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OBWALDEN: Beide sehen eine echte Chance

Am Sonntag gilt es nochmals ernst für André Windlin und Erich Ettlin. Wie hat sich die Ausgangslage für die beiden Kernser Ständeratskandidaten geändert?
Adrian Venetz
Nach dem ersten Wahlgang blieb das Rennen offen: Erich Ettlin (links) und André Windlin im Rathaus in Sarnen. (Bild Roger Zbinden)

Nach dem ersten Wahlgang blieb das Rennen offen: Erich Ettlin (links) und André Windlin im Rathaus in Sarnen. (Bild Roger Zbinden)

Adrian Venetz

2448 Stimmen mehr: Es war ein ansehnliches Polster, das Erich Ettlin (CVP, Kerns) nach dem ersten Wahlgang am 18. Oktober gegenüber André Windlin (FDP, Kerns) aufwies. In der Zwischenzeit wurden die Karten neu gemischt: Die SVP hat ihren letztplatzierten Kandidaten Adrian Halter zurückgezogen und sich entschlossen, Windlin zu unterstützen. Das tut, wie bereits beim ersten Wahlgang, auch eine ganz knappe Mehrheit der SP.

Seltsame Konstellation

Dass sich sowohl die Linke wie auch die Rechte hinter den FDP-Kandidaten stellt, ist bemerkenswert. Der Entscheid innerhalb der SP war jedoch alles andere als unumstritten. Kein Wunder: Auf dem Papier präsentiert sich Windlin bürgerlicher als Ettlin. Gerade in Themen wie Migrationspolitik, ausgebauter Sozialstaat und Umweltschutz – also auch typische Herzensanliegen der Linken – sind deutliche Unterschiede auszumachen. André Windlin politisiert hier gemäss der Online-Wahlplattform Smartvote fernab von der Linie der Sozialdemokraten.

«Versprechen» wird hinfällig

Dass die SVP neu Windlin die Stange hält, ist weniger überraschend. Bei der Partei punktete der Biobauer und Kernser Gemeindepräsident überdies mit der Aussage, dass er als Ständerat für einen zweiten SVP-Bundesrat kämpfen würde. Dieses «Versprechen» nach dem ersten Wahlgang hat in der Zwischenzeit allerdings einiges an Wirkung und Brisanz verloren, nachdem Eveline Widmer-Schlumpf von sich aus ihren Rücktritt angekündigt hat.

CSP nun für Ettlin

Also alle gegen den Steuerexperten und politischen Quereinsteiger Erich Ettlin? Nicht ganz. Auch der CVP-Kandidat hat neuen «externen» Support erhalten, und zwar von der CSP, die vor dem ersten Wahlgang noch Stimmfreigabe beschlossen hatte. Hauptargument der CSP: Weil die Wahlen am 18. Oktober einen Rechtsrutsch brachten, gelte es nun, die politische Mitte zu stärken.

Und wie beurteilen die beiden Kandidaten die Ausgangslage vor dem zweiten Wahlgang? FDP-Kandidat Windlin, der im ersten Wahlgang 4306 Stimmen holte, sieht seine «Chancen intakt», wie er auf Anfrage sagt. «Ich konnte meine Bekanntheit weiter vergrössern und habe ein gutes Gefühl.» Klar ist für ihn, dass es ohne den Rückzug des SVP-Kandidaten Adrian Halter «sicher nicht klappen würde – nun aber habe ich eine echte Chance». Windlin ist sich bewusst, dass die gleichzeitige Unterstützung der SP und SVP keine alltägliche Konstellation ist. «Ich sehe das aber als positives Zeichen. Es zeigt, dass ich breit abgestützt bin und alle Meinungen wahrnehmen möchte.»

Nach seiner Nomination, die bereits Ende April erfolgte, ist André Windlin vor allem auch «froh, dass die definitive Entscheidung nun näherrückt». Mehr als ein halbes Jahr lang stand seine Zukunft offen. «Es war eine hochspannende Zeit», blickt der 47-Jährige auf den Wahlkampf zurück. «Aber vorwärtsplanen kann man in dieser Zeit nicht.»

Rechnen allein kann man nicht

Für Erich Ettlin ist klar, dass sich die «Ausgangslage etwas verändert hat» seit dem ersten Wahlgang. Trotzdem ist er zuversichtlich für den zweiten Wahlgang. «Es könnte eng werden, aber ich bin immer noch optimistisch.» Dass SP und SVP seinen Kontrahenten André Windlin unterstützen, ist «schon eine spezielle Konstellation», so Ettlin. «Das sind parteitaktische Manöver, die ich so zur Kenntnis nehme.» Das Gefühl, dass die Devise nun «Alle gegen Ettlin» laute, habe er deswegen nicht. «Ich sehe das sportlich. Wenn einer in Führung liegt, versucht man halt, den Leader ‹abzufangen›.» Stimmen die SP- und SVP-Wähler geschlossen für Windlin, wird es rein rechnerisch eng für Ettlin. «Aber Ständeratswahlen sind auch Kopfwahlen», sagt Ettlin. «In der Politik kann man nicht immer ‹1 plus 1 gleich 2› rechnen.»

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