlmäusen mit Fallen auf die Pelle. (Bild: Pius Amrein (Sarnen, 27. September 2017))

Franziska Herger

franziska.herger@obwaldnerzeitung.ch

«Aha, hier ist ein Gang», ruft Hans Häcki. Soeben hat die Erde unter der spitzen Metallstange nachgegeben, mit der er in seinem Feld stochert. Der Sarner Bauer gräbt eine sogenannte Topcap-Falle in den feuchten Boden ein und dreht deren Öffnung so, dass der unterirdische Gang offen bleibt. Kommt eine Wühlmaus des Weges, schnappt die Falle zu. Bei regelmässiger Kontrolle kann Häcki so an einem Spitzentag mit seinen 10 bis 40 Fallen über hundert Mäuse fangen. «30 bis 40 Tiere finde ich häufig. Heuer ist wieder ein Mäusejahr.»

Er höre von vielen Bauern, dass es dieses Jahr extrem viele Wühlmäuse habe, bestätigt Bruno Abächerli, Leiter des Obwaldner Amts für Landwirtschaft. Die Tiere sind Vermehrungskünstler: Aus einem Pärchen im Frühling können bis zum Winter 500 Mäuse werden. In Mäusejahren wie aktuell kommen Populationen von bis zu 1000 Tieren pro Hektare vor. «Die Plagen wiederholen sich wellenartig alle fünf bis sieben Jahre und verschwinden dann von selber wieder», so Abächerli. Das habe mit der Biologie der Wühlmäuse zu tun, erklärt Olivier Huguenin von der landwirtschaftlichen Forschungsanstalt Agroscope: «Zyklische Massenvermehrungen sind auch bei anderen Nagetieren zu beobachten.» Warum die Population danach zusammenfällt, sei nicht ganz klar, so Huguenin: «Mögliche Erklärungen sind etwa Futterknappheit oder Krankheiten.» Bis dahin richten die nur 130 Gramm schweren Tiere aber einigen Schaden an. In bis zu 40 Meter langen Gangsystemen kommen sie immer wieder an ­ die Oberfläche und werfen tellergrosse Erdhaufen auf. «Wenn es nass ist, wie jetzt im Herbst, und man mit der Mähmaschine über die Hügel fährt, verschmiert das Gras», erklärt Bauer Häcki. «Das fressen die Kühe nicht.» Häcki schätzt, dass er durch die Mäuse etwa 10 Prozent seines Grünfutters verliert. Gelangt Erde mit dem Gras in die Siloballen, kann es zudem zu Fehlgärungen kommen. «Und wenn man nicht immer wieder nachsät, wächst auf den Grasnarben sofort Unkraut», sagt Häcki. «Auch schon war es so schlimm, dass wir ein Sägerät brauchten. Das wird dann teuer.»

Viel Geduld gefragt in Mäusejahren

Was tun gegen die Mäuseplage? «Früher gab es professionelle Mäusejäger, die pro Schwanz ­bezahlt wurden», sagt Bruno ­Abächerli. Heute müssen die Bauern selber des Problems Herr werden. Bauer Häcki stellt seine Fallen nur auf, wenn er Zeit hat. «Ich muss mindestens zwei Stunden am Tag investieren, sonst nützt es nichts.» Einige seiner Bauernkollegen hätten das Mausen wegen des Aufwands ganz aufgegeben. Doch die Fallen bringen Erfolge: «Auf den Flächen, wo wir sie aufstellen, hat es deutlich weniger Mäuse.» Bruno Abächerli empfiehlt weiter, auf stark befallenen Flächen wenn möglich mit Kühen oder Rindern zu weiden, statt zu mähen. «Die Mäusehaufen werden so etwas zertrampelt.»

Auch Füchse sind effiziente Mäusejäger. «Per 2015 wurde daher in Obwalden auf Antrag der Landwirtschaft die Bejagbarkeit des Fuchses verkürzt», sagt Jagdverwalter Cyrill Kesseli. Und Mäusebussarde machen ihrem Namen alle Ehre. Wie andere Greifvögel und Eulen brauchen sie aber Landemöglichkeiten auf Dächern, Bäumen oder Sitzstangen. «Bauern, die an solchen Greifvogelstangen interessiert sind, können sich beim Hegechef ihrer Gemeinde melden», sagt Cyrill Kesseli.

Von Massnahmen wie Vergasen oder Vergiften der Mäuse will Hans Häcki nichts wissen. «Ich will keine giftigen Rückstände im Boden, sonst stirbt noch die Katze, wenn sie eine Maus holt.» In einem Mäusejahr brauche es vor allem Geduld, sagt Häcki. «Ich bin seit 30 Jahren Bauer, und die Mäuse kommen immer wieder. Man muss beim Jagen und Einsäen einfach immer dranbleiben.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.